Kinder-Kunst-Kompass : Hier hat alles eine Nummer

Staunen über ein „Löschgerät“ aus dem Jahr 1826.
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Staunen über ein „Löschgerät“ aus dem Jahr 1826.

Depot des Stadtmuseums zeigt Kindern seine Schätze.

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19. August 2016, 12:00 Uhr

Einen merkwürdigen Topf, oder so etwas Ähnliches, hält Iris Brüdgam hoch. Auf diesem prangt neben dem Wort „M. Tarnow“ die Zahl „1826“. Keines der Kinder, die die wissenschaftliche Mitarbeiterin des städtischen Museums begleiten, ahnt den Zweck dieses Gegenstands. Eines haben sie aber längst bemerkt: Alles hier in den Regalen und Schränken hat eine Nummer. Diese, viel kleiner als die auf dem ledernen Gebilde, dient der Registrierung aller Gegenstände, die sich auf dem Boden der Wollhalle befinden, erklärt Brüdgam. Die Kinder verstehen sehr schnell: Das muss auch sein, wie sonst könnte man unter den rund 100  000 einzelnen Objekten, die hier auf knapp 500 Quadratmetern untergebracht sind, noch durchsehen. Die Zahl auf diesem „Topf“ jedoch gibt das Jahr an, erklärt Iris Brüdgam. Es ist ein Löscheimer, wie er vor rund 200 Jahren vielleicht sogar verwendet wurde. Der Gedanke, was man damit bei einem großen Feuer wohl hatte ausrichten können, entlockte den Kindern ein ungläubiges, respektvolles Schmunzeln.

Zehn Mädchen und Jungen, die meisten aus dem Hort „Stelzenvilla“ und auf dem Sprung in die 2. Klasse, schlossen sich gestern einer Führung durch das Depot des Stadtmuseums an. Es war die letzte Tour dieser Art im diesjährigen Kinder-Kunst-Kompass, den der Kunst- und Altertumsverein Güstrow seit einigen Jahren als tägliche Ferienangebote konzipiert.

Für die gestrigen Besucher war eine „Abteilung“ im Depot ganz besonders spannend: Spielzeuge aus vergangener Zeit. So durfte Vanessa einen schier uralten Puppenwagen schieben. „Es fährt sich huppelig“, sagt sie, als die Eisenräder über die knarrenden Dielen rollten. Jeremy wusste auch an einem Spielzeug-Bügeleisen genau zu erklären, wie das früher ohne Strom funktionierte. Erstaunlich dagegen (oder vielleicht auch nicht?): Einen klassischen Peitschen-Kreisel erkannte nicht jeder als Spielgerät. Dafür erfuhren die Kinder, wie man ein Steckenpferd reitet – und durften selbst mit aller Vorsicht zwischen den Regalen eine Runde drehen. Staunen allenthalben, wie detailgetreu vielfach schon vor hundert Jahren Spielzeuge gefertigt wurden. Reichlich später, als das Plastikzeitalter in den Kinderstuben Einzug hielt, ähnelten die ersten Versuche von ihrem Prinzip her durchaus schon den heutigen, allseits bekannten Legofiguren.

„Wir haben hier im Depot sehr gute Lagerbedingungen“, sagt Iris Brüdgam. Eine Lüfterzentrale hält die Temperaturen konstant um 18 bis 20 Grad und die Luftfeuchtigkeit bei 50 bis 60 Prozent. Viele der Objekte bedürfen einer Restaurierung. „Wir haben aber keinen Restaurierungsstau“, sagt die Museumsverantwortliche. Jedes Jahr würden sich Restauratoren auf Honorarbasis um die dringlichsten Sachen kümmern. Brüdgam: „Da muss aber Prioritäten setzen.“ Zurzeit wären die historischen Güstrower Theaterzettel ganz aktuell – Papier zerfällt schließlich irgendwann, wenn es nicht fachgerecht aufbewahrt wird.

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