zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

20. September 2017 | 22:16 Uhr

SVZ-Serie : „Hier hilft jeder jedem“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“: Woland zwischen Hohen Sprenz und Weitendorf hat nur elf Häuser, hier leben 27 Einwohnern

Hat man einen Termin bei Familie Eggers im beschaulichen Woland zwischen Hohen Sprenz und Weitendorf ist das Empfangskomitee programmiert: Freudig bellend stürmen Schäferhund Piccolo, Jack Russel-Dame Lilly und der kleine Mischling Ali Richtung Gartenzaun und verkünden lautstark den Neuankömmling. Doch es dauert nicht lange, da eilt auch Hausherr Kurt Eggers an den Gartenzaun und öffnet das Tor. „Hier auf dem Land gehören Tiere einfach dazu“, sagt er mit einem Lächeln und fügt an: „Außerdem will das Grundstück ja auch beschützt werden“. Elf Häuser mit 13 Familien und 27 Einwohnern bilden das Herzstück des Örtchens an der Autobahn 19.

So herzlich der Empfang, so freundlich und aufgeschlossen ist auch das Gespräch mit Familie Eggers. Kurt (76) und Uta (71) sowie die jüngste Tochter Susanne (43) haben in Woland ihr zu Hause gefunden und sind hier trotz der Abgeschiedenheit rundum glücklich – das merkt man ihnen sofort an. „Wir verfolgen die SVZ-Serie ,Lütt Dörp’ schon lang und haben uns immer gefragt, wann unser Woland mal an der Reihe ist“, sprudelt es schnell aus den Eheleuten heraus. Bereits 1957 kam Kurt Eggers mit seinen Eltern nach Woland und fand in dem alten Siedlungshaus, welches er bis heute bewohnt, ein neues zu Hause. Wie es der Zufall wollte, lernte er hier auch Ehefrau Uta kennen und lieben. „Sie gefiel mir ja schon eine Weile, wollte zunächst aber nichts von mir wissen“, erinnert sich Kurt Eggers schmunzelnd. Bei der Hochzeit einer Kollegin 1967 in Woland funkte es dann jedoch zwischen den beiden, die Töchter Dorothe und Susanne machten das Familienglück schließlich perfekt.

Auf die Frage nach der Besonderheit ihres Heimatdorfes muss Uta Eggers indes nicht lang überlegen: „Die wunderschöne Natur und die Tierwelt mit ihren Kranichen, Fischreihern und Rehen sind Grund genug in Woland zu leben“, ist die 71-Jährige überzeugt, die darüber hinaus auch die gute Nachbarschaft des Ortes lobt. „Hier hilft jeder jedem. Letztens griff mir mein Nachbar beispielsweise beim Holzmachen unter die Arme“, nennt die Rentnerin ein Beispiel.

Ähnlich sieht dies auch Tochter Susanne für die früh feststand, dass sie trotz des Jobs in Rostock in Woland bleiben möchte. Gleich nach der Wende bauten die Eggers deshalb das alte Bauernhaus aus. „Mit der Abgeschiedenheit hatte ich nie ein Problem, eher im Gegenteil: Als Kind gab es immer genug Spielkameraden und in den umliegenden Wäldern wurde es nie langweilig“, erinnert sich Susanne Eggers. „Und auch heute fährt täglich der Bus, der Bäckerwagen hält einmal die Woche und mit dem Rad oder Auto wird dann der Rest erledigt“, fügt Mutter Uta an.

Zwar nicht ganz so lange wie der letzte „Ureinwohner“ Kurt Eggers, aber immerhin auch schon fast 20 Jahre lebt Hartmut Prochnow in Woland. Damals übernahm er das Elternhaus seiner Frau Magret, die schon in Woland zur Welt kam. Auf rund 3500 Quadratmeter hat sich der Rentner hier eine grüne Oase geschaffen und verbringt die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft. „Als Garten- und Landschaftbauer liegt das natürlich nahe“, sagt der 64-Jährige während er das alte Heidebeet erneuert und die neue Rasenkante sticht. Sein ganzer Stolz sind dabei die beiden Rhododendron-Büsche, die er nach der Landesgartenschau in Schwerin geschenkt bekam und seitdem hegt und pflegt. Einziges Manko des kleinen Dorfes seien die nahe liegende Autobahn und der Flugbetrieb des Fliegerhorstes. „Dieser Geräuschpegel ist wirklich gewöhnungsbedürftig, aber im Laufe der Zeit haben wir uns auch damit arrangiert – uns blieb schließlich nichts anderes übrig“, betont der Rentner.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen