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Güstrow Historisch : Güstrow wird Klosterstadt im Jahre 1509

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein geschichtlicher Rückblick der Besiedlung des Klosterhofes, recherchiert von Ulrich Schirow (Teil 2).

Als beim ersten großen Stadtbrand 1503 auch die Heiligblutkapelle zerstört wurde, fürchtete der mecklenburgische Herzog Heinrich V. um seine wichtigen Einkünfte aus den Pilgerspenden. Die Hostie des Heiligen Blutes wurde gerettet und in die Schlosskapelle verbracht. Um dem Ansehen der Stadt nicht zu schaden, entschieden die mecklenburgischen Fürsten, die Heiligblutkapelle neu zu bauen. Gleichzeitig reifte die Entscheidung, die Kapelle zu einer Kirche auszubauen und diese zum Mittelpunkt eines zu gründenden Franziskanerklosters zu machen.

Die Genehmigung zur Klostergründung konnte nur der damalige Papst, Julius II., erteilen. So geschehen im Jahre 1509. Es war die letzte Stiftung eines Klosters in Mecklenburg. Die meisten Klöster im Land waren schon 200 oder sogar über 300 Jahre früher gegründet worden. Klosterbau und die Verbringung der Hostie des Heiligen Blutes in das Kloster waren dem Güstrower Domstift ein Dorn im Auge, denn man befürchtete den Verlust oder die Einbuße lukrativer Geldeinnahmen. So fiel die Entscheidung zu Gunsten des Domes und die Hostie wurde fortan im Dom präsentiert.

Auf der ältesten bildlichen Darstellung Güstrows aus dem Jahr 1585 von dem Rostocker Buchdruckergesellen, Vicke Schorler, ist die Klosterkirche sichtbar, obwohl das Kloster selbst mit der Reformation schon 1549 aufgelöst wurde.

Der Güstrower Gymnasiallehrer Wilhelm Gernentz hat die Geschichte des Güstrower Franziskanerklosters, des Barfüßerordens, ausführlich beschrieben und zu vielen Details recherchiert. So kamen im Jahre 1510 die ersten sechs Mönche nach Güstrow, deren Zahl sich später auf etwa 20 erhöhte. Das Klosterareal mit allen Gebäuden lag zwischen Pferdemarkt, Schnoienstraße, Armesünderstraße und Tiefe Tal. Als durch die Reformation 1550 das Domstift aufgehoben wurde, löste sich in aller Stille auch das Kloster auf und der gesamte Besitz fiel an das Fürstenhaus. In den Klostergebäuden war zeitweilig die Domschule untergebracht, bis 1579 die Schule am Domplatz ihr Domizil fand. Andere Klostergebäude oder Wirtschaftsgebäude des Klosters wurden als Absteigequartier für Gäste des Herzogs genutzt oder Buchdruckerie, Brauerei und Kornspeicher.

Der zentrale Punkt, die Klosterkirche selbst, ist nach Berichten des Schulrektors Schedius 1599 abgerissen worden, nur das Haus des Klostervorstehers blieb erhalten, wurde aber 1620 durch einen Brand zerstört. Damit waren alle Klostergebäude verschwunden, nur einige Wirtschaftsgebäude am Rande des Klosterareals blieben erhalten so Schedius. Das könnte auf ein Gebäude zutreffen, dass erst 1939 abgerissen wurde mit eindeutigen Renaissancemerkmalen ausgestattet war, das Wohnhaus des Kaufmanns Selig am Pferdemarkt 46 mit angrenzenden Lagergebäuden in der Armesünderstraße.

Während der Klosterzeit hatte das gesamte Areal den Namen „de Papen Kemnat“. Nach der Zerstörung der alten Gebäude wurde wohl schon bald zum Ende des 17. Und dann im 18. Jahrhundert das gesamte Areal nach und nach neu bebaut. Doch auch davon sind nur noch wenige Häuser erhalten.


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