SVZ-Vereinsserie : „Halali“: Hörner als Sprachrohr der Jäger

An milden Abenden verlegen die Jagdhornbläser ihre Übungsstunde gern ins Freie, hier Nadine Siekierkowski, Mary Koß, Thomas Langer und Julia Kleinwächter (v. l.).
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An milden Abenden verlegen die Jagdhornbläser ihre Übungsstunde gern ins Freie, hier Nadine Siekierkowski, Mary Koß, Thomas Langer und Julia Kleinwächter (v. l.).

SVZ-Serie „Vereine in der Region“ / Im Güstrower Jagdhornbläser-Verein „Zur Grenzburg“ musizieren Jäger und Nichtjäger gemeinsam

svz.de von
27. Juli 2015, 06:00 Uhr

Die Mitglieder des Güstrower Vereins Jagdhornbläser „Zur Grenzburg“ sind in unterschiedlichen Berufen tätig, das Alter reicht von drei bis 82 Jahren und nicht alle üben das Waidwerk aus. Was sie eint, ist die Liebe zur Natur und zur Musik, speziell zum Jagdhornblasen. 2011 wurde der Schritt zur Vereinsgründung vollzogen. „Davor waren wir eine Interessengruppe, aber es hat sich herausgestellt, dass wir als Verein bessere Möglichkeiten haben“, sagt Vereinschefin Mary Koß. Denn die Musikanten sind auf vielen Einsatzfeldern unterwegs. Ein wichtiges ist die Pflege des jagdlichen Brauchtums.

Auf der Jagd sind die Hörner gewissermaßen das Sprachrohr der Jäger. Eingebürgert haben sich im Laufe der Jahrhunderte Jagdleitsignale, mit denen sich die Waidmänner und -frauen untereinander verständigen. Dazu gehören beispielsweise die Signale „Aufbruch zur Jagd“, „Sammeln der Jäger“ oder „Jagd vorbei – Halali“. Zum Abschluss einer Jagd wird die Strecke gelegt und verblasen. Übersetzt heißt das, dass das erlegte Wild geordnet aufgereiht und den Tieren mit dem jeweiligen Totsignal die Ehre erwiesen wird. Dabei hat jede Tierart ihr eigenes Signal wie „Sau tot“, „Fuchs tot“ oder „Flugwild tot“. „Ein Höhepunkt für uns Jagdhornbläser ist die Teilnahme an der Hubertusmesse“, erzählt Mary Koß. Aber auch bei Veranstaltungen der Jäger, wie der jährlichen Delegiertenkonferenz des Kreisjagdverbandes Güstrow, lassen die Musikanten ihre Hörner erklingen. Einmal im Jahr steht ein „Jagdhornbläser-Wochenende“ mit befreundeten Bläsern aus Hohenzieritz im Vereinskalender.

Ein weiteres Feld sind familiäre Feiern wie Geburtstage, Jubiläen, Hochzeiten oder Beerdigungen, zu denen die Jagdhornbläser eingeladen werden. Bei diesen Auftritten übernimmt Viola Völzer meist die Moderation. Wie sich überhaupt die Vereinsarbeit auf mehrere Schultern verteilt. Während Mary Koß den „organisatorischen Kram“ übernommen hat, ist Thomas Krüger für die musikalische Leitung zuständig und Thomas Langer für die Arbeit mit dem Nachwuchs. „Jeden Donnerstag üben wir im Burghotel ‚Zur Grenzburg’. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, für eine einheitliche und synchrone Spielweise der Musiker zu sorgen. Wichtig sind die richtigen Einsätze, aber auch, dass alle Hörner zum Schluss auf den Punkt kommen“, sagt Krüger, der das Jagdhorn schon seit der Jugend spielt. Als Instrumente stehen den Bläsern die Fürst-Pless-Jagdhörner mit und ohne Ventil, die größeren Waldhörner und die Parforcejagdhörner zur Verfügung. „Ventile braucht man für die Zwischentöne, etwa wenn Lieder oder Stücke aus der Musikliteratur gespielt werden sollen“, weiß der Leiter.

Wie in jedem Verein kommt der Nachwuchsarbeit auch bei den Jagdhornbläsern große Bedeutung zu. Da geht der Güstrower Verein einen eigenen, aber ziemlich erfolgreichen Weg. Vor der Probe des Ensembles übt Thomas Langer mit den Anfängern. Derzeit sind das drei Jugendliche. „Die Aufgabe besteht darin, Anfänger mit null Erfahrung möglichst bald an das Niveau von Musikern heranzuführen, die das Jagdhorn schon seit 30 oder 40 Jahren spielen“, sagt Langer, der im Forstamt Güstrow arbeitet. Das A und O sei dabei die Erzeugung der Lippenspannung. Vor dieser Aufgabe stehen Anfänger wie erfahrene Bläser gleichermaßen. „Wichtig ist ein kontinuierliches Üben. Jeden Tag zehn Minuten sollte es schon sein“, empfiehlt Langer.

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