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Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 17:20 Uhr

20 Fragen : Hochschullehrer im (Un)Ruhestand

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

20 Fragen an Erwin Neumann: der Literaturwissenschaftler ist ein unermüdlicher Kulturarbeiter in der Barlachstadt Güstrow

Der Güstrower Dr. Erwin Neumann ist 1931, also noch in der Weimarer Republik geboren. Bis 1945 war er ein Schweriner, allerdings aus Schwerin an der Warthe, dem heutigen Skwierzyna. Danach Gelegenheitsarbeiter in der Ostprignitz, u.a. im Torf, dann Maschinenschlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge. Es folgte die Sonderreifeprüfung und das Studium der Germanistik an der Pädagogischen Hochschule Potsdam. Von 1956 bis 1992 literaturwissenschaftliche Lehr- und Forschungstätigkeit an der PH Potsdam, der PH Güstrow und der Uni Rostock. 1981 folgte die Habilitation. Schwerpunkte seiner Lehr- und Forschungstätigkeit waren: Geschichte der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zum Vormärz, Qualifikationsschriften und Publikationen zu Goethe, Hermann Hesse, Bertolt Brecht und zur DDR-Kinder- und Jugendliteratur. 1982 war Erwin Neumann Mitbegründer der Güstrower Goethe-Ortsvereinigung, deren Vorsitzender er bis 1999 war. Er ist verheiratet mit einer Lehrerin, hat zwei Töchter und einen Sohn. Leser der SVZ ist Erwin Neumann seit 1970.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Altersbedingt an meinem Schreibtisch in unserer Wohnung.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort andern?
Ich würde einige Energie darauf verwenden, jene Hundehalter zu belangen, die die Beseitigung der natürlichen Hinterlassenschaft für eine Sache der Stadtwirtschaft bzw. der Wohnanlieger halten. Aber gewiss hätte ich mich wohl um vorrangigere städtische Probleme zu kümmern.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Wenn nicht in unserer Wohnung, dann wahrscheinlich in einer der monatlichen Veranstaltungen unserer Güstrower Goethe-Ortsvereinigung, der Neubrandenburger Philharmonie im Ernst-Barlach-Theater oder des Awo-Literaturkreises in der Südstadt.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
1946 mit Hilfsarbeiten in einer Ostprignitzer Gärtnerei, 12 Pfennige die Stunde.

Wofür haben Sie es ausgegeben?
Es ging mit ein in die knappe Familienkasse, um die Lebensmittelkarten „abkaufen“ und zusätzlich „kartenfreies“ Brot beschaffen zu können.
Was würden Sie gerne können?
Ich würde gerne die moderne Informations- und Kommunikationstechnik beherrschen.
Was stört Sie an anderen?
„Falsch Zeugnis reden wider seinen Nächsten“ und Hinterhältigkeit.

Worüber haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?
Über den Wortwitz eines Kandidaten in der letzten TV-Sendung „Wer wird Millionär“, der sein Verhältnis zu seiner Frau mit den Worten „Wanderzirkus trifft Ordnungsamt“ auf den Nenner brachte.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich habe noch unlängst davon gesprochen, ich würde mich mit Beginn des neuen Jahres nun endgültig aus der aktiven Kulturarbeit zurückziehen. Ich spüre, dass mir das nicht gelingen wird.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Meine Mutter, weil sie es im mörderischen Befreiungschaos des Jahres 1945 nach dem Verlust ihres Mannes (unseres Vaters), ihrer Eltern, dreier Geschwister und von Haus und Hof mit unwahrscheinlicher Tatkraft und Seelenstärke geschafft hat, ihre drei Kinder, meine beiden Schwestern und mich, durchzubringen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Die Ende 2013 im Hanser Verlag München erschienene neue Goethe-Biographie von Rüdiger Safranski „Goethe. Kunstwerk des Lebens“, 750 Seiten.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Die Arzt- und Sachsen-Klinik-Serie „In aller Freundschaft“
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Weder da noch dort, dafür in diversen monatlichen Kulturveranstaltungen der Stadt.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Unter dem Eindruck der Fernsehübertragung des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker: den Dirigenten Daniel Barenboim.
Wenn Sie kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Ich koche nur selten und akzeptiere noch immer den altbäuerlichen Grundsatz meines Vaters: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!“ Am liebsten sind mir heute die norddeutschen Eintopfgerichte meiner Frau.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Ich erinnere mich noch immer gern daran, als Chormitglied unseres Potsdamer Studentenensembles den „Wach auf“-Chor aus Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ mitgesungen zu haben.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Ich werde täglich daran erinnert, dass mir meine Frau in den 1960er-Jahren eine wertvolle Armbanduhr, eine Glashütte-Automatik, geschenkt hat, die mir auch nach mehr als 40 Jahren noch lieb und teuer ist.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich wünsche mir einen traumhaft schönen Verlauf unserer für den Sommer geplanten Busreise in das Baltikum.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?
Ich lese viel, fahre gern Rad, und in der warmen Jahreszeit schwimme ich fast täglich im Inselsee.
Wem, sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Frau Dr. Rita Buchweitz, die als germanistische Sprachwissenschaftlerin in der Zeit ihrer Berufstätigkeit vielen ausländischen Studenten und Deutschlehrern im In- und Ausland deutsche Sprache und Kultur vermittelt hat, über viele Jahre Vorsitzende des Güstrower Theatervereins war, den Awo-Literaturkreis ehrenamtlich leitet und im Laufe der Jahre auch viele Beiträge für die SVZ geschrieben hat.








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