Sitz der Kreisverwaltung : Güstrow allein oder mit Bad Doberan?

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Diskussion über künftigen Sitz der Kreisverwaltung eröffnet

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01. November 2014, 06:00 Uhr

Die Kreistagsmitglieder haben die Wahl. Wird der Landkreis künftig allein von Güstrow aus regiert oder wird es weiterhin eine Außenstelle in Bad Doberan geben? Zwei Beschlussvorlagen legt die Verwaltung vor. Variante I sieht vor – einem Gutachten, das die Ansiedlung der Kreisverwaltung allein aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet, folgend – die Verwaltung in Güstrow zu konzentieren. Variante II zementiert die Verwaltung an zwei Standorten: in Güstrow und in Bad Doberan. Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses, der am Donnerstag tagte, setzten die erste Marke und empfehlen dem Kreistag die Variante II. Bei nur einer Enthaltung war man sich recht einig.


Konzentration spart acht Millionen Euro


Damit verzichte man bewusst auf Einsparmöglichkeiten, die sich aus einer Konzentration der Verwaltung in Güstrow ergeben würden. Im Gutachten heißt es, dass neben dem Kreishaus der Bau eines weitere Verwaltungsgebäudes (eventuell auf dem Stahlhof) notwendig wäre. Alles in allem würde sich über 30 Jahre betrachtet dennoch eine Einsparung von rund acht Millionen Euro ergeben. Die rein wirtschaftliche Betrachtung überzeugte die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses nicht. „Die Betrachtung ist nicht vollständig“, betont Ausschussvorsitzender Peter Stein (CDU). Die Kosten für Übergangszeiten bis zur Fertigstellung eines neuen Gebäudes, vermutlich 2018, seien ausgelassen worden. Der Wirtschaftsausschuss setze darauf, die Nutzung der vorhandenen Gebäude zu optimieren. Außerdem: „Bürgernahe Dienste müssen auch in der Nähe der Bürger angeboten werden“, unterstreicht Stein weiter.

Als Irrsinn bezeichnet es Ausschussmitglied Helmut Precht (Freie Wähler), bei einer Vielzahl von Gebäuden im Eigentum des Landkreises einen Neubau zu errichten und dafür bei fragwürdiger weiterer Nutzung anderes verkaufen zu wollen. Da wären das ehemalige großherzogliche Palais und das Salongebäude in Bad Doberan, die sich nur wenig als Verwaltungsgebäude eignen und erhebliche Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten verursachen. In der Variante I würde in Bad Doberan lediglich die Kfz-Zulassungsstelle verbleiben.

Im Haushalts- und Finanzausschuss, der in dieser Woche in der Frage der Ansiedlung der Verwaltung noch keine Empfehlung abgab, sprachen sich Birgit Czarschka (SPD-Fraktion) und Frank Schröder (sachkundiger Einwohner) für eine Konzentration der Verwaltung in Güstrow aus, während Thorsten Semrau (CDU) – Ausschussmitglied und Bürgermeister in Bad Doberan – eine flammende Rede für den Erhalt von zwei Standorten gehalten hatte. Bürgernähe, Daseinsfürsorgepflicht und strukturpolitische Erwägungen führte er ins Feld. Verwaltung an einem Ort sei effektiver und leichter zu organisieren, konterte Schröder. Bei jeglichem Verständnis für das Engagement des Doberaner Bürgermeister für seine Stadt, machte er darauf aufmerksam, dass auch Bützow einst Kreisstadt gewesen war und den Verlust „überlebt“ habe. „Wir brauchen eine effektive Verwaltung“, betonte Czarschka. Sie sehe sich auch mit dem Wählerauftrag, „Geld bei der Verwaltung, wo es nur möglich ist, einzusparen“ im Kreistag.


Argument der Bürgernähe hinterfragen


Das Argument der Bürgernähe wollte sie relativieren. Lediglich zweimal in ihrem ganzen Leben habe sie die Kreisverwaltung aufsuchen müssen. Damit sei sie kein Einzelfall. Das bestätigte Erwin Kischel: „Das letzte Mal war ich 1976 beim Landkreis.“ Der Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses gab auch zu bedenken, dass das elektronische Zeitalter noch manche Erleichterung bringen werde. Der Haushalts- und Finanzausschuss wird am 11. Februar nochmals zum Thema tagen.

Eine Entscheidung zum Standort oder zu Standorten ist notwendig, weil es in Bad Doberan für den Neubau hinter den beiden klassizistischen Gebäuden am Kamp (kreiseigene Immobilien) einen Leasingvertrag sowie einen Mietvertrag für Räume, die das Gesundheitsamt in der Dammchaussee nutzt, gibt. Beide Verträge enden 2016. Die in Güstrow genutzten Immobilien gehören dem Kreis.

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