Mit dem Rollstuhl durch die Güstrower Altstadt : Historisches Pflaster nicht praktikabel

Diskussion auf dem Pferdemarkt:  Renate Zettel neben ihrem Mann Olaf Zettel im Rollstuhl (r.) schildert Bürgermeister Arne Schuldt (l.), der bei der Stadtbegehung mit dem Behindertenbeirat in einem Rollstuhl Platz genommen hatte, ihre Situation. REgina Mai
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Diskussion auf dem Pferdemarkt: Renate Zettel neben ihrem Mann Olaf Zettel im Rollstuhl (r.) schildert Bürgermeister Arne Schuldt (l.), der bei der Stadtbegehung mit dem Behindertenbeirat in einem Rollstuhl Platz genommen hatte, ihre Situation. REgina Mai

Der Behindertenbeirat macht mit einer Aktion auf die Situation von Rollstuhlfahrern in Güstrow aufmerksam. Ein Problem: grobes Straßenpflaster. Auch hohe Bordsteinkanten sind für Rollator oder Rollstuhl ein Hindernis.

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26. September 2012, 08:19 Uhr

Güstrow | Für Behinderte und alte Menschen ist das Leben beschwerlich, auch in Güstrow. Der Beirat für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung ging gestern mit Güstrows Bürgermeister und weiteren Verwaltungsmitarbeitern sowie Stadtvertretern durch die Barlachstadt. Das Fazit: Rollstuhlfahrer und die Benutzer von Rollatoren haben Probleme mit grobem Pflaster, hohen Bordsteinkanten sowie Tischen, Stühlen und Auslagen vor Gaststätten, Cafés und Ladengeschäften. Die Seitenstreifen des Pferdemarktes mit glattem Pflaster sind somit zu einem großen Teil zugestellt und können mit Rollstuhl und Rollator nicht benutzt werden.

"Es ist ein Anfang", wertete Bürgermeister Arne Schuldt die gestrige in der Stadt durchaus Aufsehen erregende Aktion. Wie Detlef Wentzek von der Bauverwaltung der Stadt und Stadtvertreterin Hildegard Steinecke hatte sich auch Schuldt in einen Rollstuhl gesetzt und sich von Stephan Broszies vom Behindertenbeirat durch die Stadt schieben lassen. Drei ganz konkrete Probleme nahm Schuldt am Ende mit: ein störender Metall-Poller am Ende des Pferdemarktes, die Situation an der Einmündung der Wachsbleicherstraße auf dem Pferdemarkt - hier gibt es zwar einen ebenen Querungsstreifen für den Rollifahrer, der führt aber auf Tische und Stühle eines Cafés zu - und eine Heiz-Fackel an der Ecke Krönchenhagen/Hirtenstraße. Insgesamt, so versprach der Bürgermeister, müsse man noch mehr als bisher bei der Sanierung des Marktes und der Mühlenstraße die Belange Behinderter berücksichtigen.

Georg Weber (94), der vor einiger Zeit den Anstoß zu einer solchen Aktion gegeben hatte, ist fast täglich mit seinem Elektro-Rollstuhl unterwegs und ärgert sich über die nach historischem Vorbild gestalteten Altstadtstraßen. Seiner Meinung gehören die ins Museum. "Wir haben in Güstrow auf Alt gemachte Straßen, aber moderne Fahrzeuge. Das passt nicht zusammen", sagt Georg Weber. Er sehe in der Stadt den guten Willen, auch gute Anfänge. Aber es fehle doch das Geld, um alles auch behindertengerecht herzurichten, schätzt der 94-Jährige ein. Über zu hohe Bordsteine klagte u.a. Renate Zettel, die mit ihrem auf einen Rollstuhl angewiesenen Mann Olaf Zettel in der Neuen Straße wohnt. Sie müsse Umwege in Kauf nehmen, um mit dem Rollstuhl ins Stadtzentrum zu kommen. Der Schweiß laufe ihr den Rücken herunter, wenn sie den Pferdemarkt erreicht habe.

Rainer Moll, Vorsitzender des Behindertenbeirates kündigte an, dass man sich als nächstes mit den Gewerbetreibenden treffen möchte. Da gehe es insbesondere um barrierefreie Zugäng in die Geschäfte. "Wir können nur im Miteinander Veränderungen erreichen", betont Rainer Moll.

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