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Gewusst wie : Güstrower Tüftler wieder am Werk

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Einst baute Dieter Kandzia für die Sanierung der Schlossuhr einen Brennofen. Nach 40 Jahren will er das gute Stück wieder in Betrieb nehmen.

Vor drei Jahren packte es den Güstrower Dieter Kandzia wieder. Da besann sich der Bastler und Tüftler auf den alten Brennofen, der über Jahrzehnte auf seinem Grundstück stand und fast in Vergessenheit geraten wäre. Dabei hing das inzwischen in die Jahre gekommene Stück eng mit der Geschichte der Uhr am Güstrower Schloss zusammen.

1976 war es, als Dieter Kandzia beim Rat der Stadt Güstrow arbeitete und für die Anschlussbahn zuständig war. Die bildete damals das Verbindungsglied zwischen wichtigen Betrieben wie dem Landmaschinenbau oder der Getreidewirtschaft zu den Gleisanlagen der Deutschen Reichsbahn. „Eines Tages machte mich der Hausmeister aus dem Schoss auf die Uhr aufmerksam. Sie stand still und zeigte immer die gleiche Zeit an“, erinnert sich Kandzia. Das Interesse des gelernten Stellmachers und Karosseriebauers war geweckt. Er nahm sich vor, die Schlossuhr, die seiner Meinung nach an die 500 Jahre auf dem Buckel haben musste, wieder zum Laufen zu bringen.


Brennofen Marke „Eigenbau“


„Die Zahnräder habe ich autogen geschweißt und danach zurechtgefeilt. Das war eine ziemlich aufwändige und eintönige Arbeit, die auf den Rücken ging. Aber das größte Problem stellten die Uhrenlager dar“, erinnert sich Kandzia. Die Messinglager, die inzwischen wohl schon mehrere Reparaturen hinter sich haben mussten, waren ausgeschlagen und mussten dringend ersetzt werden. Messing wollte der Tüftler nicht wieder verwenden. Da er sich zu dieser Zeit bereits intensiv mit Bronzeguss beschäftigt hatte, kam Dieter Kandzia auf die Idee, eine Kupferlegierung für die Uhrenlager zu entwickeln, um sie widerstandsfähiger zu machen. Aber wie sollte er zu dem Material kommen? Kurzerhand entwarf Dieter Kandzia einen Brennofen, in dem er Kupfer schmelzen und legieren konnte.

Unterstützung beim Aufbau des Ofens erhielt der Bastler damals von Hartwig Striggow und Dieter Schlaack aus dem Landmaschinenbau. „In der DDR haben wir ja gelernt‚ ut Schiet Bonbons to mocken’, wie der Mecklenburger sagen würde“, schmunzelt Kandzia, der sich vor drei Jahren den alten Brennofen wieder vornahm. Stück für Stück sanierte der heute 77-Jährige seine damalige Konstruktion, arbeitete die Metallteile auf, fertigte die Brennkammer neu und führte kleinere Verbesserungen ein. Manchmal werkelte er in seiner Werkstatt hinterm Haus eine Stunde, mal einen ganzen Tag und manchmal lag auch eine Woche Pause dazwischen.


Millimeterarbeit bei der Montage


Kürzlich nun rückte der Augenblick der Wahrheit heran. Würden die sanierten und die neu angefertigten Teile zueinander passen? Bei der Montage gingen dem Tüftler mit Dieter und Harald Kölpien zwei Freunde zur Hand. Millimeter um Millimeter ließen sie den Mantel der Brennkammer mit Hilfe eines Flaschenzugs herunter. Passgenau muss die Haube auf allen Seiten der Kammer aufliegen. Nach der erfolgreichen Montage ist die Hauptarbeit geschafft, aber um den Brennofen in Betrieb zu nehmen, hat Kandzia über den Sommer noch einige Arbeiten vor sich. So muss das Gebläse instand gesetzt werden, dass für die Umluft in dem mit Koks gefüllten Brennofen sorgt und damit Temperaturen von zirka 1200 Grad erreicht.

Uhrenlager will Dieter Kandzia damit nicht mehr gießen. Aber vielleicht eine Plastik. Und erfüllen möchte er sich den Traum, eine Glocke zu gießen. „Bis zu einem Gewicht von 100 Kilogramm dürfte das möglich sein“, sinniert der Bastler. Als die Glocken für die Pfarrkirche gegossen wurden, ist er an den beiden Terminen mit nach Lauchhammer gefahren und hat sich die Sache vor Ort angesehen.

Im Herbst, schätzt Dieter Kandzia, wird der Brennofen einsatzbereit sein. Bis dahin will er sich überlegen, womit das gute Stück eingeweiht wird.  


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