Leistungsmelken Region Güstrow : Herzblut für Melkerwettstreit

„Na, läuft alles?“ Angelika Fraß blickt von oben ins Melkkarussell.
„Na, läuft alles?“ Angelika Fraß blickt von oben ins Melkkarussell.

Über 25 Jahre hinweg engagierte sich Angelika Fraß für das Leistungsmelken in der Region – nun geht sie in den Ruhestand.

svz.de von
06. März 2018, 20:45 Uhr

Eigentlich ist sie unentbehrlich. Zunächst für den Milchkontrollverein innerhalb des Landeskontrollverbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfung Mecklenburg-Vorpommern, in dem sie 28 Jahre lang als Leistungsinspektorin im Raum Güstrow, Bützow, Sternberg tätig war. Aber ganz besonders dank ihrer 25-jährigen Organisation des Leistungsmelkwettbewerbs der Melker aus den Milchproduktionsbetrieben der Region. Die Kurzen Trechowerin Angelika Fraß steigt nun aus, genau im Dezember 2018, denn sie ist bereits 65 Jahre alt und hat sich ihren Rentenstatus verdient. Gerade noch hat sie das 25. Leistungsmelken erfolgreich beendet. Und all die, die bislang dabei waren, bedauern ihr Ausscheiden sehr.

Leistungsmelken wiederbelebt

Im Oktober 1990 hat sie ihre Tätigkeit als Leistungsinspektorin beim Landeskontrollverband (LKV) Güstrow/Bützow begonnen. Ihre Aufgabe war die Betreuung der Milchproduktionsbetriebe im Rahmen des Milchkontrollvereins (MKV), der sich innerhalb des LKV für die Milchleistungsprüfung von Kühen, die Milchgüteprüfung der Anlieferungsmilch sowie das umfangreiche Beratungs- und Serviceangebot für alle Bereiche der Milcherzeugung verantwortlich zeigt. „Daraus ergab es sich dann, dass wir das Leistungsmelken aus DDR-Zeiten unter neuen Bedingungen wieder aufleben lassen wollten“, erzählt Angelika Fraß

Der erste Betrieb, den sie als Ausrichter gewann, war 1993 die Agrarproduktion Zernin. Damals ließen sich sieben Betriebe überreden, ihre besten Melker zum Wettbewerb zu schicken. Das waren insgesamt zwölf Facharbeiter und Lehrlinge und Ralf-Peter Hoffmann, Ingried Schmied, Rüdiger Bissa und Doreen Bremer qualifizierten sich als erste zum Landesmelken. Während andere Milchkontrollvereine zumeist nur alle zwei Jahre das Leistungsmelken wegen immer weniger Teilnehmern durchführen, zog Angelika Fraß es für den MKV Güstrow, Bützow, Sternberg jährlich durch.

Immer großer Organisationsaufwand

Insgesamt zwölf Betriebe konnte sie in den 25 Jahren als Ausrichter gewinnen. Spitzenreiter war die Agrargenossenschaft Jürgenshagen, die das Leistungsmelken zwölfmal austrug. Und insgesamt nahmen in diesen 25 Jahren 495 Melker teil, vier Betriebe richteten zudem das Landesmelken aus und 34 Melker nahmen aus dem Kreisleistungsmelken heraus am Landesmelken teil. Diese Zeit um das Leistungsmelken war stets höchst arbeitsintensiv für Angelika Fraß. „Das ging los mit der ersten Vorstandssitzung des MKV, wo der Ablauf festgelegt wurde. Dann musste ich den Ausrichterbetrieb suchen, die Bewerter zusammenstellen und schulen. Außerdem Sponsoren für die Verpflegung während des Wettbewerbs und die Preise gewinnen, die Molkereien um Unterstützung bitten, das Veterinäramt anschreiben, Genehmigungen einholen, die Bauernverbände mit ins Boot holen, und dann eben die Betriebe anschreiben, zur Not auch vorbeifahren, damit sie ihre Melker schicken. Es muss die Lokalität für die Abschlussveranstaltung gefunden und über den Ablauf instruiert werden, Präsente für alle Auszeichnungen zusammengestellt und Blumen besorgt werden und auch der schriftliche Kram war vor- und nachher immer immens groß“, fasst sie die Vorbereitung zusammen.

Engagement war ihr Markenzeichen

Während des Wettbewerbs war sie stets zur Stelle, fotografierte und sorgte mit ihren Fotos für eine Diashow während der Auszeichnungsveranstaltung. Auch wenn der Aufwand hoch war, am Ende klappte immer alles. Dieses Engagement war ihr Markenzeichen 25 Jahre lang. Dafür waren und sind ihr alle Beteiligten sehr dankbar.

„Natürlich denke ich mit viel Wehmut an das Ende meines beruflichen Lebens und ich wünsche mir sehr, dass die Qualität des Leistungsmelkens und all der Auszeichnungen so weitergeht. Wer es übernimmt, wir werden sehen“, sagt Angelika Fraß und schiebt hinterher: „Ich wünsche mir sehr, dass die Freude am Leistungsmelkvergleich bei den Betrieben und ihren Melkern erhalten bleibt, denn auch das fördert die Lobby unseres Berufsstandes als Landwirt. Das ist so wichtig in der heutigen Zeit!“

In die Zukunft blickend freut sich die Kurzen Trechowerin Angelika Fraß auf viel Zeit für Haus, Hof und Garten, für das Baden in der Ostsee, für große Reisen und natürlich für all ihre Freunde.

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