Roman schreiben - Kein problem : Güstrower geht auf Mond-Reise

Auf ein Neues: Mit einem Milchkaffee ist Dr. Sven Edmund Reiter besonders produktiv. So kann er sich bereits dem zweiten Band seiner Trilogie widmen.
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Auf ein Neues: Mit einem Milchkaffee ist Dr. Sven Edmund Reiter besonders produktiv. So kann er sich bereits dem zweiten Band seiner Trilogie widmen.

Diplom-Geograph Dr. Sven Edmund Reiter liebt die Literatur. Mit „Traumzeitmonde“ legt er seinen ersten Roman vor.

svz.de von
09. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Dr. Sven Edmund Reiter hat das erreicht, wovon viele ihr Leben lang träumen. Der Güstrower hat in diesem Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht. Mit „Traumzeitmonde“ legt er einen fast 500-seitigen Wissenschaftsroman ganz im Stil Frank Schätzings vor. „Schätzing ist tatsächlich ein großes Vorbild für mich und sein Roman ,Der Schwarm‘ hat mich zum Schreiben inspiriert“, sagt der Autor, der im normalen Leben seit 14 Jahren für das Güstrower Straßenbauamt tätig ist.

Schon als Schüler interessierte sich der heute 51-Jährige für Literatur und so bekam er mit dem Abitur auch den renommierten Scheffelpreis für besondere Leistungen auf diesem Gebiet. „Nach der Schulzeit musste ich mich zwischen der Literatur und meiner zweiten Leidenschaft – der Wissenschaft – entscheiden und habe die Geografie gewählt, doch das Schreiben habe ich über die Jahre immer im Blick behalten“, so Reiter.

In der Güstrower Schreibwerkstatt versuchte sich der Diplom-Geograf zunächst an Gedichten und Kurzprosa – „Traumzeitmonde“ ist sein erster Roman. Die Idee dazu entwickelte sich aus einem Projekt seiner Melodic-Rock-Band „Nitebrain“. „Wir wollten ein Konzeptalbum à la Pink Floyd produzieren und dafür habe ich eine Geschichte entwickelt. Schließlich hatte ich so viel Material, dass daraus die Idee für den Roman entstand“, erzählt der Güstrower.

Bei der Lektüre verschiedener Artikel in Fachzeitschriften faszinierte Sven Edmund Reiter besonders die Welt der Monde – allein in unserem Sonnensystem existieren mehr als 200 von ihnen, so Reiter. „Den meisten Menschen sind diese Monde gänzlich unbekannt und ich möchte sie gerne bekannter machen“, erklärt der Autor die Intention seines ersten Romans, der neben vielen wissenschaftlichen Themengebieten auch viele autobiografische Elemente enthält. „An vielen der Handlungsorte war ich selbst schon einmal, die Hauptfiguren sind an Personen angelehnt, die ich kenne – selbst meine persönlichen Eigenheiten fließen in die eine oder andere Figur ein“, verrät Reiter.

Zwei Jahre lang schrieb der 51-Jährige an seinem Erstling, wobei die Recherche von insgesamt 500 wissenschaftlichen Quellen einen großen Teil ausmachte. „Die Strategie meines Buches ist es, Wissen in eine spannende Handlung verpackt zu vermitteln“, so Reiter. Dabei habe er nicht einfach so drauflos geschrieben. Am Anfang stand ein Schnellhefter mit einer mehrseitigen Kapitel-Struktur, an dessen Gerüst sich Dr. Sven Edmund Reiter während der gesamten Zeit des Schreibens orientierte. „Ich mache viele einzelne Erzählstränge auf, die später zusammenlaufen und ein Ganzes bilden. Mit meiner Übersicht sehe ich immer, wo und wie ich die verschiedenen Kapitel zusammenführen kann“, erklärt Reiter sein Vorgehen.

Die kleinteilige Kapitel-Struktur ermöglichte ihm , auch in noch so kurzen Pausen an seinem Buch zu schreiben. „Sehr gut kann ich in Cafés arbeiten. Mit einem Milchkaffee neben mir, bin ich besonders produktiv – das gelingt aber auch nur, weil das Schreiben für mich Abwechslung und Entspannung zugleich bedeutet“, verrät der Autor, der Familie und Freunde in den Entstehungsprozess seines Buches einbezog. „Von Anfang an hatte ich Mitleser, die mir mit Anregungen und Kritik zur Seite standen – das war mir sehr wichtig“, sagt Reiter, der sich selbst eher als Mannschaftsspieler denn als Eigenbrötler sehe. Besonders die konstruktiven Diskussionen mit seinen Mitstreitern habe er als fruchtbar empfunden.

