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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 20:35 Uhr

Härtetest für Mensch, Tier, Technik

vom

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erstellt am 06.Feb.2012 | 07:32 Uhr

Güstrow//Lüssow | Es ist bitterkalt in der Barlachstadt: In der Nacht von Sonntag auf Montag sank das Thermometer sogar auf Minus 21 Grad Celsius und bescherte den Güstrowern damit die kälteste Nacht des noch jungen Jahres. "Das war vorerst aber der Gipfel. Noch kälter wird es vorerst wohl nicht", kann der Güstrower Meteorologe Thomas Daniels erst einmal beruhigen. "Es kann sein, dass wir am Freitag sogar kurzzeitig an den Plusgraden kratzen. Dennoch bleibt der Dauerfrost in nächster Zeit nicht aus", so Daniels.

Böses Erwachen für zahlreiche Autofahrer

Für zahlreiche Autofahrer begann die Fahrt zur Arbeit gestern früh jedoch mit einem bösen Erwachen. "Bei diesen extremen Temperaturen ist es meist die Batterie, die streikt. Ist sie vorgeschädigt, oder zu alt hat sie bei dieser Kälte keine Chance", sagt Uwe Janke, Service Leiter im VW-Autohaus Nord. Allein gestern früh verzeichnete sein Betrieb zwölf Fälle von Autos, die nicht mehr ansprangen. Aus diesem Grund wurde sogar eine Warteschleife eingerichtet, mit deren Abarbeitung die Werkstatt auch in den späten Vormittagsstunden noch alle Hände voll zu tun hatte. "Der gestrige Tag war bisher wirklich der schlimmste", unterstreicht Janke. Doch nicht nur die Autobatterie hatte mit der sibirischen Kälte zu kämpfen, auch bei Dieselfahrzeugen wird es bei minus 20 Grad Celsius kritisch. "Während es bei Benzinern keinerlei Kraftstoffprobleme gibt, flockt der Diesel aufgrund der Kälte aus, ist nicht mehr flüssig", erklärt der Service-Leiter dieses Phänomen.

Doch nicht nur leere Batterien sichern Kfz-Werkstätten in diesen Tagen Zusatzaufträge. "Vor allem gefrorene Plastikteile der Autos machen es momentan sehr schwer. Da muss man das Auto erstmal eine Weile im Warmen auftauen lassen, ehe man sich an die Arbeit machen kann", sagt Michael Plaschek von der gleichnamigen Güstrower Autowerkstatt.

Fred und Frode verziehen sich wieder in ihre Bärenhöhle

Weitaus weniger Probleme mit den eisigen Temperaturen gibt es dagegen im Natur- und Umweltpark Güstrow (Nup). "Wir haben vorgesorgt, so dass alle Tiere gut untergebracht sind", sagt Nup-Geschäftsführer Klaus Tuscher auf SVZ-Anfrage. Während einige Gehege mit Wärmelampen ausgestattet oder durch Tannenreisig vor der Kälte geschützt wurden, zogen zahlreiche Sittiche bereits in ihr beheiztes Winterquartier. Für die meisten Tiere bedeuten die neuen Rekordtemperaturen jedoch keine Probleme. "Der erste Schutzmechanismus ist natürlich das Winterfell. Besonders die Wölfe sehen damit momentan besonders attraktiv aus. Wichtig ist außerdem qualitativ hochwertiges Futter", unterstreicht Tuscher.

Ernsthafte Sorge machen Tuscher nur die zugefrorenen Eisflächen. Während das Gewässer für die Enten mit einem Belüfter freigehalten werden kann, muss beispielsweise im künstlichen Bärenteich schweres Gerät her. Mit der Kettensäge schnitten die Nup-Mitarbeiter hier bereits in der vergangenen Woche die zentimeterdicke Eisschicht auf. Auch, um einem eventuellen Ausbruch der Petze vorzubeugen. Dabei hätten die Bärenbrüder Fred und Frode derzeit offensichtlich überhaupt nicht solcherart Ambitionen. "Sie schlafen derzeit wieder und haben sich aufgrund der Temperaturen erneut in ihre Winterbox verzogen", verrät Klaus Tuscher mit einem Schmunzeln.

Wesentlich kritischer als im Nup sieht es da schon bei der Agrofarm in Lüssow aus. Während die Mitarbeiter die insgesamt 830 Kühe mit reichlich Stroh vor Zugluft und Kälte schützen können, gibt es vor allem bei der Wasserversorgung große Probleme. "Die Tränken sind zum Großteil eingefroren. Auch mit heißem Wasser ist da nicht mehr viel auszurichten", sagt Tierpfleger Ernst Glaß.

Mit eingefrorenen Leitungen kämpfen auch die Güstrower Stadtwerke. "Gestern gab es einen Trinkwasserrohrbruch in der Prahmstraße, verursacht durch die enorme Kälte. Außerdem wurden uns drei eingefrorene Trinkwasserzähler gemeldet", informiert Hartmut Wiesner, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Stadtwerken. "Das Schlimmste aber", ist sich Wiesner sicher, "kommt noch. Denn erst, wenn es beginnt zu tauen gehen hauptsächlich die Zähler kaputt."

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