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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 13:27 Uhr

Barlachtheater : Große Themen ohne Brimborium

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Förderverein des Barlachtheaters hatte zum Welttag der kulturellen Vielfalt eingeladen

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2015 | 23:30 Uhr

Am Welttag der kulturellen Vielfalt, erstmals 2001 von der Unesco ausgerufen, führten Menschen aus der Region am Donnerstagabend ein Programm im Ernst-Barlach-Theater auf. Der Förderverein des Güstrower Hauses hatte die Idee zu der Veranstaltung unter dem Motto „Tür auf! Theater für Toleranz, Freiheit und Solidarität“.

„Die Anregung kam von Theaterfördervereinen aus Greifswald und Stralsund. Aber dort haben sie Dramaturgen und Schauspieler, die Texte suchen und sprechen können. Wir nicht“, sagte Vereinschefin Heidemarie Beyer. Kein Nachteil, wie sich herausstellte. „Ich habe zwei, drei Leute angesprochen, die sagten zu und kannten Freunde, die auch mitmachten. Im Handumdrehen stand das Programm“, erzählte Beyer.

Für Bühnenbild und Werbeplakat nutzte Manfried Scheithauer ein Bonmot von Reinhard Lochner: Damit alle Menschen Brüder werden, müssen erst alle Brüder Menschen werden. Was für ein Satz! Der Grafiker Scheithauer, bekannt dafür, Zitate in Drucken zu verarbeiten, setzte zu den Worten eine urzeitliche Felsgravierung. Wie Schillers „Ode an die Freude“ die Welt umspannte, baute Scheithauer so eine Brücke über die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte.

Beginn und Finale des Abends gestaltete die Teterower Musikgruppe „Folktet“. Gernot Fischer, Musiklehrer und Chef des in unterschiedlicher Zusammensetzung spielenden Ensembles, würdigte den Erhalt der Musikschullandschaft nach der Kreisgebietsreform, auch das habe mit Vielfalt zu tun. Da nehme er auch den langen Ankündigungstitel – „Gruppe Folktet der Kreismusikschule Güstrow des Landkreises Rostock, Arbeitsstelle Teterow“ – in Kauf, erklärte er schmunzelnd. Kluge Zitate zum Thema Toleranz hatte Ditte Clemens bei Voltaire, Morgenstern, Margarethe Thatcher und anderen gefunden und witzig moderierend vorgetragen. Sabine Moritz las einen Text von Betül Licht über Integration von Generationen. Emilie Richter von der Internationalen Schule Ecolea spielte die heitere Geschichte „Spagetti für zwei“ von Frederica de Cesco für eine im Programmblatt angekündigte Klassenkameradin. Sechstklässler der Ecolea, farbenprächtig kostümiert, trugen einen Tanz vor. Zwei Lieder aus seiner iranischen Heimat sang Hani Navaseri zur Gitarre und erhielt für seine Interpretation von Goethes „Heidenröslein“ den längsten Beifall. Starke Passagen aus Briefen des Nobelpreisträgers Hermann Hesse trug Erwin Neumann, ehemaliger langjähriger Vorsitzender der Güstrower Ortsgruppe der Goethegesellschaft, vor.

Auch Landrat Sebastian Constien trat ans Rednerpult. Er sprach das von Stephan Vincent Benét 1942 geschriebene „Gebet der Vereinten Nationen“ und beschloss einen Abend im Ernst-Barlach-Theater, schlicht und ohne großes Brimborium und deshalb eindrucksvoll.

 



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