5 "Mittsommer-Remise" : Herrschaftliche Baustellen

<fettakgl>Herrenhaus Striesenow: </fettakgl> Im Frack empfing Karl-Heinrich Herzogenrath seine Gäste. Das Haus ist noch nicht fertig. <fotos>Jens Griesbach</fotos>
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Herrenhaus Striesenow: Im Frack empfing Karl-Heinrich Herzogenrath seine Gäste. Das Haus ist noch nicht fertig. Jens Griesbach

5. Auflage der "Nacht der nordischen Guts- und Herrenhäuser": Zahlreiche Herrenhäuser und Schlösser in der Region öffneten am Wochenende ihre Türen. Bei vielen Anwesen ist der Sanierungsbedarf immer noch hoch.

svz.de von
18. Juni 2012, 10:03 Uhr

Striesenow/Wardow | Im Frack, ganz in Gutsherrenart, empfängt Karl-Heinrich Herzogenrath die Gäste der "Mittsommer-Remise" vor seinem Herrenhaus. Doch sein geschniegeltes Äußeres kontrastiert mit der bröckelnden Fassade des Gutshauses in Striesenow aus dem Jahre 1730. Der Besucher merkt sofort: Hier ist noch einiges zu tun. Doch Herzogenrath ist optimistisch. "In zwei Jahren ist alles fertig", sagt er und lächelt. Schließlich habe er schon viel geschafft seitdem er das Haus 2002 als Ruine übernommen habe. Sonnabend öffnete der "Gutsherr", wie zahlreiche andere in der Region auch, sein Herrenhaus einer breiten Öffentlichkeit zur "Mittsommer-Remise". Diese "Nacht der nordischen Guts- und Herrenhäuser" erlebte in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern bereits die 5. Auflage.

Leidenschaftlich müsse man sein, wenn man so ein altes Herrenhaus wieder restaurieren wolle, sagt Herzogenrath. "Solche Häuser faszinieren mich. Lange habe ich nach einem geeigneten Objekt gesucht", so der Rheinländer. 2007 begann er mit der Restaurierung. Inzwischen sind im Obergeschoss vier Wohnungen entstanden, die auch schon bezogen sind. Doch die repräsentativen Räume im Untergeschoss sind immer noch eine Baustelle. Bei dem Gedanken an die Arbeit, die hier noch bevorsteht, wird dem Besucher flau im Magen. Darüber sieht Herzogenrath hinweg. "Das wird schon", ist er sich sicher. Striesenow habe eine herausragende Bedeutung für die Landwirtschaftsgeschichte, unterstreicht Herzogenrath. Hier habe der Agrarwissenschaftler Johann Daniel Pogge erstmals Versuche mit Raps gemacht. "Die landwirtschaftliche Nutzung von Raps ging von Striesenow in die Welt", freut sich der studierte Landwirt. Ein Grund mehr, dass er in dem Gutshaus einmal seinen Alterssitz einrichten will.

Leben wie der englische Adel im Schloss Wardow

Unterdessen sitzen Gäste auf der Terrasse im Schloss Wardow und lassen sich englisches Gebäck und Tee schmecken. Auch Jutta von Kuick gewährt seltene Einblicke in ihr imposantes Anwesen. Vor vier Jahren hat sie das Schloss mit ihrem Mann gekauft, ein Drittel innen bereits saniert und mit ihrer Familie bezogen. Doch Jutta von Kuick hat große Pläne: Der bisher unrestaurierte Teil soll zu einem Landsitz im englischen Stil sowie zu einem Hotel mit Wellnessangebot ausgebaut werden. "Das wollen wir in den nächsten zwei bis drei Jahren schaffen", sagt Jutta von Kuick und fügt optimistisch an: "Yes, we can!"

Schloss Wardow, das sind 1450 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf ca. 50 Zimmer - da braucht man schon Optimismus. Auch der Traum von Jutta von Kuick war es immer, ein Herrenhaus oder Schloss zu besitzen, um hier etwas zu schaffen und zu bewegen. Dass dieser Traum manchmal auch zum Albtraum werden kann, wenn einem alles über den Kopf wächst oder es mal wieder nicht so schnell geht, wie man es gerne hätte, bringt Jutta von Kuick nicht aus dem Konzept. "Wenn ich nicht denken würde, dass es klappt, würde ich es nicht machen", sagt sie.

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