„Min lütt Dörp“ : Hier hält das ganze Dorf zusammen

Ingeborg Mähling (l.) und Helga Berndt wohnen am längsten in Kossow Krug und nennen das kleine Örtchen zwischen Rostocker und Laage seit 1961 bzw. 1963 ihr zu Hause.  Fotos: Anne Schwartz
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Ingeborg Mähling (l.) und Helga Berndt wohnen am längsten in Kossow Krug und nennen das kleine Örtchen zwischen Rostocker und Laage seit 1961 bzw. 1963 ihr zu Hause. Fotos: Anne Schwartz

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“ – heute: Kossow Krug in der Gemeinde Wardow / Im Dorf zwischen Rostock und Laage leben nur 13 Menschen

Wer in Kossow Krug nach einer Ortsbeschilderung sucht, wird nur schwer fündig. Denn es gibt weder ein Ortseingangsschild noch eine andere Beschriftung, die auf das kleine Dorf genau an der Bundesstraße 103 zwischen Laage und Rostock hindeutet. „Das war aber nicht immer so“, sagt Helga Berndt mit einem Schmunzeln. „Bis vor ein paar Jahren hatten wir Richtung Kossow mal ein Schild, welches die Bezeichnung Kossower Krug trug“, erinnert sich die 55-Jährige, die bereits seit 1963 ortsansässig ist. Sieben Familien, insgesamt 13 Einwohner, sind in Kossow Krug zu Hause und haben hier ihre Idylle gefunden.

Helga und Hans-Joachim Berndt bewohnen heute gemeinsam mit Sohn Benjamin (24) das Haus mit der Nummer 1a in Kossow Krug. Ihr Vater Eduard Mähling erbaute Ende der 1950er-Jahre in Eigenregie das Elternhaus, ehe es die gesamte Familie schließlich einige Jahre später endgültig von Teschow in den Nachbarort verschlug. Das Besondere: Auch Mählings Bruder Erwin begann zeitgleich mit dem Bau des Eigenheims, so dass noch heute zwei identische Häuser den Kern der 13-Seelen-Gemeinde ausmachen. „1974 baute mein Vater dann den ehemaligen Stall ebenfalls zu einem Wohnhaus um, in dem mein Mann und ich noch heute wohnen“, sagt die 55-Jährige. Trotz der Abgeschiedenheit – den Gedanken dem Ort den Rücken zuzukehren, hatte Helga Berndt nie. „Als ich zehn Jahre lang im Forschungszentrum Dummerstorf tätig war, gab es viele Möglichkeiten umzuziehen. Doch mir hat es hier immer gefallen und den Wunsch meines Vater, dass zumindest eines seiner Kinder bei ihm wohnen bleibt, konnte ich damit auch erfüllen“, sagt sie und man sieht ihr an, dass sie glücklich ist mit dieser Entscheidung. „Als Kind bin ich immer mit dem Fahrradanhänger nach Teschow gefahren und habe unsere Eier im Konsum abgegeben. Auch die Bäume, die heute meterhoch sind, luden zum Klettern und spielen ein und viele Tiere waren ja auch noch da“, erzählt die Kossowerin mit strahlenden Augen von ihren Kindheitserinnerungen.

Während jahrelang Schweine, Kühe oder Enten das Bild in Kossow Krug prägten, sind heute neben ganz viel Platz nur noch ein paar Hühner, Hunde und Katzen geblieben. „Das Dorf hat sich verändert, das alte Chausseehaus, wie es im Volksmund hieß und direkt an der Straße stand, gibt es nicht mehr, und auch viele Einwohner sind im Laufe der Zeit verzogen oder gestorben“, blickt Helga Berndt auf die vergangenen Jahre zurück. Dennoch schätzt die 55-Jährige vor allem den großen Zusammenhalt in „ihrem“ Dorf. „Wenn der Hund bellt, schaut schon mal jemand beim Nachbarn nach dem Rechten. Und auch Blumen gießen, Zeitung aus dem Briefkasten holen oder das Füttern der Tiere ist während der Urlaubszeit kein Problem“, sagt sie.

Eine echte „Ureinwohnerin“ in Kossow Krug ist dabei auch ihre Tante Ingeborg Mähling, die seit 1961 nicht mehr aus dem Dorfleben wegzudenken ist. „Ich wollte nie weg. Schließlich bin ich bodenständig, habe das Haus mit meinem Mann allein aufgebaut und werde auch bis zum Schluss hier bleiben“, ist sich die 82-Jährige, die heute gemeinsam mit ihrer Tochter unter einem Dach wohnt, sicher. Zufrieden sei sie in Kossow Krug, sagt Ingeborg Mähling und erinnert sich noch an Zeiten in denen es noch nicht einmal Wasserleitungen gab.

Davon nichts mehr mitbekommen hat hingegen Frank Röpcke, der vor acht Jahren gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Britta Steckel nach Kossow Krug zog und hier eine Gaststätte mit Pension betreibt. „Zum Flieger“ prangt ein großes Schild über dem Eingang – ein Name der auf den nahe liegenden Zivilflughafen Rostock-Laage hinweißt. „Wir sind damals durch Zufall auf das alte Bauernhaus aufmerksam geworden“, erzählt der 49-Jährige rückblickend, der vor Ort sein Glück gefunden an. „An ein und dem selben Ort zu arbeiten und zu wohnen ist ideal, da stört mich auch die vermeintliche Abgeschiedenheit eines kleinen Dorfes nicht“, ist der gelernte Koch und Bäcker überzeugt.

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