Auszeichnung : Güstrows neuer Ehrenbürger

Freude über die Ehrenbürgerschaft: Folker Hachtmann und seine Frau Eva mit der Ehrenurkunde der Stadt
Freude über die Ehrenbürgerschaft: Folker Hachtmann und seine Frau Eva mit der Ehrenurkunde der Stadt

Der 84-jährige frühere Pastor Folker Hachtmann wurde für seine Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Güstrows geehrt.

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08. März 2018, 12:00 Uhr

Jahrzehntelang hat sich Folker Hachtmann der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Güstrows gewidmet, hat Projekte mit Jugendlichen initiiert, die jährlichen Gedenkfeiern auf dem jüdischem Friedhof ins Leben gerufen und sich für die Verlegung von „Stolpersteinen“ in der Barlachstadt stark gemacht. Immer arbeitete der ehemalige Pastor der Güstrower Domgemeinde gegen das Vergessen – ohne jemals eine Gegenleistung zu erwarten. „Da ist es am Lebensabend umso erfreulicher, wenn dieses Wirken jetzt so großartig anerkannt wird“, sagt seine Frau Eva Hachtmann. Als Freund und Förderer des Ideals eines friedlichen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Ansichten sowie für sein Engagement für die jüdische Geschichte Güstrows wurde Folker Hachtmann jetzt offiziell die Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow verliehen.

Die Familie hatte sich aufgrund der Erkrankung von Folker Hachtmann eine ruhige und nicht öffentliche Feier gewünscht. Stadtpräsident Andreas Ohm und Bürgermeister Arne Schuldt überreichten dem 84-Jährigen im Rathaus die Urkunde der Ehrenbürgerschaft. Anschließend trug sich Hachtmann ins Goldene Buch der Stadt ein. Die Stadtvertretung der Barlachstadt hatte am 7. Dezember 2017 einstimmig beschlossen, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen (SVZ berichtete). Vorgeschlagen wurde Hachtmann von den Güstrowern Peggy Tetzlaff, Lehrerin an der Freien Schule, sowie Christoff Röhm. „Ich bin immer noch ganz überwältigt, dass meine Arbeit so gewürdigt wird“, sagte der Geehrte.

Froh ist der 18. Güstrower Ehrenbürger vor allem auch, dass es Leute gibt, die das von ihm Begonnene weiterführen. So organisieren Dom- und Pfarrgemeinde auch weiterhin die jährlichen Gedenkfeiern am 9. November auf dem jüdischem Friedhof und Lehrer und Schüler der Freien Schule Güstrow pflegen regelmäßig die in Güstrow verlegten „Stolpersteine“. Zudem ist die Installation zwei weiterer „Stolpersteine“ durch den Künstler Günter Demnig vor dem Haus in der Güstrower Domstraße 14 geplant, das gerade restauriert wird.

Hachtmann habe in Güstrow die Erinnerung daran geweckt, warum es hier keine jüdischen Bürger mehr gibt, sagte Bürgermeister Schuldt in seiner Laudatio für den 84-Jährigen. „Es dient dem Ansehen der Stadt, die sich ohne Ihre Bemühungen wahrscheinlich nicht in dem Umfang der Aufgabe gewidmet hätte, sich diesem Teil der Güstrower Geschichte zu stellen. Gegen Neonazis, die es auch heute in Güstrow gibt, muss die Stadt Zeichen setzen. Die Verleihung dieser Ehrenbürgerschaft gehört dazu“, so Schuldt. Zu seinem uneigennützigen Engagement für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte Güstrows sagt Folker Hachtmann selbst: „Glaubwürdigkeit leben heißt, sich zuständig fühlen für alles Unrecht.“

Zwölf Jahre war Folker Hachtmann Pastor der Domgemeinde. Geboren in Berlin, wuchs er in Schwerin auf, studierte Theologie in Rostock und Leipzig und kam 1986 nach Güstrow. Hachtmann hat fünf Kinder, 16 Enkelkinder und bereits elf Urenkel.

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