Hilfe in schweren Stunden : Güstrow hat wieder Notfallbegleiter

Güstrows ehrenamtliche Notfallbegleiter Frank Bauriedl und Sabine Wittke werden per Funkmeldeempfänger alarmiert. Caroline Weißert
Güstrows ehrenamtliche Notfallbegleiter Frank Bauriedl und Sabine Wittke werden per Funkmeldeempfänger alarmiert. Fotos: Caroline Weissert

Der Kriseninterventionsdienst in der Barlachstadt wurde wieder zu neuem Leben erweckt – der Verein Notfallbegleitung Güstrow unterstützt Betroffene seit 1. März in schweren Stunden.

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21. März 2016, 05:00 Uhr

Sie überbringen Todesnachrichten, unterstützen in schweren Stunden oder sind einfach nur da und hören zu – die Notfallbegleiter des neu gegründeten Vereins Notfallbegleitung Güstrow. Angefangen hat alles bereits vor rund 18 Jahren. „In unserer täglichen Arbeit merkten wir immer wieder, dass es eine Lücke zwischen dem Wegfahren des Rettungsdienstes und der Übernahme durch weiterführende Institutionen gibt“, erklärt Notfallsanitäterin Sabine Wittke, die auf eine 25-jährige Berufspraxis zurückblicken kann.

14 Mitglieder – ausgebildete psychologische Fachberater für Krisenintervention und Notfallnachsorge – schlossen sich damals zusammen und gründeten den Kriseninterventionsdienst (KID). Auch damals schon rein ehrenamtlich. „Wir haben eng mit der Leitstelle zusammengearbeitet, wurden alarmiert“, sagt Sabine Wittke weiter, die sich gemeinsam mit ihren Kollegen 16 Jahre lang ein großes Netzwerk aufbaute. „Dann kam der Schnitt. Nach 16 Jahren wurde es Zeit, die Ziele und Voraussetzungen neu zu überdenken“, sagt die Notfallsanitäterin.

In den vergangenen zwei Jahren musste man in der Region Güstrow ohne einen derartigen Dienst auskommen. „Natürlich hat man Kollegen aus den umliegenden Kreisen hinzugerufen, wenn es nötig war. Aber man hat gemerkt, wie wichtig unsere Arbeit vor Ort war“, sagt Vereinschef Frank Bauriedl und fügt hinzu: „Oft wurden wir noch angerufen und um Hilfe gebeten, obwohl es keinen Verein mehr gab und nach den vielen schweren Unfällen in der jüngsten Vergangenheit waren wir uns einig, die Arbeit wieder aufzunehmen.“

Nach den erfolgreichen Tarifverhandlungen (SVZ berichtete) hatten die Rettungskräfte nun auch endlich den Kopf wieder frei. „Wir waren uns schnell einig. Die Vereinsgründung mit acht Gründungsmitgliedern war am 25. Februar und am 1. März sind wir gestartet – drei Einsätze hat es seither schon gegeben“, erzählt Frank Bauriedl.


„Jeder Einsatz ist sehr individuell“

Vereinbart wurde jüngst auch eine enge Zusammenarbeit mit der Rettungsdienst Güstrow gGmbH und dem Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises. „Die Akzeptanz für unsere Arbeit ist wirklich groß und das freut uns sehr“, sagt Bauriedl und Sabine Wittke fügt hinzu: „Vielleicht hat auch die zweijährige Pause zu dieser positiven Einstellung geführt. Womöglich haben die anderen deutlich gemerkt, dass sie uns brauchen.“

Vom Eigenbetrieb Rettungsdienst gab es für die Ehrenamtler nun auch Funkmeldeempfänger, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten. Denn in der Regel erfolgt eine Alarmierung der Notfallbegleiter, die sich selbst in einem Dienstplan organisieren, über die Leitstelle. „Im Gegensatz zu anderen Teams arbeiten wir immer zu zweit – das ist ein Luxus, den wir uns leisten. Wir wissen nie, was uns vor Ort erwartet und so haben wir die Möglichkeit uns aufzuteilen und besser auf die Situation reagieren zu können“, erklärt Sabine Wittke ihr Vorgehen.

Insbesondere ihre jahrelange Erfahrung mit Krisen helfe bei der Bewertung der Situation. „Jeder Einsatz ist sehr individuell – mal dauert er wenige Stunden, mal die ganze Nacht. Manch ein Betroffener möchte reden, ein anderer zuhören“, sagt Frank Bauriedl. „Letztendlich geht es ums Zuhören, Dasein und Lösungswege suchen“, fasst Sabine Wittke zusammen.

Belastend seien die Einsätze für das Team indes weniger. „Wir erfahren sehr viel Dank von den Betroffenen und das hinterlässt ein gutes Gefühl. Wenn man merkt, dass man ein Stück auf dem Weg weiterhelfen konnte, dann ist das am Ende nicht belastend“, sagt Wittke weiter. Dabei hilft auch die Arbeit im Zweierteam. Bereits auf dem Heimweg könne einiges aufgearbeitet und besprochen werden, sind sich die Notfallbegleiter einig. „Aber auch wir setzen uns mal alle zusammen und sprechen über das Erlebte oder holen uns, wenn es nötig wird, auch mal externe Unterstützung – beispielsweise durch einen Supervisor“, erklärt Sabine Wittke abschließend.

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