Eine Odyssee geht zu ende : Güstrow kauft Stahlhof-Gelände

Diese Ruinen der Kleiderwerke sollen verschwinden, denn der Stahlhof ist jetzt ganz in der Hand der Stadt. hans-jürgen kowalzik
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Diese Ruinen der Kleiderwerke sollen verschwinden, denn der Stahlhof ist jetzt ganz in der Hand der Stadt. hans-jürgen kowalzik

Einer der größten Schandflecken in Güstrow konnte bald der Vergangenheit angehören: der Stahlhof. Nach jahrelangen Querelen hat die Stadt jetzt das komplette Grundstück in ihrem Besitz. Gebaut werden könnten Wohnungen, Parkplätze, Büros und Einzelhandel.

svz.de von
21. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Die Barlachstadt Güstrow hat den Stahlhof von der KWG (Kleiderwerke Güstrow) Consulting GmbH für rund eine Million Euro gekauft. Enthalten ist in der Summe der Abriss der Gebäude der ehemaligen Kleiderwerke. Das bestätigte Bürgermeister Arne Schuldt auf SVZ-Nachfrage. Den Kaufvertrag segnete die Stadtvertretung auf ihrer vergangenen Stadtvertretersitzung ab. Bis zum Sommer 2014 soll der Abbruch über die Bühne gehen und das gesamte Gelände zwischen Grabenstraße, Eisenbahnstraße und der Nebel entlang des Paradiesweges soll eine freie Fläche sein. Danach bestimme die Stadt mit ihrer Bauleitplanung, was dort entstehen könne und solle, so Schuldt. Ohne eine Zeitschiene sagen zu können, spricht der Bürgermeister von einer „gemischten Nutzung“ für Wohnungen, Büros, Parkplätze sowie Einzelhandel und Gewerbe.


Entschädigung und Schadenersatz weiter vor Gericht


Die hätte allerdings nichts mehr mit den überzogenen Vorstellungen der 1990er-Jahre gemein, sagt Schuldt. Damals waren hunderte Parkplätze und Einzelhandel auf über 1000 Quadratmetern im Gespräch. „Wir werden nicht wie damals etwas übers Knie brechen, sondern wir wollen das Areal Schritt für Schritt sinnvoll und vernünftig entwickeln“, betont der Bürgermeister. Langfristig sieht er außerdem positive Effekte für die Entwicklung der Altstadt.

Auch wenn über Termine noch nicht geredet werden könne, so Schuldt, richtet der Bürgermeister einen zeitlichen Fokus doch auf ein bestimmtes Jahr, und zwar auf 2018. In diesem Jahr könnte es die Landesgartenschau geben, die für das kommende Jahr abgesagt wurde und für die sich Güstrow interessiert hatte. Denn Güstrow habe wieder vor, sich zu bewerben. In dem Konzept würde dann der Stahlhof einen wichtigen Teil einnehmen, erklärt der Bürgermeister.

Soweit das, was auf dem Papier steht, und gedankliche Vorstellungen. Denn Bürgermeister Schuldt glaubt alles erst, wenn die Fläche wirklich frei von allen Ruinen ist. Denn: Zu viel ist auf diesem Areal bisher seit der Wende passiert bzw. nicht geschehen.

Zur Erinnerung: Hintergrund ist ein juristisches Tauziehen seit Mitte der 1990er-Jahre um das 8600-Quadratmeter-Teilstück zwischen Graben- und Eisenbahnstraße und Rosengarten. Ausgangspunkt war die Enteignung des Kleiderwerke-Eigentümers Klaus Kleppers (wir berichteten mehrfach) – eine Entscheidung, die das Land mit traf – und die Erarbeitung einer fehlerhaften Entwicklungssatzung durch die Stadt. Letztlich der Grund dafür, dass die Enteignung Kleppers als Unrecht anerkannt wurde. Aus diesem Grunde laufen immer noch ein Schadensersatzprozess vor dem Bundesverwaltungsgericht und in zweiter Instanz ein Entschädigungsverfahren vor dem Oberlandesgericht. Das Problem von Beginn an: Die Stadt will das nicht zahlen bzw. Klepper will noch mehr Geld.

Auf der Stadtvertretersitzung informierte Bürgermeister Schuldt, dass es am 2. Dezember eine Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Rostock gab. Gegen das Urteil des Landgerichts Rostock in erster Instanz zur Entschädigungssumme von 2,3 Millionen Euro hatten sowohl die Barlachstadt Güstrow als auch die KWG Consulting GmbH Berufung eingelegt. In der Verhandlung wurde vom Senat der Vorsitzende des Gutachterausschusses des Landkreises Rostock zu den Gutachten von 2001 und 2004 befragt. Das Ergebnis: Beide Gutachten enthalten abstrakt geschätzte Beträge und pauschale Einschätzungen zum Instandsetzungsaufwand. Ein Abzug alt für neu sei nach den Ausführungen des Gutachters in den Gutachten nicht gemacht worden. Daher, so Schuldt, habe der Senat festgestellt, dass der von der KWG Consulting GmbH gestellte Antrag für die Beurteilung bzw. Ermittlung des konkreten Instandsetzungsaufwandes zurzeit ungeeignet sei. Deswegen müsse die KWG bis Ende Januar 2014 die Schäden an den Gebäuden im beantragten Gegenwert von ca. 4,2 Millionen Euro konkret beweisen. Der Senat habe angekündigt, dass anschließend ein Urteil gefällt werden solle.


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