Traditionspflege : Großstädter greifen zur Sense

Goetz Grunert mäht zum ersten Mal mit einer Sense und es gelingt ihm auf Anhieb recht gut.
Goetz Grunert mäht zum ersten Mal mit einer Sense und es gelingt ihm auf Anhieb recht gut.

Dreschfest an der Wassermühle Kuchelmiß mit Schaumähen und -dreschen

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03. August 2015, 03:30 Uhr

Viele Neugierige haben sich am Feldrand nahe der Wassermühle versammelt. Schaumähen mit der Sense ist angesagt, aber nicht jeder traut sich. An der Wassermühle wurde am Sonnabend das Dreschfest gefeiert. Der Förderverein der Wassermühle Kuchelmiß hat dazu eingeladen und war am Ende mit der Resonanz mehr als zufrieden.

Goetz Grunert (48) macht mit Frau Jana und den Kindern Elisa und Jacob in Krakow am See Urlaub. „Jemand hat mir die Sense in die Hand gedrückt und ich gebe mir die größte Mühe“, sagt der Berliner. Nie zuvor habe er mit einer Sense gemäht und doch gelingt es ihm ganz gut. „Es ist eine tolle Sache insbesondere für uns Großstädter“, betont Goetz Grunert. Aus Essen kommt Corinna Manroth (41). Auch sie will es versuchen. „Bei uns zu Hause steht eine Sense, aber ich habe sie noch nie angefasst“, erzählt sie. Willi Mühlbrandt (81) aus Serrahn steht ihr mit Rat und Tat zur Seite. „Tiefer und langsamer durchziehen“, rät er. „Tiefer, tiefer. Sie lernen das schon“, fügt er hinzu und muntert auf: „Für eine Scheibe Brot reicht es schon.“ Der Serrahner hilft seit Jahren beim Dreschfest. „Ich habe mein Leben lang in der Landwirtschaft gearbeitet“, berichtet er. Aber nach und nach werde vieles vergessen. Wer wisse noch, dass vor rund 60 Jahren das Korn mit der Sense gemäht, auf Hocke gestellt, eingefahren und dann gedroschen wurde. Am Sonnabend wurde den Besuchern des Dreschfestes all das vorgeführt. Nicht nur das Mähen, auch das Dreschen mit Dreschflegeln und dem alten Dreschkasten macht Willi Mühlbrandt viel Spaß.

„Es ist ein schönes Fest, mal was anderes“, urteilt Herbert Bendin (64) aus Klein Wokern. Auch er nimmt die Sense in die Hand und schnell wird klar: Hier ist ein Profi am Werk. „Ich habe Kaninchen, mähe also täglich Futter für sie“, erklärt Herbert Bendin.

Der Verein pflegt mit dem Dreschfest Traditionen. „Wir wollen den Leuten auch bewusst machen, wie lange es damals brauchte, bis man ein Kilo Korn fürs Brot hatte“, erklärt Vereinsvorsitzender Berthold Riech. Heute hole ein Mähdrescher am Tag vielleicht 500 Tonne Getreide vom Acker. Früher habe man nur einen halben bis einen Hektar am Tag geschafft. „So hatten auch die Lebensmittel einen ganz anderen Wert“, fügt der Vorsitzende des Wassermühlen-Fördervereins hinzu. 

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