Beim Schreiben der „Traumzeitmonde“ habe sich herauskristallisiert, dass dies der erste Band einer Trilogie werden würde. Die Geschichte sei so umfangreich, dass sie sich besser auf drei Bände verteilen ließe, dennoch stehe jedes einzelne Buch für sich selbst, so Reiter. Über die zahlreichen Rezensionen und Erwähnungen der „Traumzeitmonde“ im Internet freue sich der Autor besonders. Derzeit arbeitet er intensiv an seinem zweiten Band, der bereits auf etwa 200 gedruckte Seiten angewachsen ist. „Ich weiß auch schon, wie das Ende des dritten Bandes aussehen wird“, verrät Dr. Sven Edmund Reiter und fügt hinzu: „Es ist zwar nicht so, dass das Ende der Trilogie bereits in einem Tresor schlummern würde, aber in meinem Kopf existiert es bereits.“

Güstrow: Wiege bedeutender Schriftsteller, Autoren und Dichter

John Brinckman (1814–1870)

plattdeutscher Schriftsteller. Brinckman lebte und arbeitete seit 1849 in Güstrow. An der hiesigen Realschule war Brinckman als  Lehrer  für Englisch, Französisch und Latein tätig. Zudem  gab er Privatstunden in Spanisch. Mit seiner Frau, der Goldberger Arzttochter Elise Burmeister, hatte Brinckman zehn Kinder. „Kasper Ohm un ick“, „Vagel Grip“ und „Voß un Swinägel“ sind nur einige seiner zahlreichen Werke.

Uwe Johnson (1934–1984)

Schriftsteller. Johnson  legte 1952 die Reifeprüfung am Güstrower John-Brinckman-Gymnasium ab. In Güstrow war er von 1947 bis 1949 Mitglied des evangelischen Jugendkreises um Gerhard Bosinski, aus dem sich später die Junge Gemeinde entwickelte. Johnson studierte Germanistik in Rostock und Leipzig. „Mutmassungen über Jakob“ und „Karsch, und andere Prosa“ gehören zu Uwe Johnsons Werken.

Egon Schmidt (1927–1983)

Kinderbuchautor. Schmidt war seit 1957 Dozent  am Pädagogischen Institut Güstrow, der späteren Pädagogischen Hochschule. Hier war er langjährig Abteilungsleiter für Literatur und Lehrstuhlleiter für deutsche Literatur und deutsche Sprache. Seine Bücher wurden im Kinderbuchverlag Berlin und dem Hinstorff Verlag Rostock verlegt. „Das Schildkrötenmädchen“ und „Die Partisanenwiese“ sind zwei seiner vielen Werke.

Simone Katrin Paul (*1966)

Schriftstellerin und Übersetzerin. Simone Katrin Paul ist ist in Güstrow geboren und besonders für ihre Lyrik bekannt, die sie seit 1992 veröffentlicht. Heute lebt die gebürtige Güstrowerin und studierte Theaterwissenschaftlerin in Berlin. 1998 übersetzte sie Sämtliche Sonette von William Shakespeare aus dem Englischen. Zudem gehören „Fischerkönig“, „Verbranntes Theater“ und „Sinnflutend“ zu ihren Publikationen.

Karl Heinz Robrahn (1913–1987)

Lyriker.  Geboren wurde Karl Heinz Robrahn am 20. August 1913 in Warnemünde. Bis 1930 besuchte er das Gymnasium in  Güstrow. Später absolvierte Robrahn eine Lehre als Bankkaufmann und arbeitete in diesem Beruf bis 1947. Danach war er als Buchhalter und Betriebsleiter, bis er 1957 freier Schriftsteller wurde. Die Gedichtbände „Herz in Gott“ und „Gesang des Lebens“ sind nur zwei seiner Werke.

Fanny Tarnow (1779–1862)

Schriftstellerin. Fanny Tarnow veröffentlichte unter anderem unter den Pseudonymen Fanny und F.T. Sie war das erste Kind des Juristen und Staatssekretärs in Güstrow sowie späteren Gutsbesitzers, David Tarnow und seiner Frau Amalie Justine geb. von Holstein. Zu ihren Werken gehören: „Natalie. Ein Beitrag zur Geschichte des weiblichen Herzens“, „Lebensbilder“ und „Die Spanier auf Fühnen. Historisches Schauspiel“.

Bertram Reinecke (*1974)

Schriftsteller und Verleger. In Mecklenburg aufgewachsen, studierte Reinecke Germanistik, Philosophie und Psychologie an der Universität Greifswald. Außerdem absolvierte er bis 2006 ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Er verfasst Lyrik, Essays, Kritiken und Texte zu musikalischen Kompositionen. „Engel oder Pixel“ und „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“ sind zwei seiner jüngsten Werke.

 
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