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Güstrower Anzeiger

15. Dezember 2017 | 07:40 Uhr

Flüchtlinge : Größte Asylunterkunft in MV?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Privater Investor will auf Gelände einer Recyclingfirma zwischen Güstrow und Strenz bis zu 2400 Asylbewerber unterbringen

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Wenn diese Pläne Realität werden würden, könnte in Güstrow die größte Flüchtlingsunterkunft Mecklenburg-Vorpommerns entstehen. Laut SVZ-Informationen liegt im Landkreis Rostock eine Bauvoranfrage eines privaten Investors vor, auf dem Gelände einer Recyclingfirma zwischen Güstrow und Strenz eine Unterkunft für bis zu 2400 Asylsuchende zu errichten. „Ja, es gibt diese Bauvoranfrage“, bestätigte Kay-Uwe Neumann, Sprecher des Landkreises, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Zahl von 2400 Personen sei ausdrücklich genannt.

Das Gelände, um das es geht, schließt sich unmittelbar an die Apfelplantage sowie die Kleingartenanlage an der Schwaaner Chaussee von Güstrow kommend in Richtung Strenz an. Hier betreibt die in Hamburg ansässige Anthesuro GmbH ihre Güstrower Niederlassung. Laut deren Internetauftritt wird der Standort in der Schwaaner Chaussee seit 22 Jahren zur Behandlung von Recycling-Produkten jeder Art genutzt. Das Gelände ist 60 000 Quadratmeter groß. Seit August stehe zudem eine Brechanlage zur Aufbereitung von Beton und Straßenbaumaterialien am Güstrower Standort zur Verfügung. SVZ hakte gestern beim Geschäftsführer der Anthesuro GmbH, Gerhard Löffler, in Hamburg nach. Angesprochen auf die Bauvoranfrage zur Unterbringung von 2400 Asylsuchenden auf dem Gelände, wollte er sich nicht äußern. „Kein Kommentar“, so Löffler.

Kay-Uwe Neumann unterstreicht, dass es sich hier zunächst nur um eine Bauvoranfrage handele. Man stehe noch ganz am Anfang. Die Frage sei, ob es baurechtlich überhaupt möglich sei, auf dem Gelände an der Schwaaner Chaussee eine Flüchtlingsunterkunft in dieser Größenordnung zu errichten. „Es ist noch ungewiss, ob diese Bauvoranfrage positiv beschieden wird“, so Neumann. Ebenso sei noch lange nicht klar, ob auch ein eventueller Bauantrag, bei dem noch Träger öffentlicher Belange mit einbezogen werden müssten, positiv beschieden werden könne. „Jetzt geht es zunächst vor allem um die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit.“ An Spekulationen zu den Chancen der Bauvoranfrage wollte er sich nicht beteiligen. Wie der private Investor die Flüchtlinge auf dem Gelände unterbringen will, ob in Containern, in Zelten oder festen Gebäuden ist zudem noch völlig unklar.

Jane Weber, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes Güstrow, sagte gestern auf SVZ-Nachfrage, dass auch im Güstrower Rathaus diese Bauvoranfrage vorliege. Die Stadt muss dazu ihr gemeindliches Einvernehmen erteilen. „Wir als Stadt werden in den nächsten Tagen dazu eine Stellungnahme abgeben“, so Jane Weber. Zu den Chancen für das Vorhaben wollte sie sich nicht äußern. Dennoch ließ Jane Weber durchblicken, dass die Stadt die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen bevorzuge und nicht eine große Konzentration an einem Ort.

Unterdessen bekommt der Landkreis vom Land immer mehr Flüchtlinge zugewiesen und muss sie unterbringen. So kündigte der Kreis am Montag fast schon nebenbei die Eröffnung einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft ab dem 1. Januar 2016 in der Hamburger Straße in Güstrow für ca. 65 Flüchtlinge an. Damit erhält die Kreisstadt ihre vierte bzw. fünfte zentrale Gemeinschaftsunterkunft. Erst kürzlich hatte der Landkreis bekannt gegeben, im Mai 2016 die bisher größte Gemeinschaftsunterkunft in Güstrow für 200 Asylsuchende im ehemaligen Stadtwerke-Gebäude an der Glasewitzer Chaussee eröffnen zu wollen (SVZ berichtete). In den bisherigen Gemeinschaftsunterkünften im Waldweg leben zurzeit 125 Flüchtlinge, in der Demmlerstraße 64 und in dem großen Wohnblock in der Werner-Seelenbinder-Straße, der offiziell nicht als Gemeinschaftsunterkunft gilt, 170 Personen. Nach aktuellen Zahlen sind derzeit ca 2150 Asylbewerber im Kreisgebiet untergebracht. Dieses Jahr werden 3400 Neuankömmlinge erwartet.

Informationen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.
 

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