Christoph 34 : Güstrows fliegende Lebensretter

Jörg Schwank und Christian Bömert im Cockpit  Fotos: Hans-Jürgen Kowalzik
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Jörg Schwank und Christian Bömert im Cockpit 

Jubiläum für Rettungshubschrauber „Christoph 34“: 2017 seit 25 Jahren in Güstrow. Seither mehr als 20 000 Einsätze.

svz.de von
27. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Morgens in der Luftrettungsstation am KMG-Klinikum Güstrow, eine von drei Stationen im Land. Arzt, Notfallsanitäter und Pilot – die Crew von „Christoph 34“, dem Güstrower Rettungshubschrauber – wartet auf den Einsatz. Wenn sie bei Katastrophen wie dem Sandsturm auf der A19 im April 2011, bei schweren Verkehrsunfällen oder akuten Erkrankungen zur Hilfe gerufen wird, dann landet sie in einem Umkreis von 70 Kilometern in der Güstrower Region – rund 900-mal im Jahr. Im April gab es den 20  000. Einsatz. Oft geht es aber auch vom Unfallort noch weiter. Sven Hippe, seit 2001 Ärztlicher Leiter im Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Rostock: „Bei Verbrennungen z.B. müssen wir in Spezialkliniken fliegen, nach Lübeck, Hamburg oder Berlin.“

Für die fliegenden Lebensretter ist der Alltag in erster Linie vom Warten auf den Einsatz bestimmt – Kranken und Verletzten zu helfen, Leben zu retten. Den Auftrag als Träger – Luftrettung ist Landesaufgabe – hat der Landkreis mit dem Eigenbetrieb Rettungsdienst übernommen. Leiter Ralf-Peter Odebrecht: „Der Landkreis hat in seinem Haushalt 1,3 Millionen Euro für das Betreiben der Station und für das Personal eingestellt. Die Luftrettungsstation ist für uns ein sehr wichtiges Instrument, um die Bürger medizinisch schnell zu versorgen. Außerdem sichert die Güstrower Station die luftgestützte Wasserrettung ab, für die uns die Freiwillige Feuerwehr Güstrow die Rettungsschwimmer bereitstellt.“

Für ihre Aufgaben hat die Hubschrauber-Besatzung ein hochmodern ausgestattetes Fluggerät mit EKG, Defibrillator und Beatmungsgerät, einen Airbus-Helikopter H 135, auch als Eurocopter EC 135 bekannt. Damit ist er so ausgerüstet wie die Einsatzfahrzeuge in der Bodenrettung. „Daher leisten wir auch die gleiche Arbeit wie diese Kollegen. Der Unterschied ist nur, dass wir ein fliegendes Notarztfahrzeug sind und oft länger mit den Patienten in Kontakt sind“, erklärt Hippe.

Am 16. November 1992 wurde „Christoph 34“ in Dienst gestellt. Damals befand sich die Station an der Schanze in der Nähe des alten Güstrower Krankenhauses. Das Güstrower Krankenhaus stellt auch das ärztliche Personal. Rettungsassistent bzw. Notfallsanitäter kommen vom DRK-Kreisverband Güstrow. Piloten und Helikopter gehören zur Fliegerstaffel Blumberg der Bundespolizei. Jörg Schwank, Stationsverantwortlicher, hat ein Stammpersonal von sechs bis sieben Piloten. Der 50-Jährige ist seit 1991 Pilot, zwei Jahre später flog er das erste Mal mit „Christoph 34“. Schwank füllt den Beruf mit Leib und Seele aus, es ist sein Wunschberuf. Wenn er den Steuerknüppel umfasst, weiß er, was er zu tun hat: Vom Start bis zur Landung Übersicht und Überblick behalten und sich nicht von der Situation, mag sie noch so schlimm sein, antreiben lassen. Als Pilot eines Rettungshubschraubers kranken Menschen helfen zu können, sieht der Polizeihauptkommissar gar nichts Besonderes an seinem Job: „Für den Betroffenen oder für Angehörige ist das sicherlich ein gravierendes Ereignis, für uns ist das aber der Normalfall.“ Trotzdem behält er natürlich dramatische Ereignisse im Gedächtnis. So vergisst er nicht, wie zwei Geschwister in einem Dorfteich im Eis einbrachen und ertranken. „Dieses Jahr bin ich allerdings von solchen schlimmen Dingen glücklicherweise verschont geblieben“, berichtet er.

Jeder an Bord weiß, was er zu tun hat. Neben Pilot Schwank sitzt heute Christian Bömert. Der ist wie alle Rettungssanitäter bzw. jetzt Notfallsanitäter seit 2006 mit dem Einsatz des BO 105 CBS, eines weltweit bewährten Hubschraubers, zum so genannten HEMS-Besatzungsmitglied ausgebildet worden, zum „Helicopter Emergency Medical Services-Crew-Member“. Noch leistungsfähiger und mit mehr Raum für die Patientenversorgung wurde es 2007 mit dem EC 135. Bömert: „Ich erfülle navigatorische Aufgaben und nehme z.B. die genauen Einsatzkoordinaten auf, also wo was geschehen ist.“ Sven Hippe: „Einer kann sich auf den anderen verlassen. Was Pilot, Notfallsanitäter und Arzt leisten, ist Teamarbeit.“ Allerdings seien die Umstände nicht immer einfach, sagt Hippe. „Wenn zehn Einsätze in einer Schicht geflogen werden, draußen heißes Wetter ist, aber der Hubschrauber keine Klimaanlage hat, dann weiß man, was man geleistet hat“, beschreibt er einen rekordverdächtigen Arbeitstag, der der Besatzung alles abverlangt.


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