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Landkreis Rostock : Hansestadt und Landkreis Rostock im Clinch

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Rostock blockiert Entwicklung von Wohnbauflächen in den Umlandgemeinden. Landrat betont gemeinsame Arbeit auf dem Weg in die Zukunft.

von
erstellt am 17.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Das Theater ums Theater in Rostock währt schon ein paar Jahre. Nach Vorstellungen der Hansestadt soll es der Landkreis mitfinanzieren, dies ungeachtet der Tatsache, dass der Landkreis selbst Träger des Güstrower Theaters ist. Zuletzt ging es auch um die Rettungsleitstellen und die Volkshochschulen, ganz aktuell um die Entwicklung von Wohnbauflächen in den Rostocker Umlandgemeinden. Landkreis und Hansestadt Rostock liegen im Streit. „Ich bekräftige meine Auffassung, dass sich der Landkreis und die Hansestadt nur gemeinsam weiterentwickeln können“, betonte Landrat Sebastian Constien auf der Kreistagssitzung am Mittwoch in Bad Doberan. Es gelte die enge Zusammenarbeit in der Region voranzubringen, nicht Gräben aufzureißen.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt und des Umlandes bringt beide an Grenzen: Neue Firmen siedeln sich an und bringen Mitarbeiter mit oder ziehen diese an. Die Menschen wollen Wohnungen mieten oder Häuser bauen, wollen in der Stadt oder im Umland wohnen. Gemeinden wie Kritzmow, Nienhagen, Elmenhorst-Lichtenhagen und Lambrechtshagen möchten Wohnbauflächen bereitstellen, aber die Hansestadt sagt Nein und beruft sich dabei auf eine vertragliche Vereinbarung im Regionalen Raumordnungsprogramm, nach der die Nachbargemeinden ohne Zustimmung von Rostock maximal um drei Prozent wachsen dürfen. In den Gemeinden ist diese einst getroffene Vereinbarung – im Regionalen Planungsverband sind Landkreis und Hansestadt Rostock vereint – heute umstritten. Über eine Änderung wird diskutiert. In Rostock denkt man allerdings nicht an eine Abschaffung der Klausel, sondern fordert, „dass für eine Entwicklung von Wohnbauflächen über den Eigenbedarf hinaus der Hansestadt Rostock ein Interessenausgleich zu entrichten ist“, so Oberbürgermeister Roland Methling. Dessen Höhe solle zirka 50 Prozent der durchschnittlichen Grund-, Gewerbe- und Einkommenssteuer sowie der Zuweisungen innerhalb des Finanzausgleichsgesetzes betragen. Die Gemeinden sollen also die Hälfte der Einkünfte, die sie über die Neubürger generieren, an die Hansestadt abtreten. Diesen Plänen widerspricht der Landrat.

Vielmehr zeigt Constien auf, wie sehr Landkreis und Hansestadt verzahnt sind und wie sehr beide voneinander profitieren. Dabei kommt die neueste Erhebung des Forschungsinstitutes Wimes zur Bevölkerungsprognose im Landkreis gerade recht. Hier wird der Stadt- Umland-Raum Rostock insbesondere betrachtet. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze und der Menschen mit solchen Jobs sei seit 2006 deutlich gestiegen, dies in der Region um Rostock (13 Prozent) deutlicher als im gesamten Landkreis. In der Hansestadt liegt der Zuwachs sogar bei 18 Prozent. Weiter heißt es in der Statistik, dass die Arbeitslosigkeit im Stadt-Umland-Raum mit 2,7 Prozent an Vollbeschäftigung grenze. Aufgelistet ist eine Übersicht der Ein- und Auspendler. Aus den Zahlen liest Constien „eine wesentliche Funktion des Landkreises für die Hansestadt“ ab. Weiter: „Die Stadt kann ihren Bedarf an Arbeitskräften nicht aus sich selbst heraus decken. Sie ist auf Einpendler aus dem Kreis angewiesen.“ Constien schlussfolgert aus den Zahlen, dass im Landkreis „ein gesundes und tragfähiges Wachstum aus eigener Kraft besteht“. Das Umland helfe den Arbeitskräftebedarf in Rostock zu decken und sei zunehmend für Rostocker als Arbeitsort interessant.

Zu den finanziellen Forderungen formuliert Constien, dass das Wachstum in der Region einen hohen Bedarf an Wohnraum und Mobilität sowie eine entsprechende Nachfrage nach Bildung und Freizeitangeboten mit sich bringe. „Landkreis und Hansestadt benötigen dafür eine aufgabengerechte Finanzausstattung“, fordert Constien und sieht eine Lösung nicht in immer neuen Forderungen, sondern darin, gemeinsam beim Land MV für eine finanzielle angemessene Ausstattung der Hansestadt und des Landkreises zu kämpfen.

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