Yen Lau lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland : Heimweh noch nie verspürt

Yen Lau mit traditionellem Hut: Der „Non“ – so die vietnamesische Bezeichnung – wird heutzutage hauptsächlich von älteren Leuten getragen. Foto: Nadine Schuldt
Yen Lau mit traditionellem Hut: Der „Non“ – so die vietnamesische Bezeichnung – wird heutzutage hauptsächlich von älteren Leuten getragen. Foto: Nadine Schuldt

Wer immer mittwochs in der Kantine der Landesforschungsanstalt in Gülzow Mittag essen geht, kann auch ein vietnamesisches Gericht wählen. Kein Wunder, denn die Leiterin der Kantine, Yen Lau, stammt aus diesem Land.

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10. Mai 2012, 12:00 Uhr

Gülzow | Wer immer mittwochs in der Kantine der Landesforschungsanstalt in Gülzow bzw. der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe Mittag essen geht, kann auch ein vietnamesisches Gericht wählen. Kein Wunder, denn die Leiterin der Kantine, Yen Lau, stammt aus dem südostasiatischem Land. "Ich habe hier in Gülzow direkten Kontakt zu den Besuchern und die Arbeit macht einfach Spaß", sagt Yen Lau, die ursprünglich Yen Nguyen Thi Bach heißt. Kürzlich hat sie auch im Kultursalon des Pferdemarkt-Quartiers in Bützow exotische Speisen zubereitet und interessante Details aus ihrem Leben verraten.

Heimweh nach ihrem Heimatland verspürte sie von Anfang an nicht, sagt sie beim Zubereiten der Frühlingsrollen. Hier in Deutschland habe sie sich gleich wohl gefühlt. Die 47-Jährige wanderte 1981 als damals 18-Jährige in Deutschland ein. "Meine Onkel hatte damals in Berlin studiert, kam zurück und schwärmte von dem Land", erinnert sie sich. Er hätte damals immer gesagt, sie würde nach Deutschland passen, fügt sie hinzu. Weil es damals einen Vertrag zur Gastarbeit zwischen der DDR und Vietnam gab, siedelt sie relativ problemlos in die DDR über. Sie beginnt ihre Arbeitszeit in der Kantine des Überseehafens Rostock. Dort macht sie ihre ersten Schritte im Kochen. Probleme treten woanders auf. "Mit der Sprache war es sehr schwierig, doch uns wurde an diversen Schulen Deutsch beigebracht", erzählt sie.

Im Restaurant oft angestarrt worden

Und nach einiger Zeit verzeichnet sie erste Erfolge, beginnt eine Ausbildung zur Köchin im Hotel Neptun. Auch in der Liebe funkt es: Noch im Überseehafen lernt sie 1985 ihren jetzigen Ehemann Thomas Lau kennen. Die beiden empfinden damals wie heute eine tiefe Zuneigung zueinander - in der Öffentlichkeit ist ihre Liebe in der DDR allerdings nicht gerne gesehen. "Wenn wir mal in ein Restaurant gingen, haben wir schon gemerkt, dass uns viele Leute anstarrten", erzählt die Köchin.

In ihrer Heimat ist es allerdings nicht viel anders. Als sie mal mit ihrem Mann ihre Familie in Hanoi und schließlich auch ihre Oma, in einem Dorf bei Hanoi besuchte, stießen sie auf nicht minder großes Interesse. "Nachdem wir meiner Oma in ihr Haus gefolgt waren, schauten wir aus dem Fenster und da standen lauter Leute davor, die meinen deutschsprachigen Mann gesehen hatten und nun neugierig waren", sagt sie. "Langnäse" so wird ihr Mann damals wie heute bezeichnet. "Das ist die Bezeichnung der Vietnamesen für Europäer." Sie macht sich nichts draus und heiratet ihren Mann. "Ich hatte meiner Mutter immer gesagt, wenn sie mir die Geburtsurkunde nicht besorgt, werde ich auch keinen Mann in Vietnam heiraten", erzählt Yen Lau. Sie weiß auch ganz genau warum: In ihrer Heimat haben die Männer in der Ehe eine sehr dominante Position, die Frau hat eher wenig zu sagen. In Deutschland sei das Verhältnis zwischen Mann und Frau wesentlich entspannter. Yen Lau bekommt mit ihrem Mann einen Sohn Stephan "Er spricht vietnamesisch", sagt sie.

Im Jahr 2002 wechselt sie den Arbeitsplatz, übernimmt die Kantine in der Landesforschungsanstalt. "Es läuft gut, ich bin zufrieden", sagt sie mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre. "Ich sehe die Entwicklung positiv."

Allerdings würden Veränderungen in der deutschen Gesellschaft nur sehr schleppend vorangehen. Wenn sie mit ihrem Mann ausgehe, werde sie ab und zu immer noch angeguckt. Doch mittlerweile nimmt sie das mit Gelassenheit hin. "Ich bin halt so wie ich bin und das ist gut", sagt sie. Außerdem habe sie einen großen Freundeskreis, der ihr den Rücken stärke.

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