Landmaschinen : Güstrower LMB insolvent

Geschäftsführer Dieter Freudenberg will die Güstrower LMB durch und wieder aus der Insolvenz führen.
Geschäftsführer Dieter Freudenberg will die Güstrower LMB durch und wieder aus der Insolvenz führen.

Russland kauft keine Landmaschinen mehr / Osteuropäischer Markt eingebrochen / Suche nach Investor für Traditionsunternehmen

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07. September 2015, 21:00 Uhr

Die Güstrower LMB GmbH & Co.KG, ehemals Maschinen- und Antriebstechnik GmbH & Co. KG, steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für die Mela, die Donnerstag in Mühlengeez startet. Schon immer präsentiert sich der Güstrower Landmaschinenhersteller bei der größten Landwirtschaftsmesse im Nordosten. „Das ist für uns eine Traditions- und Pflichtveranstaltung“, sagt Geschäftsführer Dieter Freudenberg. Doch dieses Mal ist es anders. Die Stimmung ist gedrückt, denn im Juli musste die Güstrower LMB (Landmaschinenbau) vorläufige Insolvenz anmelden.

Doch gerade in dieser Situation sei es besonders wichtig, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, unterstreicht Freudenberg. „Trotz Geldknappheit haben wir in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter Mittel locker gemacht, um uns auf der Mela präsentieren zu können.“ Das sei gerade auch aus psychologischen Gründen für die Belegschaft wichtig.

43 Mitarbeiter hat die Güstrower LMB aktuell noch, zwölf Stellen mussten aufgrund des Umsatzeinbruchs bereits abgebaut werden. „Dennoch haben wir vollen Geschäftsbetrieb“, sagt Freudenberg, der das Traditionsunternehmen durch und auch wieder aus der Insolvenz führen will.


Russischer Markt weggebrochen


Grund für die Insolvenz ist das derzeit prekäre Verhältnis zu Russland und die damit verbundenen Wirtschaftssanktionen. „Osteuropa ist eine entscheidende Planungsgröße für unseren Betrieb“, erklärt Freudenberg. 50 Prozent der in Güstrow gebauten Landmaschinen gehen in den Export. „Der russische Markt ist komplett weggebrochen“, so der Geschäftsführer. Auch die Märkte Weißrussland und Ukraine seien eingebrochen. Auf diese wachsenden Märkte habe die Güstrower LMB gebaut und speziell für Russland auch immer Bestände vorgehalten. „Aber hier steht gerade überall eine fette 0, was den Umsatz angeht“, sagt Freudenberg. Neben den Wirtschaftssanktionen würden die Russen gerade keine Produkte aus Deutschland und aus Europa überhaupt mehr kaufen. „Sie wollen mit eigenen Produkten ein Gegengewicht zu den europäischen Produkten schaffen. Sie wollen sich unabhängig von uns machen“, erklärt der Geschäftsführer.

Freudenberg sieht hier auch in nächster Zeit keine Verbesserungen. Das Unternehmen versuche deshalb, neue Märkte zu erschließen. Doch das könne ein bis zwei Jahre dauern. „Aber es gibt immer noch andere osteuropäische Länder, die weiter auf unserer Produkte setzen,“ ist er hoffnungsvoll.


Produktpalette nicht kaputt machen


Zurzeit führt die Güstrower LMB Investorengespräche. Noch in diesem Monat erhofft sich Freudenberg Klarheit darüber, wie es weitergehen könnte. „Wir suchen gezielt nach einem Investor, der unser Programm erhält. Wir wollen nicht, dass unsere Produktpalette kaputt gemacht wird“, sagt er. „Mit viel Kraft kriegen wir das wieder auf die Reihe.“ Die Güstrower LMB produziert vorrangig Großflächenstreuer, Überladewagen für die Ernte sowie Flüssigdüngerinjektoren für die Landwirtschaft.

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