„kuhflüsterer“ sagt Auf wiedersehen : Heute Abschied nach über 42 Arbeitsjahren

Heute heißt es Abschied nehmen. Piet Ritsema (l.) und Hartmut Neitmann vor der Biogasanlage in Bellin.
Heute heißt es Abschied nehmen. Piet Ritsema (l.) und Hartmut Neitmann vor der Biogasanlage in Bellin.

Belliner Agrarunternehmen lässt Hartmut Neitmann nur ungern gehen / Jahrzehntelang der „Mann für alle Fälle“

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04. Juni 2015, 04:00 Uhr

Wenn Hartmut Neitmann heute Nachmittag in die Belliner Agrar GmbH Co. KG geht, dann nicht zum Arbeiten, sondern zum Feiern und Abschiednehmen. 42 Jahre lang war der Agraringenieur in dem Unternehmen tätig. Jetzt ist er exakt 65,4 Jahre alt und seit Anfang Juni im Ruhestand. „Als Vertreter des Jahrgangs ’50 hatte ich ja schon die Ehre, vier Monate länger arbeiten zu dürfen bis zur Rente“, nimmt’s Neitmann gelassen. Seinem bisherigen Chef Piet Ritsema, dem Inhaber der Agrar GmbH, aber ist dies eigentlich noch viel zu früh. „Ich würd’ ihn lieber behalten. Von mir aus könnte er weiter machen“, sagt der gebürtige Holländer, der vor 20 Jahren das Unternehmen übernahm und in dessen Ställen in Bellin, Reimershagen und Zehna über 2200 Milchkühe mit Nachwuchs stehen. 40 Mitarbeiter sind heute in dem Unternehmen beschäftigt.

Mit Hartmut Neitmann geht nun einer von denen, die am längsten dabei sind und die Piet Ritsema besonders schätzen gelernt hat.

„Herr Neitmann ist einer der besten seines Faches“, sagt Ritsema. Als langjähriger Anlagenleiter sei Neitmann für die Organisation der Arbeit von über 20 Mitarbeitern und die Gesundheit von Tausenden Kühen zuständig gewesen. „Da ist Herr Neitmann Spezialist. Er versteht die Kühe und sieht heute schon, dass eine Kuh morgen krank ist“, so der Chef. „Wenn nachts mal eine schwere Geburt im Stall war oder etwas anderes, Herr Neitmann war immer da.“ Diese Zuverlässigkeit und sein selbstständiges Arbeiten wisse er sehr zu schätzen, sagt der Chef.

Mit 23 Jahren war der aus Reinshagen stammende Hartmut Neitmann nach seinem Studium an der Agraringenieurschule Güstrow-Bockhorst in die damalige LPG – T- Bellin gekommen. „Ich hab’ mein ganzes Arbeitsleben in diesem Landwirtschaftsbetrieb verbracht“, sagt er. Anfangs hieß dies für ihn auch, rund um die Woche jeden Morgen gegen 2 Uhr aufzustehen und mit dem Moped auf die Weiden zu fahren, um die Kühe zum Melken in den Stall zu treiben. Das ist lange her.

Inzwischen gibt es im Unternehmen längst einen Fischgrätenmelkstand und die Kühe bleiben rund ums Jahr in loser Haltung in den Ställen. Wurden früher durchschnittlich 3500 Liter Milch im Jahr pro Kuh gemolken, so stieg die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh inzwischen auf 8500 und 9000 Liter im Jahr. „Mittlerweile haben wir sogar vier Kühe, die mehr als 100 000 Liter Milch gaben. Daran hat Herr Neitmann einen großen Anteil“, sagt Piet Ritsema.

Weil er sich stets voll auf ihn verlassen konnte, habe er ihm auch die Verantwortung für die beiden Biogasanlagen übertragen, die 2009 an den Milchviehanlagen in Zehna und Bellin gebaut wurden, sagt der Chef. „Eine Biogasanlage ist ja wie eine große Kuh“, lacht er. „Auch da musste Herr Neitmeier Tag und Nacht erreichbar sein, falls mal was ist.

Es war für mich immer sehr beruhigend zu wissen, dass er da ist, wenn es nötig ist“, so Ritsema.

Immer auf dem Sprung sein braucht Hartmut Neitmann nun künftig nicht mehr. Deshalb ist er auch konsequent und macht Schluss mit dem Arbeiten. „Irgendwann ist mal ein Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer beginnt. Und das ist jetzt der Fall“, sagt er.

Er habe Haus, Hof und Garten und ganz bestimmt keine Langeweile, ist er sich sicher. Vor allem aber habe er eine große Familie. Und die sei in den ausgefüllten Arbeitsjahrzehnten „immer ein bisschen zu kurz gekommen“. Das soll sich jetzt ändern.

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