Besuch im Heiligen Land : Güstrower bauen Brücken der Verständigung in Israel

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Ursula und Wilhelm Reichel arbeiteten drei Monate in Israel für Holocaust-Überlebende.

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06. Juni 2016, 21:00 Uhr

Für Ursula und Wilhelm Reichel aus Güstrow schloss sich in den vergangenen Wochen ein Kreis. Vor genau einem Jahr nahmen sie unter dem Motto „Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“ an einer Wanderung von dem ehemaligen KZ Ravensbrück nach Schwerin teil. Nun weilten sie für 90 Tage in Israel und pflegten dort Kontakte zu Holocaust-Überlebenden. „Besuche bei diesen Menschen, aber auch konkrete Hilfe und Arbeit, die wir für sie tun, bauen Brücken der Verständigung und des Vertrauens“, sind die Güstrower überzeugt.

Das Ehepaar traf in Jerusalem bei ihrem Hilfs- und Versöhnungsdienst auch Elisheva Lehmann in einem Altenheim. „Sie ist eine engagierte Frau mit einer spannenden Lebensgeschichte“, erzählt Wilhelm Reichel. Drei Jahre sei sie im Zweiten Weltkrieg von Christen in Holland versteckt worden. Ein weiterer Holocaust-Überlebender, bei dem Wilhelm Reichel im Garten hin und wieder arbeitete, wird in wenigen Tagen 90 Jahre alt. „Verzeihen und vergeben können nur die Überlebenden des Holocaust. Der Gedanke, an das zu erinnern, was geschehen ist, und dass man das Schweigen darüber bricht, ist wichtig“, so ein Zitat von ihm. Diesen wichtigen Aspekt sehen auch Ursula und Wilhelm Reichel. „Die Erinnerung wach zu halten, ist sehr wichtig“, sagen sie. Schließlich gebe es nicht mehr viele Überlebende. In die Zeit in Jerusalem fiel auch der 5. Mai – der Gedenktag der Juden an den Holocaust. „Für zwei Minuten wurde das Leben unterbrochen – alle waren mucksmäuschenstill. Das war bewegend“, erinnert sich Ursula Reichel.

Den Kontakt zu den Holocaust-Überlebenden hat das Güstrower Ehepaar durch Uwe Seppmann aus Loiz und Christa Behr bekommen, die im Südwesten Jerusalems wohnt. „Sie arbeitet menschenverbindend und nationalitätsübergreifend und sorgt sich um Kranke und finanziell schwache Menschen“, erläutert Wilhelm Reichel. Hier brachte sich Ursula Reichel ein. Zweimal pro Tag ging sie zu der 94-jährigen Deutschen Christa Tramm, die sich nicht mehr selbst versorgen kann. So kaufte die Güstrowerin für sie ein, kochte, versorgt die Blumen und putzte. „Meine Aufgabe hat mir gefallen. Ich konnte ihr einige ihrer letzten Lebenstage angenehm machen“, sagt Ursula Reichel.

Auch wenn ihre Freizeit in begrenzt war, so war es eine gute Zeit für das Ehepaar. „Wir sind durch die Begegnungen reich beschenkt worden“, sagen sie. Eine Woche haben sie schließlich noch als Urlaub genutzt und das Erlebte auf sich wirken lassen, bevor sie inzwischen wieder in Güstrow sind. Für Wilhelm Reichel steht fest: „Ich könnte mir gut vorstellen, einen solchen Einsatz noch einmal zu machen“, sagt er.

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