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SVZ-Stammtisch zur Landratswahl : Große Neugier auf Kandidaten

vom

Am 22. September wird gewählt. Im Landkreis Rostock sogar doppelt. Neben der Zusammensetzung des neuen Bundestages geht es rund um Rostock auch um die Wahl des neuen Landrates bzw. der Landrätin.

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 09:56 Uhr

Überwältigendes Interesse unserer Leser gestern Abend beim Landrats-Kandidatencheck unserer Zeitung. Über 120 Gäste zwangen uns, kurzerhand in den großen Saal des Güstrower Bürgerhauses umzuziehen. Tenor: Es wird schließlich einen neuen, bisher unbekannten Landrat geben, und da wollen wir uns schon gründlicher informieren, wer zur Wahl steht. Mit der tatkräftigen Hilfe aller Besucher beim Stühlerücken gab es kaum Verzögerung in dem knappen Terminkalender der Protagonisten.

Eine spezielle Eingangsfrage stellte SVZ-Redakteur Jens Griesbach als Moderator jedem Kandidaten:

Wie und was wollen Sie als Landrat gestalten? Katy Hoffmeister (CDU): Am ersten Tag spreche ich mit meinen Mitarbeitern, die folgenden mit den Bürgern. Es geht darum, effiziente Verwaltungsstrukturen zu bilden und die Motivation der Mitarbeiter zu fördern.

Wieviel alternative Experimente wollen Sie dem Landkreis zumuten? Helmut Precht (Freie Wähler): Große Experimente, wie mit der ungewollten Kreisreform, wird es mit mir nicht geben. Aber Weiterentwicklung, wie z.B. bei der Massentierhaltung oder der Energiewende, hat der Landrat zu beackern.

Wie wollen Sie, bisher kaum in Erscheinung getreten, im Endspurt die Wähler von sich überzeugen? Andreas Reinke (Die Linke): Ich möchte die Menschen im Landkreis direkt kennen lernen, bin komplett ausgebucht. Mein Gesicht ist deshalb nicht auf Wahlplakaten, weil der Name für das Programm steht. Lassen Sie sich überraschen!

Wie wollen Sie als Doberaner die Krakower und Linstower mitnehmen? Michael Theis (parteilos für FDP): Alle Verantwortlichen müssen aus der Reform das Beste machen. Nach seriöser Bestandsaufnahme gilt es, aus Güstrow und aus Bad Doberan das jeweils Beste rauszuziehen, um einen starken Landkreis zu bilden.

Müssen die Altgedienten in der Kreisverwaltung künftig nach der Pfeife eines 33-Jährigen tanzen? Sebastian Constien (SPD): Der Chef ist der Chef. Ich werde aber natürlich auf die Mitarbeiter zugehen, die Erfahrungen der Älteren nutzen.

Ermessensspielraum im Interesse der Bürger nutzen

Er kenne die Kreisverwaltung bisher nur als Verhinderer seiner Pläne zur Praxiserweiterung, sagte Bernd Linke. „Wie wollen Sie sich da durchsetzen?“ fragt der Tierarzt aus Güstrow. Precht verweist auf Vorschriften, die es gibt, aber „bei mir finden Sie offene Türen vor“. Hoffmeister will einen transparenten und kooperativen Stil pflegen, „darauf können Sie sich verlassen“. Es gebe Baurecht, aber ebenso einen Ermessensspielraum; den gelte es im Interesse der Bürger zu nutzen. Schwerpunkt für Constien ist es, die Mitarbeiter des Hauses zu motivieren, gute Entscheidungen zu treffen. „Schnelle Antragsbearbeitung ist ganz wichtig.“

Das Problem Prahmstraße, seit Jahren auch in der SVZ thematisiert, sprach Dietmar Krüger an, der von einer unwürdigen Situation auf dem Gelände des ehemaligen LMB-Geländes sprach. „Werden Sie sich das mal persönlich anschauen?“ Eine Bitte, die freilich keiner der Kandidaten ausschlug.


Freiwillige Leistungen keine „Mänovriermasse“

Walter Kuhn liegt der flächenmäßige Erhalt der Kreismusikschule auf der Seele. Unisono Zustimmung. Freiwillige Leistungen müssten aber jedes Jahr neu hinterfragt werden, ob wir sie uns leisten können, betonten Theis und Constien. Theis: „Die beiden Musikschulen müssen auch endlich zusammenwachsen.“ Hoffmeister legte Wert auf die Feststellung, dass 2,3 Prozent des Haushaltes ein ohnehin schon kleiner Teil sei. Precht wandte sich dagegen, freiwillige Leistungen immer als „Manövriermasse“ zu benutzen. Reinke würde sogar lieber noch was drauf legen, um etwa Aufklärungsangebote gegen Rechts auszubauen.

Zwei Kandidaten äußerten sich zur Frage von Nils Matischent aus Laage, was der Landrat tun wolle, um dem von ihm ausgemachten Asylbewerberzustrom Schranken zu setzen. Hoffmeister: „Asylbewerber aufzunehmen ist nicht nur eine gesetzliche, sondern auch humanitäre Aufgabe.“ Ihr Rat: „Gehen Sie auf die Menschen zu, die brauchen unsere Hilfe.“ Reinke sieht es als „erste Menschenpflicht“ an, jenen zu helfen, auf deren Angehörige Bomben fallen. „Da gibt’s keine Schranken aufzubauen.“

Nach einem klaren Bekenntnis zu Güstrow als Kreissitz wollte Folker Hachtmann dieses auch von den Kandidaten hören. Ja – so die einhellige Antwort, wobei Theis und Precht Bad Doberan als Außenstelle betonten.

„Was würden Sie als Landrat tun, dass solche Förderbetrugsschweinereien wie im Falle der Adam-Pleite nicht passieren?“, wollte Torsten Köpnick wissen. Die Antworten machten deutlich, dass es für einen Landrat offenkundig auch Grenzen gibt. Nur wenig Möglichkeiten, Fördermittelbetrug auf die Schliche zu kommen, sieht etwa Constien. Kontakt halten zu den Betrieben, um ein Gefühl zu entwickeln, ob es dem Unternehmen und den Mitarbeitern gut geht, erscheint ihm ein Rezept. „Und zur Personalvertretung“, ergänzte Hoffmeister, sowie eine exakte Zweckmittelprüfung im Vorfeld einer von Fördermitteln begünstigten Unternehmensansiedlung.

Der Bürgermeister- und Gemeindevertreterrücktritt in der Gemeinde Diekhof beschäftigte auch das Forum gestern Abend. Regelmäßige Gespräche mit Bürgermeistern, um „gemeinsam Druck aufzubauen gegenüber Schwerin und Berlin“ zur besseren finanziellen Ausstattung der Kommunen wäre da Reinkes Vorstellung für ein besseres Krisenmanagement des Landrats in dieser Sache.

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