Jusos Güstrow : Groko oder No Groko?

Sie zeigen gemeinsam Flagge: Ronja Kölpin (17) mit einer SPD-Stimmzettelbox, Paul Kruse (18) mit seinem SPD-Parteibuch und  Johanna Scharf (15, v.l.)  Fotos: Paula Rädke
Sie zeigen gemeinsam Flagge: Ronja Kölpin (17) mit einer SPD-Stimmzettelbox, Paul Kruse (18) mit seinem SPD-Parteibuch und Johanna Scharf (15, v.l.)

Auch Güstrower Jungsozialisten sind sich uneinig bei der Frage nach einer neuen Großen Koalition.

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24. Februar 2018, 05:00 Uhr

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht etwas über die Koalitionsverhandlungen und eine mögliche Große Koalition in den Nachrichten ist. Bis Anfang März können Mitglieder der SPD über eine Neuauflage einer Koalition zwischen SPD und CDU/CSU abstimmen. Wie sehen die Jungsozialisten (Jusos) in Güstrow das? Groko oder No Groko?

Die Jusos Paul Kruse, Ronja Kölpin und Johanna Scharf aus Güstrow vom John-Brinckman-Gymnasium sehen das differenziert: „Man hat in den letzten Jahren gemerkt, dass die SPD in der Koalition mit der CDU nicht so viel durchsetzen konnte, da die CDU viele Themen einfach blockt“, findet Paul.

Nicht jedes Mitglied darf wählen

Jedes Parteimitglied unter 36 ist zwar automatisch Juso, so genanntes geborenes Mitglied, doch es gibt eine „Juso-Mitgliedschaft“ für Jugendliche und junge Erwachsene außerhalb der SPD. Der 18-Jährige aus der 12b des Güstrower Gymnasiums ist, im Gegensatz zu Jüngeren, neben den Jusos auch in der SPD und darf deshalb beim Mitgliederentscheid wählen. „Der Stimmzettel liegt schon bei mir zu Hause. Alle SPD-Mitglieder sind stimmberechtigt, auch alle ab 14 Jahren. Das finde ich sehr gut, da das halt wirklich basisdemokratisch ist“, erklärt er.

Er wird gegen die Große Koalition stimmen. „Im Koalitionsvertrag stehen einige Inhalte, die man als Sozialdemokrat nicht teilen sollte und die in meinen Augen auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind“, begründet Paul seine Entscheidung. Ein Beispiel sei dafür der sogenannte „Richtwert“ für Flüchtlinge, der einer sogenannten Obergrenze entspräche.

Ronja sagt: „Ich bin mir unsicher, wie ich eine Neuauflage der Groko finde.“ Die 17-Jährige aus der 11a ist ein Mitglied der Jusos, jedoch nicht in der SPD und darf deshalb nicht mitbestimmen. „Schon bevor der Koalitionsvertrag überhaupt da war, wurde eine mögliche Koalition zwischen SPD und CDU bereits verurteilt und regelrecht verteufelt, als wäre die CDU irgendwie ein Feindbild und man müsse sie aus Prinzip ablehnen. Das bewerte ich als falsch“, stellt Ronja klar. „Ich denke, wenn man nur aufgrund einiger schlechter Erfahrungen eine erneute Groko ablehnt, ist das kontraproduktiv. Man kann immer etwas Neues schaffen“, argumentiert sie für die Groko.

Allerdings störe sie, dass die angeblichen „Erfolge“ der SPD in den Koalitionsverhandlungen so groß angepriesen würden, da in ihren Augen eher wenige Ziele erreicht wurden. „Oft schlägt die SPD etwas Gutes vor und die CDU reduziert es in der Umsetzung auf das Nötigste, sodass es dann gerade noch mit der Wirtschaft vereinbar ist“, kritisiert Paul zustimmend. Auch Johanna ist wie Ronja unsicher, was sie von der Groko halten soll: „Wenn es eine Neuauflage der Groko gibt, dann müsste es dieses Mal anders werden und nicht so wie letztes Mal.“ Sie ist seit November 2017 ein Juso. „Im letzten Sommer habe ich angefangen, mich für Politik zu interessieren und teilte gemeinsam mit Paul Flyer für die SPD aus.“ Anfangs sei sie etwas unsicher gewesen, doch dann habe sie sich wenig später für einen Beitritt zu den Jusos entschieden.

Auch Ronja ist über Paul ein Juso geworden. „Wir waren zusammen bei „Jugend im Parlament“ und ich habe gemerkt, wie engagiert die anderen Jugendlichen dort waren und das hat mich begeistert. Alle interessieren sich für Politik und es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl.“

Als Jusos betreuen sie unter anderem Stände der SPD und informieren mit Flyern. „Wir haben einmal im Monat eine Juso-Sitzung“, sagt Johanna. Einem richtigen SPD-Eintritt stehen sie zögerlich gegenüber: „Das wäre ein großer Schritt“, sagen sie.

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