Ausgrabungen in Güstrow : Henkeltöpfchen – 700 Jahre alt und unversehrt

Der Archäologe Holger Fries zeigt das Henkeltöpfchen mit Wackelboden, in dem man sich vor 700 Jahren ein Süppchen kochte. Fotos: Regina Mai
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Der Archäologe Holger Fries zeigt das Henkeltöpfchen mit Wackelboden, in dem man sich vor 700 Jahren ein Süppchen kochte. Fotos: Regina Mai

Archäologische Untersuchungen am Markt 29 in Güstrow abgeschlossen.

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17. Juni 2016, 21:00 Uhr

Der Archäologe Dr. Holger Fries hat seine Arbeit auf dem Grundstück Markt 29 in Güstrow erledigt. Wie fast immer unter großem Zeitdruck, erzählt er und spricht von Routinearbeit, von täglichem Allerlei der Archäologie. Das Bernsteinzimmer habe man nicht gefunden, scherzt Fries. Und doch liegen fein säuberlich eingetütet allerlei Fundstücke auf einem Tisch – bemerkenswert dabei ein mittelalterliches Henkeltöpfchen mit Wackelboden, ein halber Mühlstein und ein Schleifstein aus Skandinavien.

Das völlig unversehrte Henkeltöpfchen dürfte um die 700 Jahre alt sein, verrät der Archäologe. In dem Töpfchen habe man sich einen Brei oder ein Süppchen gekocht. Es wurde dazu einfach ins Feuer gestellt, deshalb der Wackelboden, erklärt Fries. Mit bescheidenem Stolz präsentiert er einen Schleifstein. „Aus Glimmerschiefer, der aus Skandinavien importiert wurde“, berichtet Fries und zieht aus einem Tütchen eine grünlich schimmernde Scherbe. Sie ist Teil eines Trinkgeschirrs aus der Zeit um 1260/65 und mit Schuppen verziert. Man stelle sich eine Kanne mit Wasser oder Wein auf dem Tisch vor. Die Scherbe lasse sich der so genannten früh glasierten Ware zuordnen. Solche Funde, die zeitlich genau einzubinden sind, helfen den Archäologen die Bau- und Siedlungsgeschichte im konkreten Beispiel zu rekonstruieren, erklärt Fries.

Gefunden haben der Archäologe und seine Grabungsmitarbeiter die Scherbe ganz tief unten in einer Grube. Wie bereits kurz nach Beginn der Grabungen vermutet, befanden sich unter dem Keller des Renaissance-Hauses, das im August 2014 ein Raub der Flammen geworden war, Reste eines kleinen mit Holz stabilisierten Kellers und darin die Grube mit dem Fundstück. Ansonsten kamen allerlei Scherben und Bruchstücke ans Tageslicht. „Alles, was im Haushalt so kaputt geht“, fasst Fries zusammen.

Jetzt, wo er und seine Mitarbeiter im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege ihre Arbeit getan haben, kann der Neubau von zwei Wohnhäusern am Markt 29 und 30 beginnen. Vorgesehen sind dort die Vermietung von elf Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten.

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