Güstrow : Gülleläger an der Kapazitätsgrenze

Auf einem Acker – etwas höher gelegen – zwischen Wattmannshagen und Neu Rachow wurde gestern Gülle ausgebracht.
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Auf einem Acker – etwas höher gelegen – zwischen Wattmannshagen und Neu Rachow wurde gestern Gülle ausgebracht.

Düngeverordnung sieht Ausbringung von Gülle ab Februar vor – Realität gesättigter und aufgeweichter Äcker lässt dies kaum zu.

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02. Februar 2018, 05:00 Uhr

Seit gestern kann wieder Gülle auf die Felder gebracht werden. Aber wie mit schwerer Technik aufs Feld kommen? Und wo soll die Gülle noch hin? Die Böden sind vielfach gesättigt. Die Lager aber sind voll, stapelt sich dort doch die Gülle seit Anfang November. Drei Monate lang darf sie nicht auf den Acker. Was tun?

Bei der Aalberts-Krap GmbH in Schlieffenberg hat man sofort gehandelt. Auf einem Acker zwischen Wattmannshagen und Neu Rachow, der etwas höher gelegen ist, wurde Gülle ausgebracht. „Laut Wettervorhersage bleibt uns nur ein kleines Zeitfenster“, betont Klaus-Dieter Fieberg, Leiter Marktfruchtanbau im Unternehmen. Angesagt ist Frost und auf gefrorene Böden darf Gülle nicht ausgebracht werden. Aber Mitte Februar könnte es zu spät sein – Lagerkapazitäten sind nicht unendlich –, also nutze man jetzt die Gelegenheit.

„Viel Luft nach oben haben wir nicht mehr, aber sofort müssen wir nicht losfahren“, sagt dagegen Lars-Peter Loeck, Vorstandsvorsitzender der Agrofarm Lüssow. Der Milchviehbetrieb verfügt über Lagerkapazitäten für neun Monate – sechs werden derzeit gefordert, neun sind aber schon im Gespräch. Darauf habe man sich bereits eingestellt. Rund 16 000 Kubikmeter Gülle können gelagert werden. Dennoch habe man sich schon umgesehen und Teilflächen ausgewählt, die befahren werden könnten. „Es handelt sich um etwas höher gelegenes Grünland. Wir werden versuchen drauf zu kommen“, sagt Loeck. So könnte die Situation wenigsten etwas entschärft werden.

Ähnlich sieht es bei weiteren Milchproduzenten in der Region aus. Ulrich Behnke, Vorstandsvorsitzender des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf spricht von Lagerkapazitäten, die noch 14 Tage ausreichen würden. Auch er hat bereits Flächen im Visier, die befahrbar sein müssten. Auch in Plaaz, wo die Produktivgenossenschaft (PG) „Am Schmooksberg“ Diekhof ihre Milchviehanlage betreibt, hat man schon besorgt nachgeschaut. „Noch läuft nichts über“, kann Hans-Jürgen Schlack mitteilen. Es sei eine Ausnahmesituation, die aber alle Landwirte in Deutschland treffe. Ein Glück, meint der Vorstandsvorsitzende, so sei die Sensibilisierung für das Thema eine andere, als würde es nur eine Region betreffen. Ein Notlager für die anfallende Gülle aus den Kuhställen, haben beide bisher nicht beantragen müssen.

Aufgrund der angespannten Situation könnten Landwirte Ausnahmegenehmigungen für ein Notlager bei der Unteren Wasserbehörde stellen. Acht Landwirtschaftsunternehmen in MV hätten das bereits getan, informierte jetzt Landesbauernpräsident Detlef Kurreck (SVZ berichtete). Im Landkreis Rostock habe es bisher eine Nachfrage, aber noch keinen Antrag gegeben, informiert Kreissprecher Michael Fengler auf SVZ-Nachfrage. Allerdings sei ein Notlager für Gärreste bei Gnoien beantragt worden.

„Wir sind mit den Behörden im Gespräch“, betont Peter Brandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Güstrow. Um Katastrophen vorzubeugen müsse geprüft werden wie und wo eine Notausbringung von Gülle denkbar wäre, fügt der hinzu.

„Für mögliche Notfälle sind wir gerüstet“, sagt Silvio Griepentrog, Geschäftsführer des gleichnamigen Landwirtschaftsbetriebes in Steinhagen. „Wir haben einen Notfallplan in der Schublade.“ Doch der werde noch nicht benötigt. Gestern sind sie rausgefahren, nutzen das Wetter, um auf Äckern, wo es möglich war, die Gülle auszubringen. Silvio Griepentrog weiß, dass möglicherweise dafür nicht viel Zeit bleibt. „Das Problem ist ja, dass wir schon im Herbst nicht konnten, wie wir wollten“, sagt Silvio Griepentrog. Denn mit der neuen Düngeverordnung wurde die Zeit der Gülleausbringung verkürzt, sagt Katrin Kauer, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Bützow. Hinzu kam dann der Dauerregen, der die Herbstarbeiten verhinderte. Es gehe ja nicht darum, die Gülle einfach auszubringen, sondern darum, den natürlichen Kreislauf sicherzustellen. „Dann brauche wir weniger Dünger“, erklärt Silvio Griepentrog.

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