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Güstrower Dom : Großes Kunstwerk „entschwebt“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ernst Barlachs „Schwebender“ ging gestern aus dem Güstrower Dom auf die Reise ins British Museum nach London

von
erstellt am 29.Sep.2014 | 20:00 Uhr

Großer Moment im Güstrower Dom: Der „Schwebende“ von Ernst Barlach, Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, wurde abgenommen, verpackt und auf die Reise nach London geschickt. Schon Mittwoch soll er hier im British Museum ankommen und am 3. Oktober in der Ausstellung „Germany. Memories of a Nation“ installiert werden. Der „Schwebende“, eine der beeindruckendsten Skulpturen des 20. Jahrhunderts, bildet den abschließenden Höhepunkt dieser großen Deutschland-Schau vom 16. Oktober bis 25. Januar 2015 im Vereinigten Königreich.

Angespannt beobachteten gestern Pastor Christian Höser und Volker Probst, Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, die Abnahme. „Ein bewegendes Ereignis“, so Probst. Mit einem kleinen Kran wurde die rund 250 Kilogramm schwere Skulptur von ihrem angestammten Platz gehievt und in einer Reisekiste verstaut – äußerst behutsam. Foto- und Filmaufnahmen von der Abnahme selbst hatte die Kirchgemeinde untersagt, um nicht böse Erinnerungen an die Entfernung des „Schwebenden“ durch die Nationalsozialisten im Jahr 1937 zu wecken.

Schon im Frühjahr hatte sich Probst mit Vertretern des British Museums in Güstrow getroffen und die Reise geplant. „Wir haben alle Vorbereitungen getroffen, damit dem Kunstwerk nichts passiert“, sagt der Barlach-Experte. Damit auch wirklich alles glatt geht, fungiert Probst als Kurier. Er begleitet den „Schwebenden“ nach London und bleibt solange vor Ort, bis die Skulptur in der Ausstellung platziert ist. „Schließlich handelt es sich um ein Werk von exorbitanter Bedeutung“, sagt er. Im Februar 2015 wird die Skulptur im Dom zurückerwartet.

Auch Folker Hachtmann, von 1986 bis 1998 Pastor der Domgemeinde, beobachtete gestern die Abreise des „Schwebenden“. „Außergewöhnlich, einmalig“, sagt er. „Dass der ,Schwebende’ jetzt nach London geht, gerade in einer Zeit, in der sich grausige Kriege fast vor unserer Haustür abspielen und in der Versöhnung mehr denn je gefragt ist, ist ein wichtiges Zeichen“, sagt der Pastor i.R. Wie viele Güstrower plant auch Hachtmann, sich die große Ausstellung in London selbst anzusehen. Zum Jahreswechsel steht die Reise in seinem Kalender. „Ein fantastisches Neujahrsgeschenk“, freut sich der Güstrower.

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