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Zelttage in Serrahn : Halt im Leben suchen und finden

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

650 Männer und Frauen beim Jahresfest / Jahreshöhepunkt beim Serrahner Diakoniewerk

Das Jahresfest ist der Jahreshöhepunkt beim Serrahner Diakoniewerk und Diakonischen Zentrum Serrahn. Am vergangenen Sonntag kamen dazu mehr als 650 Frauen und Männer zusammen. Sie nutzten die Zeit für Gespräche und erlebten Gemeinschaft.

Das Jahresfest schloss auch diesmal an die Zelttage an, in denen allabendlich Themen zum Leben in den Mittelpunkt gestellt werden. Diesmal hieß es am Sonntag: „Mal angenommen, Gott befreit“. Ein Thema, das alkoholkranke Menschen tangiert. „Es ist wichtig, wenn man auf der Suche nach Befreiung ist, den richtigen Halt im Leben zu finden“, sagte Frank Lehmann, Assistent der Geschäftsführung des Serrahner Diakoniewerkes.

Die Bühne war wieder gut gefüllt, als diejenigen aufgerufen waren, die mindestens ein Jahr „trocken“ sind, das „Gerettetenlied“ mitzusingen. Auch Regina Butz (52) und Sandro Schultz (40) waren mit dabei. Beide rühren seit einigen Jahren keinen Alkohol mehr an. Bis 2007 waren sie in der diakonischen Einrichtung, haben eine Therapie absolviert. „Ich habe getrunken, dann zu viel getrunken. Erst am Wochenende, dann auch in der Woche“, erzählt Sandro Schultz. Sie lernten sich in Serrahn kennen. „Wir sind froh, dass wir zu zweit waren, haben es geschafft“, sagen sie. Heute leben sie in Güstrow. Sandro Schultz arbeitet bei der Güstrower Tafel und Regina Butz bei einem Arzt. Beide sind froh, dass ihr Leben wieder in geordneten Bahnen läuft. „Dank dieser Einrichtung in Serrahn“, betont Sandro Schultz.

Hier trafen die beiden auch Klaus-Dieter Lappe (58). Seine Geschichte verlief etwas anders „Ich war Kraftfahrer und meine Frau ist fremd gegangen. Da habe ich mich gehen lassen und nur noch getrunken“, erzählt er. Trost habe er gesucht. „15-mal war ich zur Entgiftung“, erzählt der heute 58-Jährige. Einige Jahre habe er in Serrahn verbracht. Der Führerschein war weg und nichts wurde wieder wie vorher. Dennoch sei er jetzt sicher, dass er es schaffen wird. „Gesoffen wird überall. Es reicht nicht sich ein neues Umfeld zu suchen“, ist er sicher. Wichtiger sei, dass im Kopf klar sei, was man wolle.

Die Serrahner Diakoniewerk gemeinnützige GmbH, deren Hauptgesellschafter die Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH mit 80 Prozent Anteilen ist, kümmert sich in Reha-Klinik, Übergangsstation und betreutem Wohnen um Menschen, denen es so oder ähnlich ergangen ist. „Die Anforderungen an Einrichtungen wie unsere werden nicht geringer“, stellte Geschäftsführer Peter Grosch klar. Unter anderem stehe ein Umbau der Reha-Klinik an, weil Einzelzimmer mit Nasszelle vorgehalten werden müssen. „Doch zuerst muss das Dach des Pfarrhauses dringend erneuert werden“, sagte er. Stolz sei er auf die etwa 70 Mitarbeiter. Von der Rentenversicherung seien sie mit 86 Punkten bewertet worden. Einen Mitarbeiter hob er besonders hervor: Ulrich Klawitter. Der 63-Jährige erhielt die Ehrennadel des Blauen Kreuzes in Gold. 2008 begann Ulrich Klawitter in Serrahn zu arbeiten, nachdem er selbst eine über 20-jährige Odyssee als Alkoholkranker hinter sich hatte. „Hier sind Menschen, die mir nahe standen, als es mir schlecht ging“, sagte er und dankte gerührt für die Ehrung.



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