Nazi-Aufmarsch : Güstrower schützen Flüchtlinge

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Rechtsextremer Aufmarsch Sonnabend in Güstrow / Kundgebung neben Asylunterkunft in Südstadt / Spontane Gegendemonstration

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21. März 2015, 20:00 Uhr

Neo-Nazi-Aufmarsch in Güstrow: Abgesichert von 130 Beamten der Bereitschaftspolizei zogen Sonnabend rund 120 Aktivisten der rechtsextremen Initiative „Güstrow wehrt sich gegen Asylmissbrauch“ vom Bahnhof über den Markt in die Südstadt und zurück. Kundgebungen gab es sowohl auf dem Markt als auch auf der Freifläche gegenüber der Inselseeschule in unmittelbarer Nähe der dortigen Asylbewerberunterkunft in der Werner-Seelenbinder-Straße.

Der rechtsextreme Aufmarsch unter dem Motto „Asylwahnsinn stoppen“, angeführt von dem Güstrower NPD-Stadtvertreter Nils Matischent, war nur 48 Stunden zuvor beim Landkreis angemeldet worden. Aber immer noch genügend Zeit, um eine spontane Gegenbewegung des Güstrower „Bündnisses für Toleranz und Weltoffenheit“ ins Leben zu rufen. Für die Anmeldung einer organisierten Gegendemonstration sei es zu spät gewesen, so die Güstrowerin Senta Schmatzberger vom Bündnis. Dennoch: „Mit unserer spontanen Gegendemonstration wollen wir vor allem den Flüchtlingen in Güstrow zeigen, dass sie nicht alleine sind. Die meisten Güstrower sind keine Rassisten“, sagte sie. Gemeinsam mit anderen stellte sich Senta Schmatzberger demonstrativ vor die Asylbewerberunterkunft in der Südstadt, um sie zu schützen.

Der Nazi-Aufmarsch verlief ohne größere Zwischenfälle. „Es wurden zwei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen zwei Personen aufgenommen, da unerlaubt pyrotechnische Erzeugnisse mitgeführt bzw. gegen das Vermummungsverbot verstoßen wurde“, informierte Gert Frahm von der Polizeiinspektion Güstrow. „Zu Ausschreitungen während der Demonstration ist es nicht gekommen.“

Der Aufmarsch der Rechtsextremen erfolgte offensichtlich als Reaktion auf die Luftgewehrschüsse aus der Asylbewerberunterkunft in der Güstrower Südstadt auf eine Spaziergängerin am Abend des 15. März (SVZ berichtete). So sieht es auch Gert Frahm. Als mutmaßliche Täter hatte die Polizei unmittelbar nach der Tat zwei albanische Asylbewerber ermittelt. Sie sollen von einem Balkon der Unterkunft, in der zurzeit 155 Flüchtlinge leben, auf eine 41-Jährige, die gerade mit ihrem Hund spazieren ging, geschossen haben. Die Frau wurde nicht getroffen und blieb unverletzt. Die Polizei hatte das Luftgewehr unterhalb des Balkons sowie mehrere Kugeln auf dem Balkon und in einem Zimmer der Unterkunft gefunden. Die 22 und 28 Jahre alten Albaner hatten die Tat bei einer Vernehmung eingeräumt. Laut Polizei hatten die mutmaßlichen Schützen zuvor mehrere Einbruchsdiebstähle begangen, bei denen sie offensichtlich auch das Luftgewehr entwendeten.

In Bützow war es eine Woche zuvor zu einer ähnlichen Demonstration einer rechtsextremen Initiative gegen Asylmissbrauch gekommen. Dieser Aufmarsch war ebenfalls nur 48 Stunden zuvor von den Neo-Nazis beim Landkreis angemeldet worden. Aber auch hier hatten sich spontan Gegendemonstranten gefunden, um gegen Fremdenhass und Rassismus Flagge zu zeigen.

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