Laage : Historie und Zeitgeist auf Altem Friedhof

Pflegeleicht: Ingeborg Timm vom Friedhofsausschuss zeigt die Rasengrabanlage. Hier können auch Nachbarplätze z.B. für den Ehepartner reserviert werden.
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Pflegeleicht: Ingeborg Timm vom Friedhofsausschuss zeigt die Rasengrabanlage. Hier können auch Nachbarplätze z.B. für den Ehepartner reserviert werden. Fotos: Regina Mai

Monumentale Familiengräber neben Urnen-Gemeinschaftsanlagen in Laage

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18. November 2015, 16:30 Uhr

Ein Gang über den Alten Friedhof in Laage ist wie ein Exkurs in die Geschichte: große Familiengrabstätten, einzelne alte Grabsteine, das Durchschnittsgrab vergangener Jahrzehnte, Gemeinschaftsanlagen, eine Rasengrabanlage, Bänke, ehrwürdige alte Linden, Birken, Buchsbaum und ein alter, großer Rosenbusch, der immer im Juni überreich blüht. Ingeborg Timm vom Friedhofsausschuss der Christophorus-Kirchengemeinde Laage kennt wohl jeden Stein auf dem Gottesacker. Die imposanten Grabanlagen vergangener Tage würden den Charme des Alten Friedhofes ausmachen, auch die Natürlichkeit, ebenso Ordnung und Sauberkeit, meint sie. Zwei Mitarbeiter kümmern sich stundenweise. „Außerdem gibt es zweimal im Jahr Friedhofseinsätze. Das ist wohl schon seit 150 Jahren so“, denkt Ingeborg Timm. Am Sonnabend, 21. November, werden wieder viele freiwillige Helfer gebraucht, um zwischen 8 und 12 Uhr die Spuren des Herbstes zu beseitigen und den Friedhof vor dem Ewigkeitssonntag angemessen herzurichten

Ältester Grabstein von 1865
Am Sonntag wird der Toten gedacht. Die Namen derer, die im Verlauf des Jahres auf dem alten Friedhof bestattet wurden, werden verlesen. Alle Namen, nicht nur die der konfessionell Gebundenen, betont Ingeborg Timm. Noch immer gebe es Menschen, die denken, dass nur Christen auf dem Alten Friedhof in Laage ihre letzte Ruhestätte finden dürften. „Wir sind offen für alle“, sagt die 76-Jährige und benennt allerdings eine Einschränkung. „Anonyme Bestattungen gibt es hier nicht. Jeder Mensch hat einen Namen“, erklärt sie. Aber selbstverständlich gehe man mit der Zeit, sagt die Laagerin und zeigt doch als erstes einen Feldstein unter einer scheinbar uralten Eibe. „Es ist der älteste Grabstein“, sagt Ingeborg Timm und vermutet, dass er aus den Anfangsjahren stammt. Johann Friedrich Karl Sturm starb 1865. Früher befanden sich die Friedhöfe im direkten Umfeld der Kirchen. Als dort der Platz nicht mehr ausreichte, mussten im 19. Jahrhundert Ausweichflächen gefunden werden.

Pflegeleichte Rasengrabanlage
Ein paar Schritte weiter und gar nicht mehr so versteckt wie das Grab des Herrn Sturm ziehen die monumentalen Familiengräber die Blicke auf sich. Der Mühlenbesitzer Paul Lüth – eine Straße in der Recknitzstadt ist nach ihm benannt – ist hier ebenso verewigt wie der Mühlenbesitzer aus Korleput, ebenfalls ein Herr Lüth. „Die pflegen wir als Kirchengemeinde“, sagt Ingeborg Timm und schaut als nächstes auf eine weitere große Grabstelle (in der Regel für vier oder sechs Personen). Die könne demnächst zu einer Gemeinschaftsanlage umgestaltet werden. Dieses Angebot gibt es längst auch auf dem Alten Friedhof. Ein Stein trägt dort die Namen der Verstorbenen. Ingeborg Timm zeigt auch eine Anlage, wo kleine Steine mit Blumen davor im Rund stehen. In Reihe sind die Steine dagegen auf der Rasengrabanlage angeordnet. Der Rasen werde gepflegt. Jeder entscheide selbst, ob er direkt am Stein Blumen platziert. „Die Idee dazu hat Pastor Kretschmann aus Schweden mitgebracht“, erzählt die 76-Jährige. Es habe eine Zeit gedauert, bis das Angebot angenommen wurde. Ein Stichwort für Ingeborg Timm. Vorbereitet sei auch eine Anlage mit kleinen Grabplätzen, etwa ein Quadratmeter groß. „Wir waren so stolz darauf, aber von einer Reservierung abgesehen wird sie bisher leider nicht angenommen“, bedauert Ingeborg Timm. Zum Sonntag, so berichtet sie, werde Steinmetz Thomas Borgwardt Mustersteine aufstellen, um so ein Beispiel zu liefern, wie es aussehen kann

Gräber und Geschichte
Ingeborg Timm verweist auch nicht auf die Kriegsgräber für unbekannte Soldaten, auf die Grabanlage für die Laager Jugendlichen, die 1946 von der sowjetischen Militäradministration abgeholt wurden und nie wieder heimkehrten, auf einen Grabstein, der die Namen derer trägt, die sich in Laage im Mai 1945 das Leben nahmen, auf die Grabstätten wichtiger Persönlichkeiten wie ehemalige Bürgermeister und zuletzt der ehemalige Kultusminister Peter Kauffold, und der ehemaligen Pastoren, darunter ihr Mann, deren Gräber ewig gepflegt werden. So atmet der Friedhof Stadtgeschichte. Und auch das möchte Ingeborg Timm noch erwähnen: Es gab Zeiten, in denen den Namen Berufs-oder Tätigkeitsbezeichnungen hinzugefügt wurden: Bauer, Schmiedemeister, Domänenpächter. Etwas von der Tragik eines Lebens liest Ingeborg Timm auf den Grabsteinen mit solchen Hinweisen: geboren in Schlesien oder in Ostpreußen. Ob sie sich je in Laage zu Hause fühlten?

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