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Vereine in der Region : Hilfe für ein Leben ohne Gewalt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Verein Arche – für Frau und Familie Güstrow ist Träger des Frauenschutzhauses und der Männer- und Gewaltberatung.

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Gegründet hat sich der Verein Arche – für Frau und Familie Güstrow im März 1991 als Frauenschutzhaus-Initiative. Das Ziel bestand darin, für von häuslicher Gewalt bedrohte und betroffene Frauen einen sichern Ort zu schaffen. „Der Verein wurde gegründet, um Fördermittel zum Aufbau des Frauenhauses beantragen zu können“, erinnert sich Karin Wien. Am 1. Januar 1992 eröffnete das Frauenschutzhaus, das sich damals in der Schweriner Straße befand. Kürzlich fand im Rathaus ein Empfang zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung statt (SVZ berichtete), bei dem Karin Wien die Geschichte und die Entwicklung des Güstrower Hauses schilderte. Im Mai 1996 übernahm der Verein die Trägerschaft über die neu eingerichtete Beratungsstelle Männer- und Gewaltberatung. Da passte der Vereinsname nicht mehr, ein neuer wurde mit Arche – für Frau und Familie Güstrow gefunden. „Wir sind aber nicht konfessionsgebunden, sondern offen für alle Frauen, die bei uns Schutz und Beratung suchen und für Männer, die Gewalthandeln beenden wollen“, interpretiert Karin Wien das biblische Bild der Arche Noah als einen sicheren Ort, von dem aus Menschen in ein neues, selbst bestimmtes und gewaltfreies Leben aufbrechen können.

Begonnen hat Dieter Schmidt die Gewaltberatung 1996 mit zirka sechs Männern, deren Frauen im Frauenschutzhaus Unterkunft und Hilfe gefunden hatten. „Die wenigsten kommen aus eigenem Antrieb, sondern stehen unter einem Leidensdruck, der unter anderem durch eine Wegweisung der Polizei oder der eigenen Familie entsteht. Das bewirkt, dass die Männer mein Beratungsangebot annehmen“, sagt Schmidt, der ein Studium der Sozialpädagogik absolvierte und sich berufsbegleitend zum Gewaltberater/Gewaltpädagogen qualifizierte. Inzwischen berät er im Durchschnitt 110 Fälle im Jahr. Als einer von drei in MV aktiven Gewaltberatern umfasst sein Beratungsgebiet die Landkreise Rostock und Ludwigslust/Parchim und auch die Hansestadt Rostock. „Pro Klient werden zehn Beratungen durchgeführt“, sagt der Gewaltberater. Die Klientel umfasst die gesamte gesellschaftliche Bandbreite. „Einen Schwerpunkt bildet die Mittelschicht, aber in die Beratungsstelle kommen sowohl Hartz-IV-Empfänger als auch Lehrer, Firmenchefs oder Offiziere“, sagt Schmidt.

Ähnlich ist die Herkunft der Frauen, die der häuslichen Gewalt im Schutzhaus zu entfliehen suchen. In den 25 Jahren hat das Team um Karin Wien 2197 Frauen und Kinder stationär aufgenommen, betreut und begleitet. Dafür stehen sieben Wohnungen mit insgesamt 20 Plätzen zur Verfügung. Das Frauenschutzhaus und die Männer- und Gewaltberatung sind eng vernetzt mit ähnlichen Einrichtungen im Land wie der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking in Rostock, der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Rostock oder der Beratungsstelle für Betroffene häuslicher Gewalt Kröpelin. Im Land gibt es derzeit neun Frauenhäuser und acht Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt.

Finanziert werden Beratungsstelle und Frauenhaus vom Land, dem Landkreis und der Barlachstadt. Der Verein ist dankbar für diese Unterstützung, wünscht sich aber eine Erhöhung der Mittel. Vor allem vermisst Karin Wien eine Kinder- und Jugendberaterin. „Für die Beratung und Begleitung von Flüchtlingsfrauen, die unser Haus aufsuchen, müssen wir die doppelte Arbeitszeit aufwenden. Gleichzeitig bringen diese Frauen oft auch mehr Kinder mit, die ebenfalls betreut werden müssen. Allein im vergangenen Jahr kamen 53 Kinder zu uns, davon hatten 22 einen Migrationshintergrund“, schildert Karin Wien.

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