zur Navigation springen

Bürgerrechtler bezieht Position in Diskussion über Asylbewerberheim : Heiko Lietz redet Güstrowern ins Gewissen

vom

Ohne ihn hätte die Revolution 1989 in MV so nicht stattgefunden: der Bürgerrechtler Heiko Lietz. Nun kehrte er nach Güstrow zurück und bezog klar Position in der Diskussion über ein neues Asylbewerberheim in der Stadt.

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2012 | 08:26 Uhr

Güstrow | Sein Wort hat Gewicht und er ist unzweifelhaft eine Autorität, wenn es um den Kampf für mehr Demokratie und Menschenrechte geht: der streitbare Bürgerrechtler Heiko Lietz. Ohne ihn hätte die Revolution 1989 in Güstrow und in Mecklenburg so nicht stattgefunden. Dienstagabend kehrte er an die alte Wirkungsstätte zurück und bezog klar Position in der aktuellen Diskussion über ein neues Asylbewerberheim in Güstrow. "Das Asylrecht ist wesentlicher Bestandteil der Menschenrechte", so die Gallionsfigur der Wendezeit. Seine Stoßrichtung: gegen Ausgrenzung und für Solidarität mit den Asylbewerbern.

Güstrowern diffuse Ängste nehmen

Als der Landkreis bekannt gab, in Dettmannsdorf ein Asylbewerberheim mit bis zu 125 Plätzen einrichten zu wollen, kam es zu Protesten der Anwohner. Sie befürchten Nachteile für ihren Wohnstandort. Dazu wurde auch ein Flugblatt mit teilweise kruden Vorurteilen in Umlauf gebracht (SVZ berichtete). Heiko Lietz kann das nicht nachvollziehen: "Welche Gründe sprechen dagegen, dass Leute aus einem anderen Land nicht in Dettmannsdorf leben können? Woraus nährt sich dieses Vorurteil? Warum sollten die Asylbewerber das friedliche Leben gefährden? Sind sie nicht eher eine Bereicherung für uns?" Fragen, mit denen er den Gegnern des Asylbewerberheims entgegentritt. Sein Vorschlag: "Wenn die ersten Asylbewerber da sind sollte man erst einmal einen Willkommens treff mit den Anwohnern machen. Alle sollten sich erst einmal ,Guten Tag’ sagen." Nur durch gemeinsame Begegnungen könnten diffuse Ängste genommen werden. "Die meisten Ängste sind unbegründet, weil die Leute überhaupt noch keine Erfahrungen mit Asylbewerbern gemacht haben", sagt Heiko Lietz.

Lietz will den Güstrowern ihre Ängste nehmen, ihnen andere Möglichkeiten aufzeigen, mit der Situation umzugehen. "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu", bringt er seine Intention auf den Punkt. "Diejenigen, die verbissen gegen das Asylbewerberheim kämpfen, will ich die Chance geben, Mensch zu werden. Denn sie bleiben mit ihrem Vorgehen ja unter ihren menschlichen Möglichkeiten", ist Lietz überzeugt. Die Menschenrechte seien universell. Das treffe auch auf die zu, die bei uns Schutz suchten. "Ich hoffe, die Güstrower nehmen diese Menschen hier so auf, dass sie in Würde leben können."

Auch drittes Heim soll nach Güstrow

Unterdessen ist der Vertrag zwischen dem Landkreis und dem Besitzer des künftigen Asylbewerberheims in Dettmannsdorf unterschriftsreif. "Es fehlt nur noch die Zustimmung des Innenministeriums", sagt der stellvertretende Landrat, Rainer Boldt. Zudem fehle noch die Baugenehmigung, die notwendig ist, wenn ein Gebäude umgenutzt werden soll. "Unser Ziel ist es, das Asylbewerberheim Anfang des zweiten Quartals 2013 zu eröffnen", so Boldt. Doch das reiche nicht aus. "Neben Bad Doberan und Güstrow brauchen wir noch ein drittes Heim." Der Landkreis sei bereits in Verhandlungen für ein zweites Objekt mit bis zu 170 Plätzen für Asylbewerber. "Es liegen bereits Angebote von privat vor." Auch dafür biete sich Güstrow mit seinen gut ausgebauten Strukturen an, sagt Boldt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen