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Nach Brand : Güstrow verliert wertvolle Bausubstanz

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Nach Brandkatastrophe auf Markt: der Verlust der beiden Häuser Markt 29 und 30 schmerzt

Güstrow hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das große Glück, keine Kriegsschäden davon getragen zu haben. Respekt und Dankbarkeit bis heute an die, die 1945 mit Entschlossenheit und Mut die zerstörerische Kriegsmaschinerie unter Einsatz ihres eigenen Lebens aufhielten. Immer wieder tauchen jedoch im Verlauf der städtischen Entwicklung Pyromanen auf , die sich an der historisch wertvollen Bausubstanz vergehen und dabei auch Menschenleben gefährden. So geschehen bei der Brandkatastrophe vergangene Woche auf dem Güstrower Markt (SVZ berichtete). Die Polizei geht mittlerweile von Brandstiftung aus. Der Verlust der beiden Häuser Markt 29 und 30 schmerzt so oder so.

Im Güstrower Stadtarchiv ist die bauhistorische Bedeutung der beiden Häuser durch Bauakten und durch einen Denkmalplan des Büros Christensen – eine Auftragsarbeit der Stadt in den 1990er-Jahren – dokumentiert. Zum Haus Markt 29 heißt es: „Besonderes Beispiel eines zweigeschossigen Fachwerk-Giebelhauses des 16. Jahrhunderts mit Kemladen (hinterer Anbau), dessen Trauffassade in Fortsetzung am Grünen Winkel noch ursprünglich erhalten ist.“ Nur noch sehr selten findet man auch in dem alten Güstrow Häuser aus dem 16. Jahrhundert, an denen man alte Holzbauhandwerkskunst wie Blockzargenfenster, Zapfenschlösser und Knaggen (profilierte Balkenkopfenden) wie an dem traufenständigen Nebenhaus im Anschluss an den Grünen Winkel entdecken kann. Die ältesten schriftlichen Dokumente im Archiv gehen im Schossbuch (Steuer) auf das Jahr 1783 zurück. Es war ein Vollhaus für das der Brauer Linde mit Garten, Scheune, das Handwerk Brauen, den Handel und 4,5 Morgen Acker damals 42 Schilling Steuer bezahlen musste. Drogerie wurde das Haus seit 1902.

Zum Haus Markt 30 heißt es: „Das große dreigeschossige, dreiachsige Fachwerkgiebelhaus um 1800 (im Kern älter) erhielt kurz nach 1800 eine klassizistische Putzfassade, reich geschmückt mit einem hohen Giebelaufsatz. Zwei Hermenpilaster (Pfeilerandeutung) bilden das Hauptschmuckelement.“ 1911 wurde das Haus komplett durch Bauunternehmer Lintz aus Güstrow durchgebaut und verlor dabei durch den Ladeneinbau mit großem Schaufenster seinen einheitlichen Charakter, da ihm praktisch die Füße abgeschlagen wurden. Vielen älteren Güstrowern ist das Haus noch bekannt als Kaufmann Hirsch (1902). Noch heute taucht immer wieder das Gerücht auf, dass dieser Kaufmann Hirsch jüdischer Abstammung sei. Das ist nicht korrekt, da die Familie preußischer und mecklenburgischer Herkunft ist.

Übrigens hatten beide Häuser ihre Zufahrt nach hinten zu den Lagergebäuden und Warenanlieferungen über den Grünen Winkel. Hoffen wir, dass wenigstens das Haus Nr. 30 mit seiner Fassadenaussage saniert werden kann.





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