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Güstrower Anzeiger

18. Oktober 2017 | 06:00 Uhr

Helfer selbst auf Hilfe angewiesen

vom

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2011 | 12:37 Uhr

Güstrow | Kühlen Kopf bewahrt Silvia Beggerow, wenn sich die Dinge einmal überschlagen, wie in der vergangenen Woche als ein Logistikunternehmen drei Tonnen Fisch anbot. Für die Güstrower Tafel, die gespendete Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt, ist das zu viel. Schnell sind sechs Tafel-Vereine in den umliegenden Städten informiert. Alle können von so einer großen Spende profitieren. "Wir sind ein eingespieltes Team", sagt Silvia Beggerow. Die Güstrower Tafel unterstützt rund 3000 Menschen in der Region.

Hilfe benötigt der Verein selbst, deshalb ist Silvia Beggerow überglücklich, dass die Domgemeinde die Tafel im nächsten Jahr mit 200 Euro Monat für Monat unterstützen möchte. "Das ist unser Spritgeld", freut sich die Tafel-Chefin. Wenn sie sich ein ganzes Jahr lang auf eine monatliche Summe stützen kann, sei das eine riesige Erleichterung. In erster Linie seien es solche Spenden, die die Tafel für ihre tägliche Arbeit benötige, die aber immer spärlicher fließen. Silvia Beggerow hat Verständnis dafür und freut sich deshalb umso mehr. "Viele Vereine brauchen Unterstützung", weiß sie. Das Auto sei unverzichtbar, aber ein großer Ausgabeposten. Daneben seien auch Versicherungen, Miete, Betriebskosten und Telefonkosten zu bestreiten. Dafür benötige man Geldspenden.


Tafel schlägt im Monat bis zu über 20 Tonnen Lebensmittel um

Der Domgemeinderat habe so entschieden, weil man "mit großem Respekt den Einsatz des Teams, das die Not der Armen" lindere, sehe, erklärt Propst Christoph Helwig und fügt hinzu: "Wir sehen, wie die Wohlstandsgesellschaft so viel Überfluss hervorbringt, der schnell zum Müll wird, wenn nicht Menschen sich für eine gerechte Verteilung einsetzen."

Für die nächste Woche habe sich bei der Tafel in der Demmlerstraße auch die Deutsche Post angesagt. Sie übergibt eine Tankkarte mit einem Guthaben von 400 Euro, damit insbesondere in der Vorweihnachtszeit die täglichen Fahrten zum Einsammeln und Ausfahren der Lebensmittel möglich sind, so erklärt die Post, die in MV zehn Tafeln in dieser Weise unterstützt.

Lebensmittel, so berichtet Silvia Beggerow, könne die Güstrower Tafel nach wie vor einsammeln. Von einigen Einkaufsmärkte bekomme man weniger. Dafür habe man in diesem Jahr auch neue Sponsoren gefunden. So wurden beispielsweise im November 21,5 Tonnen umgeschlagen. Im September waren es nur 12,7 Tonnen. "Dann können wir nicht mehr herausgeben. Aber wir mussten noch nie jemanden ohne Lebensmittel wegschicken", sagt Silvia Beggerow, die sich in Güstrow auf zwölf und insgesamt auf rund 25 ehrenamtliche Helfer verlassen kann. In Güstrow helfen nach wie vor auch Ein-Euro-Jobber.

Der Dezember ist für Silvia Beggerow ein Monat, in dem sie allen Unterstützern mit einem persönlichen Gruß einmal Dank sagt. Im voraus geht so ein Dankeschön schon einmal an Mitarbeiter der Arbeitsagentur und diesmal auch des Jobcenters, die Weihnachtspäcken für Kinder packen, die dann über die Tafel-Verein verteilt werden. Silvia Beggerow beobachtet, dass es immer mehr Familien mit Kindern sind, die die Hilfe der Tafel brauchen.

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