Reise in Vergangenheit : Heimaterde aus Wolhynien

Mit nach Güstrow brachte André Sonnenberg Heimaterde aus Horodisch, dem Geburtsort seines Großvaters.
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Mit nach Güstrow brachte André Sonnenberg Heimaterde aus Horodisch, dem Geburtsort seines Großvaters.

André Sonnenberg begab sich mit Bruder und Großvater auf Spurensuche in der Ukraine – die familiären Wurzeln führen nach Horodisch.

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05. September 2017, 05:00 Uhr

Eine Reise in die Vergangenheit unternahm der Güstrower André Sonnenberg Anfang August mit seinem Bruder Henry und seinem 81-jährigen Großvater Johann Sonnenberg. „Ich finde, jeder sollte seine Wurzeln kennen. Für uns war es eine sehr erfolgreiche Reise. Wir haben mehr erreicht, als wir uns erträumt haben“, resümiert André Sonnenberg, der auch Mitglied im Wolhynier Umsiedlermuseum Linstow ist.

Sein Großvater, der heute in Serrahn lebt, wurde am 2. Mai 1936 in der kleinen Siedlung Horodisch in der Westukraine geboren. Seine ersten drei Lebensjahre verbrachte er dort – im historischen Wolhynien. Schon 1946 sei sein Elternhaus zusammen mit den übrigen sechs Häusern von den sowjetischen Besatzern dem Erdboden gleich gemacht worden, konnte André Sonnenberg vor Ort in Erfahrung bringen. Heute liegt die Siedlung Horodisch abgeschieden. Neun Häusern am Ende eines Sandweges – mehr nicht. Auch den Namen Horodisch gibt es nicht mehr. Heute gehört der Ort zu Kamionka. „Das machte es uns auch zunächst so schwer den Geburtsort meines Großvaters ausfindig zu machen“, sagt André Sonnenberg und fügt hinzu: „Wir hatten ja nur den Taufschein als Anhaltspunkt.“

Große Hilfe erhielten die deutschen Abenteurer, die die Reise gemeinsam mit dem Freundeskreis Moczulki/Matschulek unternahmen, in Tuchyn, 18 Kilometer östlich von Riwne, wo die Sonnenbergs übernachteten. Bürgermeister Wolodymyr Kayryltschuk empfing die Delegation. „Er war sehr gastfreundlich und hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um uns zu helfen“, sagt André Sonnenberg. „Nachdem im Ort und auch im Archiv niemand etwas mit dem Ort Horodisch anfangen konnte, wollten wir schon aufgeben“, berichtet er weiter. Doch ein Förster gab schließlich den entscheidenden Tipp.

Von Tuchyn ging es nach Kamionka, dort trafen die Suchenden auf einen 87 Jahre alten Zeitzeugen. „Der erinnerte sich zwar an keine Namen mehr, aber er kannte Horodisch und konnte uns noch ein paar interessante Details berichten“, sagt Sonnenberg. Nach einem anschließenden Picknick ging es für die drei Reisenden mit einem Heuwagen rund neun Kilometer querfeldein. „Das war schon ein ganz schönes Abenteuer, denn richtige Straßen gibt es dort nicht. Wir wurden ganz schön durchgeschaukelt“, beschreibt der 35-Jährige das Erlebte.

Auf einem Heuwagen ging es querfeldein in den Geburtsort von Johann Sonnenberg (r.)
privat
Auf einem Heuwagen ging es querfeldein in den Geburtsort von Johann Sonnenberg (r.)
 


Ein großer Traum geht in Erfüllung

Doch die Fahrt sollte sich lohnen. Nach vielen Stunden der Suche erreichten André Sonnenberg, Bruder Henry und Großvater Johann Horodisch. „Wir wurden sehr herzlich aufgenommen, bekamen alles gezeigt und natürlich gab es auch einen selbst gebrannten Schnaps“, erzählt der Güstrower mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Häuser von damals gab es hier nicht mehr und doch sei sein Großvater sehr zufrieden und glücklich gewesen. Sogar die fremde Sprache sei nach so vielen Jahren zurück gekommen, beschreibt André Sonnenberg. „Für unseren Opa war die Reise ein großer Traum und für uns Enkel war es ein sehr nahes Erlebnis. Der Besuch hat uns die Heimat näher gebracht, als wir gedacht haben“, schildert Sonnenberg weiter und betrachtet das Beutelchen mit Heimaterde, das er als Erinnerung mitgenommen hat.

„Nach der Reise bekam ich von einem Mitreisenden noch ein Schriftstück zugesandt: einen Rassennachweis vom 6. Juni 1940. Den hatte er offenbar im Archiv in Riwne entdeckt“, sagt André Sonnenberg. Das letzte Puzzleteil, denn es zeigt, dass sie das richtige Horodisch gefunden haben. „Daraus geht sogar hervor, dass mein Opa noch zwei Geschwister hatte, von denen er nichts wusste. Emil wurde nur 11 Tage und Lina nur ein Jahr alt“, gibt André Sonnenberg einen Einblick in die eigne Familiengeschichte, der er nach der Reise in die Westukraine nun sehr viel näher ist.

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