Neues Wehr für Nebel in Kuchelmiss : Handarbeit bei Wehr-Abbruch

Monika Delzepich und Berthold Riech vom Förderverein Wassermühle Kuchelmiß freuen sich auf viele Gäste am Mühlentag.
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Monika Delzepich und Berthold Riech vom Förderverein Wassermühle Kuchelmiß freuen sich auf viele Gäste am Mühlentag.

Stalu erneuert Nebel-Wehr an alter Wassermühle Kuchelmiß. Schauwert der Mühle soll nicht leiden.

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16. August 2016, 12:00 Uhr

Baumaschinen, Baulärm, Bauschutt prägen seit Juni das Umfeld der 500 Jahre alten Wassermühle in Kuchelmiß. Der Wasserarm, der einst ein Mühlrad und bis 1972 Turbinen zur energetischen Nutzung der Wasserkraft angetrieben hat, ist mit großen Sandsäcken abgeriegelt. Das Wehr ist abgerissen, ebenso das ehemalige Pumpenhaus.

„Es gab grundsätzlichen Sanierungsbedarf für das Wehr“, gibt Oliver Ohde vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz in Rostock (Stalu) Auskunft. Bei einer Kontrolle vor drei Jahren sei festgestellt worden, dass die Lebensdauer des Betons des Baukörpers zu Ende geht. An gleicher Stelle werde, abgestimmt mit dem Denkmalschutz, ein neues, baugleiches Wehr errichtet. Das solle sich in das historische Ensemble einpassen.

Damit gebaut werden kann, sei der Nebelarm abgeriegelt worden. Das Wasser fließt derzeit nur über den etwas abseitigen zweiten Arm, über die dortige Fischtreppe ab. Die sei im Zusammenhang mit dem Neubau vor zwei Jahren noch einmal vergrößert worden. Damit solle der Wasserstrom hier eine verbesserte Lockfunktion für die Fische gewährleisten, damit diese den rechten Weg flussaufwärts auch finden. Der Hauptfluss läuft somit jetzt und auch künftig über die Fischaufstiegsanlage ab.

Der Bau des Wehres an der Mühle verläuft jedoch nicht ohne Komplikationen. Von vornherein sei klar gewesen, dass man an dieser Stelle nicht mit den sonst üblichen Rammen und auch nicht mit sanfterem Vibrieren arbeiten könne, sagt Bauleiter Marco Hesse. „Wir wollen das historische Bauwerk unter keinen Umständen gefährden“, versichert der Bauleiter. Teilweise wurde deshalb in Handarbeit abgebrochen. Um Schwingungen auf das Haus zu vermeiden, sollen die Bohlen für die Spundwand zur Trockenlegung mit einem Pressverfahren in den Boden gebracht werden. Dabei sei man in drei bis vier Metern Tiefe von massiven Hindernissen, vermutlich Findlinge, gestoppt worden. Hier müsse man nun größere Bohrtechnik ansetzen, um die Steine durch Drehbewegung zu zerstören. Hesse: „Mit der Technik vor Ort haben wir das nicht geschafft.“ Der Bauleiter hofft, die erforderlichen Baumaschinen in den nächsten Tagen zu bekommen, damit es weiter gehen kann. Von heute auf morgen sei solche Technik aber halt nicht zu kriegen. Den Fertigstellungstermin in Februar/März 2017 sieht er derzeit dennoch nicht gefährdet.

Errichtet werden drei Wehr-Verschlüsse. Über diese werde das Wasser künftig – wie beim gesamten Nebelzug – aus dem Stalu in Rostock ferngesteuert abgeleitet. Knapp 850  000 Euro lässt sich das Land diesen letzten Baustein zur neuen, naturnahen Regulierung der Nebel kosten. Mit einigen Sorgen beobachtet der Mühlenförderverein das Treiben. Bertold Riech: „Wir hoffen, dass die Mühle beim Einsatz der großen Technik keinen Schaden nimmt.“ Erfahren habe er, dass so gebaut werde, dass später einmal vielleicht auch ein Wasserrad betrieben werden könnte, wie es bis ins 19. Jahrhundert der Fall war. Bereits übergeben habe man dem Verein alte Armaturen und diverses Gerät, das man beim Rückbau sichern konnte, informiert Marco Hesse. Diese könnten womöglich im Museum ausgestellt werden. Der Schauwert der Wassermühle jedenfalls soll weder durch die Bauarbeiten und auch nicht durch deren Ergebnis Schaden nehmen, versichert das Stalu als Bauherr.

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