25 Jahre Mauerfall : Güstrows Weg bis zum Mauerfall

Landessuperintendent Axel Walter bei seiner Rede am 27. Oktober 1989 im Güstrower Dom.
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Landessuperintendent Axel Walter bei seiner Rede am 27. Oktober 1989 im Güstrower Dom.

Heiko Lietz erinnert an den Verlauf der friedlichen Revolution in Güstrow

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08. November 2014, 06:00 Uhr

Zum 25. Mal jährt sich am Sonntag der Tag des Mauerfalls. Vorausgegangen waren jener legendären Berliner Pressekonferenz, auf der SED-Politbüromitglied Günther Schabowski vor laufenden Kameras die „unverzüglich geltende“ visafreie Ausreiseerlaubnis verkündete, Massendemonstrationen in der ganzen DDR. Gefordert wurden vor allem freie Wahlen sowie Meinungs- und Reisefreiheit für alle DDR-Bürger.

Bürgerrechtler Heiko Lietz aus Güstrow stand bei den Demonstrationen im Herbst 1989 im damaligen Bezirk Schwerin in vorderster Reihe. Er war Mitbegründer des Neuen Forums in Güstrow. Der heute in Schwerin Lebende erinnert mit einem kurzen historischen Rückblick an wesentliche Eckpunkte der Wende in Güstrow, die in der Massendemonstration der 20 000 am 27. Oktober kulminierte. Dabei steht der 71-jährige ein Vierteljahrhundert später in Teilen in Widerspruch zu Erinnerungen damaliger Weggefährten.

Heiko Lietz, der sich selbst heute als Menschenrechtler bezeichnen möchte, stützt sich neben seinen persönlichen Erinnerungen auf zwei Schriften: „Vor zehn Jahren – 1989 Die Wende in Güstrow. Dokumente einer friedlichen Revolution“ vom Förderverein Region Güstrow und „Güstrow im Aufbruch Herbst 1989 – Dokumente und Erinnerungen“ von Angelika Schmiegelow Powell.

Meilensteine bis zur friedlichen Demonstration

2. Oktober:  In der Paulskirche in Schwerin treffen sich das erste Mal Sympathisanten des Neuen Forums aus den drei Nordbezirken (Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, im Wesentlichen  das heutige Mecklenburg-Vorpommern/Red.). Eberhard Beyer bietet das Haus der Kirche (HdK) als Veranstaltungsort für die Güstrower Region für den 27. Oktober  als frühestmöglichen Termin  an.

11. Oktober: Gründung des Neuen Forums (NF) für die Region Güstrow im Haus der Kirche. Heiko Lietz und Carola Beier werden als Sprecher gewählt. Sie übernehmen für das Haus der Kirche die Anmeldeformalitäten. Für die Lautsprecheranlage für vermutete maximal ca. 800 Teilnehmer im HdK (und als erweiterte Ausweichmöglichkeit der Raum der Landeskirchlichen Gemeinschaft) ist Eberhard Beyer (Kontaktaufnahme mit Juris-Rostock) verantwortlich. Geplant ist eine Veranstaltung ausschließlich in geschlossenen Räumen.

17. Oktober: Weitere vorbereitende Veranstaltung für den 27. Oktober. Da im Dom in dieser Woche eine lange geplante Veranstaltungswoche stattfindet, ist als alternative Variante die Pfarrkirche im Blick. Ob mit der Veranstaltung auch eine Demonstration verbunden werden soll, bleibt noch offen. Einmütig wird beschlossen, dass diese Veranstaltung nicht angemeldet wird. Der Grund: Es soll im Vorfeld keine rechtliche Möglichkeit zum Abblocken geschaffen werden. Heiko Lietz und Carola Beier werden beauftragt, einen Brief an  Landessuperintendent Axel Walter mit der Bitte zu schicken, den Dom für die Demo am 27. Oktober  nach 20.30 Uhr zu öffnen, da die Pfarrkirche sich weigert, diese Veranstaltung zu beherbergen (Unkosten: 50 Mark Miete).

24. Oktober: letzte Vorbereitungen für den 27. Oktober im HdK unter Leitung von Heiko Lietz. Anwesend sind aus der Region ca. 34 Personen, aus Güstrow u.a. Carola Beier, Eva Storrer, Jürgen Schmidt, Bent und Uschi Böhnke, Wolfgang Baranyai, Folker und Anette Mischok, Joachim Hennings, Raimund Schmidt. Es erfolgt die Wahl des Geschäftsausschusses. Das NF geht nach den Erfahrungen von der überwältigenden Demonstration in Schwerin am 23. Oktober  mit ca. 40 000 Menschen, bei der auch Heiko Lietz maßgeblich zugegen war,  inzwischen auch in Güstrow von einer Beteiligung mit 1000 bis  3000 Personen aus. Für die jetzt ausdrücklich geplante Demonstration wird kurzfristig ein Lautsprecherwagen organisiert. Heiko Lietz soll zu Beginn der Demo alle begrüßen und zur unbedingten Gewaltfreiheit aufrufen.

27. Oktober vormittags: Heiko Lietz und Carola Beier informieren Vertreter des Rates des Kreises auf deren Einladung zu einem Gespräch lediglich über die geplante Demonstration, und teilen ihnen ausdrücklich mit, dass sie diese nicht förmlich anmelden werden.

27. Oktober ab 19.30 Uhr:  Die erste freie Demonstration in Güstrow mit rund  20000 Menschen nimmt ihren Lauf. Sie mündet um 21 Uhr im Dom, wo die Ziele des  Neuen Forums  vorgestellt werden. Neben den 2500 Menschen, die dichtgedrängt im  Dom Platz haben, versammeln sich die übrigen 17500 Menschen vor dem Nordportal des Domes.

 

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