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Güstrower Anzeiger

14. Dezember 2017 | 18:12 Uhr

Güstrow in der Zwickmühle

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Existenzgründerzentrum nach Auflösung der Wirtschaftsfördergesellschaft zum Verkauf / Stadt will Rückzahlung Fördergeld vermeiden

Eine zusätzliche Ausgabe in Höhe von einer Viertelmillion kommt auf die Barlachstadt zu. Entscheiden muss die Stadtvertretung, was aus dem Existenzgründerzentrum (EGZ) im Gewerbegebiet Glasewitzer Burg werden soll. Vorschlag des Bürgermeisters: Die Stadt kauft den Komplex. Kaufpreis laut Gutachter: 250 000 Euro.

Das Gebäude am Augraben gehört der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Güstrow-Teterow mbH. Diese Einrichtung des Kreises Güstrow wird vom Großkreis Rostock-Land nicht mehr getragen; der Kreistag hatte vor über einem Jahr die Auflösung beschlossen. Jetzt will der Liquidator der Gesellschaft das Gebäude veräußern.

Die Stadt Güstrow hat nicht nur das Vorkaufsrecht, sondern auch ein Problem. Ihr gehört Grund und Boden, auf dem das Haus 1994 errichtet wurde. Güstrow hatte den Komplex bauen lassen und der Wirtschaftsfördergesellschaft verpachtet. Zweckgebunden an die „Verbesserung der wirtschaftsnahen Infrastruktur“, wie es in den Bestimmungen hieß, gab es damals Fördermittel in Höhe von gut 5 Millionen D-Mark. Dieses Geld, gebunden bis insJahr 2020, könnte das Land zurückfordern, wenn sich die Stadt nicht an den Förderzweck hält, erklärt Thomas Jesse vom Stadtmarketing. Als bester Weg, die Stadt von Haftungsschäden freizuhalten, erscheine der Kauf des Komplexes. Dann hätte die Stadt immerhin zwei Optionen: Sie bewirtschaftet selbst das Haus (was „nicht präferiert“ sei), oder es wird vermietet – dann natürlich sei die Zweckbestimmung zu beachten. Jesse: „Ich sehe durchaus Chancen, dass die Verpachtung gelingen kann.“ Bewerber hätte es schon gegeben, allerdings entsprächen bisher vorgelegte Konzepte nicht dem Förderzweck.

Aktuell wären von den insgesamt 2000 Quadratmetern Nutzfläche die 560 Quadratmeter Büros nur zu 40 Prozent vermietet, die Werkhallen dagegen vollständig. Da es sich hier um lukrative Mietbedingungen handele, sei die ganze Angelegenheit auch nicht kostendeckend, gibt Jesse zu bedenken, ohne schon über eine konkrete Auflistung zu verfügen. Im schlimmsten Falle, wenn also gar niemand mehr in dem Haus arbeiten wollte, würden jährliche Verluste von 58 000 Euro auf die Stadt zukommen. Derzeit betrügen die Erträge aus Verpachtung etwa 47 000 Euro; da sei das Büro der aufgelösten Gesellschaft noch enthalten.

Die Vermietungschancen erscheinen derzeit nicht voraussehbar. Bei einem Verzicht der Stadt nicht weniger ungewiss: Was würde ein anderer Käufer mit dem Objekt machen?


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