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Im 18-Seelen-Dorf Neuhof : Hier zählt bewusstes Leben mit der Natur

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Gerade einmal 18 Einwohner zählt das kleine Dorf Neuhof in der Nähe von Güstrow. Wer hier lebt, liebt die Ruhe der Natur. Gabriele und Jochen Hoffmann kamen vor fast 20 Jahren ganz bewusst aus der Großstadt hierher.

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erstellt am 03.Jun.2013 | 09:59 Uhr

Neuhof | An der Zehnaer Kirche vorbei geht es nach Neuhof. Trotz weiten Blickes in die Landschaft versteckt sich das Dorf noch, erst hinter einer Kuppe wird es sichtbar. Rechts steht ein Bienenwagen im fast verblühten Raps. Gut, dass der Regen für üppiges Grün sorgt, denkt man unweigerlich am Eingang des Dorfes, wo ehemalige Stallanlagen nicht eben einladend wirken. "Das war eine Schweinemastanlage", erzählt Adelheid Schult (56), die in Neuhof geboren ist und von wenigen Jahren in Leipzig abgesehen, ihrem Heimatdorf die Treue hält.

Sie könne sich auch noch an Schaf-, Pferde- und Kuhstall sowie eine Schmiede erinnern. In einem Mehrzweckgebäude gab es einen Kindergarten und im Sommer seien dort Erntehelfer untergebracht gewesen. Das sei lange her. Gutshaus und Schnitterkasernen seien ebenso verschwunden wie als letztes auch noch der Gutsgarten. Dabei erinnert sich Adelheid Schult noch an manchen wohlschmeckenden Apfel. "Die Sorten gibt es heute wahrscheinlich gar nicht mehr", denkt sie. Sechs Häuser stehen noch in Neuhof, eines ist unbewohnt. Die Neuhoferin zählt 18 Einwohner.

Balzende Kraniche gleich vor der Haustür

Sie genießt mit ihrem Mann die Ruhe und die Natur. "Vor uns auf dem Feld können wir das Balzen der Kraniche beobachten", hebt sie eine besondere Attraktion hervor. Sie liebt die Abgeschiedenheit. "Hier braucht man keine Kopfschmerztabletten", sagt die Köchin, die seit einigen Jahren erwerbsunfähig ist. Das einzige Manko sei die Straße, nichts als Flickschusterei. "Aber wenigstens der Winterdienst funktioniert seit einigen Jahren ganz gut", schätzt sie ein. Bürgermeister Fred Lange weiß um die Sorgen der Neuhofer und den Zustand der Straße. Gern würde die Gemeinde die Straße sanieren, aber es fehle einfach das Geld. Andererseits denkt Fred Lange, dass jemand, der sich einen Wohnort weit ab vom Schuss auswählt, sich auch darüber im Klaren seien müsse, dass dies mit gewissen Einschränkungen verbunden sein kann.

Genauso sehen das auch Gabriele (61) und Jochen (64) Hoffmann. Sie sind 1994 aus der Großstadt nach Neuhof gezogen. "Wir wollten kein Haus haben, wie wollten auf dem Land leben", erklärt der 64-Jährige. Viele Jahre fuhren beide täglich nach Rostock zu Arbeit. Auf ihrem Grundstück wirtschaften sie mit der Natur. Der umfangreiche Einsatz von Düngemitteln sowie Herbiziden und Pestiziden in der sie umgebenden Landwirtschaft findet nicht ihr Wohlwollen. "Aber wir wissen, wo wir hin gezogen sind und müssen damit leben, dass Landwirtschaft heute so funktioniert", sagt Jochen Hoffmann. Beim Ausbringen der Mittel müssen Abstände zur den Wohngrundstücken eingehalten werden, das weiß man. Schließlich baue man Obst und Gemüse an, weil das aus dem eigenen Garten einfach besser schmecke.

Ein Gemüsegarten ist auch für Hans-Dieter Schalkau (59) selbstverständlich. Kartoffeln, Zwiebel und Erdbeeren gedeihen prächtig. Der gebürtige Güstrower wohnt mit Familie wahrlich am Ende der Welt, denn der Weg endet an seinem Grundstück. Weiter geht es dort nicht. Manchmal, so erzählt er, habe er wegen des Winterdienstes schimpfen müssen, weil das letzte Ende wohl vergessen worden war. Weg möchte er allerdings nicht mehr aus Neuhof. Er liebt die leicht hüglige Moränenlandschaft und freut sich über gute Nachbarn. Einsam habe er sich in Neuhof noch nie gefühlt.

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