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Güstrower Anzeiger

15. Dezember 2017 | 17:11 Uhr

Statistik : Gut 60 000 Diesel im Landkreis

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Diesel-Skandal und sein Hintergrund im Landkreis (Teil I): Wie viele Autos fahren mit welchen Motoren?

Noch können die 34  991 Menschen oder Firmen, die im Landkreis Rostock mit Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 5 unterwegs sind, ganz Deutschland befahren. Aber in Hamburg soll demnächst ein Stück Straße gesperrt werden. München sucht Lösungen. In Stuttgart sind schon welche ausgearbeitet. Dort geht jetzt der Luftreinhalteplan in die Endrunde, der ab 1. Januar 2018 Teile Stuttgarts für alle, die keinen Euro-6-Diesel haben, vorerst zeitweise an Feinstaubalarmtagen sperren soll und ab 2020 mehr. Mit Verzweiflungsaktionen wie dem sogenannten Diesel-Gipfel versuchten Politik und Autoindustrie zu reagieren. Sofwareupdate und Umstiegsprämie waren zwei Ergebnisse des Gipfels.

Erstens, sagt Harry Brambach, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, wird Stuttgart wohl die Blaupause für alle anderen über 80 Städte in der Republik, in denen über Fahrverbote nachgedacht wird. Zweitens haben der Verband und die Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart als eine der größten Innungen Deutschlands, ins laufende Luftreinhalteplanverfahren die förmliche Forderung nach einer Umstiegsprämie eingebracht. „Zwischen 1500 Euro und 5000 Euro Zuschuss scheinen uns angemessen“, sagt Obermeister Torsten Treiber. Also teilweise kräftig mehr, als jetzt von den Herstellern angedachten 2000 Euro. Bedingung: „Der Alt-Diesel muss von der Straße verschwinden und darf weder ins Ostallgäu noch nach Ostafrika verscherbelt werden.“ Entscheiden muss das am Ende der Bund.

Diesel als Wahlkampfthema? Betroffene Wähler gibt’s reichlich. Diesel-Rechtslage und realer Schadstoffausstoß sind zweierlei: Beim jetzigen Stand der politischen Entscheidungen und der Fahrzeugdaten des Kraftfahrt-Bundesamtes zum 1. Januar 2017 gäbe es im Landkreis Rostock für rund 85,6 Prozent aller Diesel keine blaue Plakette, wenn die denn nach der Wahl käme. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg hat sogar einen Teil der Stuttgarter Luftreinhalteplanung ab 2020 auf dem Prinzip Plakettenhoffnung aufgebaut. Aber klar ist auch, jede endgültige Entscheidung wirkt sich auf den Dieselpreis aus. „Und vor allem Menschen, die mit Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 4 unterwegs sind, tun dies meistens nicht, um der Umwelt bewusst zu schaden, sondern weil das Haushaltseinkommen begrenzt ist“, sagt Torsten Treiber. Bekämen diese für ihre gebrauchten Diesel kein Geld mehr, wird es für sie noch schwerer, das Auto zu wechseln. In unserem Landkreis gilt das für 18   551 Fahrzeuge aus der ganzen Dieselschar.


Gros der Diesel in der Schadstoffklasse Euro 5


Umgedreht ist auch klar, weniger alte Diesel sind für die Luft besser. Bei Dieseln sind die Partikel krebserregend und der Stickoxidausstoß ist gesundheitsgefährdend. In beiden Fällen gilt die Faustregel, je älter der Motor, desto problematischer. Deswegen gibt es unterschiedliche Schadstoffstufen und bei denen sah die Verteilung zu Jahresanfang im Landkreis so aus: Euro 1: 216 Diesel-Pkw (Vorjahr: 244), Euro 2: 2218 (Vorjahr: 2423), Euro 3: 5978 (Vorjahr: 6616), Euro 4: 10  139 (Vorjahr: 10  865), Euro 5: 16  440 (Vorjahr: 15  693), Euro 6: 5609 Diesel-Pkw (Vorjahr: 2626). Sonstige und ohne Emissionsgruppe, weil zumeist Oldtimer, sind 256 Diesel-Pkw (Vorjahr: 247) registriert.

Fahrverbote zu nutzen, um durch die Hintertür diese Diesel von der Straße zu kriegen, kommt zumindest in Stuttgart nicht gut an: „Die Menschen einfach per Fahrverbot zu einem Austausch zu zwingen, kann keine Option für staatliches Handeln sein“, sagt Verbandspräsident Brambach.

Mit einer Umstiegsprämie den Wechsel zu beschleunigen würde nach Einschätzung der Experten sogar die Fahrverbote überflüssig machen. Basis des Zuschusses soll der Bruttolistenpreis sein. Dabei schlagen die Stuttgarter ein Stufensystem vor: Je nach Listenpreis für den Neuwagen oder Tageszulassung bis 10  000 Euro, bis 20  000 Euro sowie darüber sollte es 2000 Euro, 3000 Euro oder 5000 Euro geben. Die scheinbare Bevorzugung teurer Käufe hat seinen Sinn: Schließlich kassierte der Staat hier über die Mehrwertsteuer deutlich mehr, als ihn die Prämie kosten würde. Das Ganze läuft jetzt zweigleisig: Parallel zum Luftreinhalteverfahren geht der Vorschlag auch ans Verkehrsministerium und an Bayern-Premier Horst Seehofer – der sucht in München schließlich ja auch nach einer Lösung.

Dazu gehört übrigens auch die Frage, was mit älteren Benzinern passieren soll. Brambach: „Die sind nicht unproblematisch, was den Feinstaub angeht. Da werden wir auch Lösungen brauchen.“ Wer im Landkreis Rostock zu den Besitzern der 10  340 Benziner mit Euro 1 und 2 gehört, die keine Oldtimer sind, kann schon mal anfangen, schlecht zu schlafen. Denn für diese Autos ist in einer Welt mit weniger Schadstoffen in der Luft wohl auch kein Platz mehr. Und es hat auch seinen Grund, dass ab September die Partikelfilter für Benziner kommen, um die dann geltende Euronorm 6c zu schaffen.


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