Grinsende Fische, irre Bücher und jazzige Bilder

Gefilztes, Skulpturen und Grafiken unter einem Dach: Sabine Herr, Susanne Lilienthal, Kuawu Ahlin und Christoph Chciuk (v.l.) stellen in der Kunstschule Rostock aus.Georg Scharnweber
Gefilztes, Skulpturen und Grafiken unter einem Dach: Sabine Herr, Susanne Lilienthal, Kuawu Ahlin und Christoph Chciuk (v.l.) stellen in der Kunstschule Rostock aus.Georg Scharnweber

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19. Mai 2010, 01:57 Uhr

Rostock | Kerzen ziehen in Bartenshagen, sich von Labyrinthbüchern in Fulgenkoppel inspirieren lassen, über Keramiktiere in Graal-Müritz schmunzeln oder in Rostock eine Kette aus handgedrehten Glasperlen gestalten - am Pfingstwochenende heißt es wieder "Kunst offen". Hunderte Künstler in Mecklenburg-Vorpommern beweisen einmal mehr, dass ihre Fantasie keine Grenzen kennt und kein Material vor ihren Händen sicher ist.

%_rot-auszeichnung_%Kreativ mit Wachs%__rot-auszeichnung_%Beim Betreten von Manuela Werks Kerzenscheune in Bartenshagen weht dem Besucher der Duft von Wachs in die Nase. Die kleine Linda steht vor einem Kessel mit blauem Wachs und zieht Kerzen. Danach dreht sie die noch warmen Kerzen ein - jede erdenkliche Form ist möglich, erklärt ihre Mutter, die Kerzenfee. Mehrere Tausend Exemplare in der Scheune zeugen von der möglichen Vielfalt des Wachses. Mitmachen ist hier ausdrücklich erwünscht, "hier kann sich jeder seine individuellen Kerzen ziehen", so Werk. Der Clou: der Kessel mit Effektwachs. "Da muss man einen Zauberspruch aufsagen", erklärt Töchterchen Lisa. "Hokuspokus" - und schon zieht sie eine Kerze mit kleinen Kristallen auf der Oberfläche - Überraschung garantiert.

%_rot-auszeichnung_%Kunst mit Durchblick%__rot-auszeichnung_% Elvira Martens in Bartenshagen besitzt viel Fingerspitzengefühl und zaubert aus Glas Schalen, Fensterbilder und Blumen. Die Künstlerin legt Kupferdrähte, Glasfasern oder Glimmerpulver zwischen Glasscheiben und erzielt mit der Fusing-Technik verblüffende Ergebnisse, indem sie die Materalien miteinander verschmelzen lässt. Ihre Inspiration: "Kucken und träumen" - und genau dazu lädt sie an Pfingsten Gäste in Atelier und Garten ein.

%_rot-auszeichnung_%Tierische Keramik%__rot-auszeichnung_%Hühner, Katzen, Chamäleons, Frösche, Eulen, Kühe und sogar Blattläuse bevölkern die Regale in der Keramik-Werkstatt von Ulrike und Roland Brück im Heidelbeerweg 13, Graal-Müritz. "Wir haben uns auf Tiere spezialisiert", sagt der Künstler. "Aber es gibt nichts, was wir nicht machen", fügt seine Frau hinzu. Aufträge nimmt das Ehepaar gerne entgegen. Kleine Engelchen, Teufelchen und Elfen baumeln mit weit aufgerissenen Augen, Knubbelnasen und Segelohren von der Decke, im Garten tummeln sich Möwen, Fische, Angler und Badegäste in Ringelanzügen um den Teich.

%_rot-auszeichnung_%Musik im Bild%__rot-auszeichnung_%Ob Schals, Handtaschen oder Stulpen - in Sabine Herrs Werkstatt ist alles gefilzt. "Wer will, kann sich auch mal selbst an einem Ball versuchen", sagt die Kunsthandwerkerin, die gemeinsam mit Kollegen in der Kunstschule Rostock ausstellt. Nachbarin Susanne Lilienthal arbeitet mit Ton. Ihre Skulpturen und Plastiken sollen "ein gewisses Gefühl einfangen", zeitlos sein, wie sie sagt. So lautet der Titel einer ihrer neueren Arbeiten - einer Frau mit überdimensionalem goldenem Ohrring - "Aufgetakelt". Neben ihren Werken stehen und hängen die von Kuawu Ahlin, der sehr vielseitig ist. Er malt mit Öl- und Aquarellfarben, fertigt Plastiken aus Ton und Gips an. Eines haben all seine Werke gemeinsam: Sie greifen afrikanische Motive auf. Denn der Künstler stammt aus Togo. Auf Christoph Chciuks Grafiken sind Ansätze einer Trompete und einer Klarinette zu erkennen. "Ich habe sie für eine Jazz-Ausstellung angefertigt", sagt der Maler, der sich bei der Arbeit vom Jazz-Musiker John Coletrane inspirieren ließ.

%_rot-auszeichnung_%Labyrinth im Buch%__rot-auszeichnung_% Im idyllischen Fulgenkoppel lässt sich Katrin Amft von der Muse küssen. Die freischaffende Künstlerin zeigt die farbenfrohe großformatige Bilderreihe "Blattgold", kleine Druckgrafiken und ihren "geliebten Kleinkram". Damit meint sie bunte, handbemalte Holzhäuser, selbst genähte Fische und etwas ganz Besonderes: Labyrinthbücher, von allen Seiten aufklappbar und mit Geheimtüren und Gucklöchern versehen. Bei den Büchern ist die Kreativität der Käufer gefragt: "Man kann etwas hineinschreiben, -kleben oder -malen", erklärt Amft. "Ein perfektes Geschenk."

%_rot-auszeichnung_%Schmuckes Glas%__rot-auszeichnung_%Friederike Kastner von TikiOno lädt zu Kunst offen gemeinsam mit drei weiteren Künstlerinnen in ihre Wohnung in Rostock ein. Im Flur hängen bunte, fröhliche Bilder, im Wohnzimmer gibt es Skulpturen aus Holz und Glas, im Schlafzimmer handgedrehte Glasperlen zu sehen. Was Kastner an Glas so fasziniert: "Es gibt keine Farbe, die es nicht gibt." Außerdem mag sie die "perfekte Oberfläche" und die "vielen Formen", die möglich sind. So hat sie kleine viereckige Perlen mit Häschen, Vögelchen und Eulen angefertigt, aus denen sich die Kunden ihre eigenen Ketten und Armbänder zusammenstellen können. Am Wochenende will sie zu jeder vollen Stunde vorführen, wie eine Glasperle entsteht.

%_rot-auszeichnung_%Malerei auf dem Weg%__rot-auszeichnung_%In der Kulturscheune in Lieblingshof tun sich an Pfingsten elf befreundete Künstler zusammen und präsentieren Grafiken, Malerei, Installationen, Texte, Videos, Musik sowie Schauspiel zum Thema "Weg". "Ich wollte meine Scheune schon immer künstlerisch nutzen", sagt Gastgeberin Silke Schilling. Kunst offen sei die erste große Veranstaltung hier. Sie selbst stellt am Wochenende Bilder aus, die auf einer Wanderung von München nach Venedig entstanden sind. "Ich habe bewusst keinen Fotoapparat mitgenommen, sondern nur gezeichnet." Auch nach Kunst offen soll ihre Scheune für kleine Konzerte und Ausstellungen offen stehen. "Es ist ein Versuch, Kunst und Kultur hier zu etablieren."

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