Verein vorgestellt : Grenzenlose Freiheit über den Wolken

Spontan hat sich Henry Bengsch (M. am Tag der offenen Tür zum Mitflug im Segelflug entschlossen. Sebastian und Daniela Bengsch, Angela Grün, Vorstandsmitglied und Pilot Karsten Rühmling und Flugschüler Steven Jaster (von links) gaben ihm gute Ratschläge.
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Spontan hat sich Henry Bengsch (M. am Tag der offenen Tür zum Mitflug im Segelflug entschlossen. Sebastian und Daniela Bengsch, Angela Grün, Vorstandsmitglied und Pilot Karsten Rühmling und Flugschüler Steven Jaster (von links) gaben ihm gute Ratschläge.

SVZ-Serie „Vereine in der Region“: Aero Club Güstrow

Dass die Freiheit über den Wolken tatsächlich grenzenlos ist, wie Reinhard Mey in seinem Lied vermutet, können die aktiven Segelflieger des Aero Clubs Güstrow nur bestätigen. „Es gibt nichts Schöneres, als hoch über der Erde geräuschlos dahin zu gleiten, man sieht alles und ist richtig glücklich“, beschreibt Sara Rühmling. Der Leiterin der Jugendgruppe ist es zu danken, dass der Verein am Sonnabend zu einem gut besuchten Tag der offenen Tür eingeladen hatte. „Von der Idee bis zur Ausführung hat sie alles perfekt durchgezogen“, würdigt Hans Kuhardt, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Saras Leistung. Seit wohl 20 Jahren habe der Club zu keinem Tag der offenen Tür mehr eingeladen, dabei sei doch gerade das eine gute Möglichkeit, auf den Verein aufmerksam zu machen, erkannte er an.

Der Güstrower Club gehört zu den gut Dutzend Vereinen, die die Ausbildung in der Flugschule MV gewährleisten. In der Barlachstadt sichern sechs Segelfluglehrer in Theorie und Praxis die Ausbildung zum Segelflieger und zum Motorsegelflieger. Zurzeit gibt es fünf Flugschüler. „Es könnten gern mehr sein“, versichert Vereinschef Axel Mühlenfeld. Die Ausbildung beginnen können Jugendliche ab 14 Jahren mit dem Einverständnis der Eltern. Ein Problem für die Nachwuchsgewinnung: In dem Alter haben andere Vereine die Kinder und Jugendlichen meist schon für Sportarten wie Fußball, Segeln oder Rollsport gewonnen. „Klar ist auch: Segelfliegen ist zeitaufwändig und man muss schon über Durchhaltevermögen verfügen“, weiß Kuhardt.
Hervorgegangen ist der Aero Club aus der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), die ab Ende der 70er-Jahre den Flugbetrieb mit militärischem Charakter betrieben hatte. Aber nicht jeder durfte fliegen. Der politischen Führung war die Freiheit über den Wolken denn doch zu groß, und durch das Raster fielen beispielsweise Flieger, die Verwandte im Westteil Deutschlands hatten. Das bekam auch Vereinsmitglied Wolfgang Pfannenschmidt zu spüren. „Ich hatte meinen jüngsten Sohn für die Fliegerei begeistert. Als es dann nach der theoretischen Ausbildung ans Fliegen ging, wurde ihm mitgeteilt, dass das nicht möglich sei“, erinnert er sich. Der Grund erschloss sich den Pfannenschmidts erst Jahre später. „Meine Frau und ich hatten uns während eines Afrika-Einsatzes zwischen 1968 und 1970 mit einer baskischen Familie angefreundet. Das war auch der Stasi nicht entgangen“, vermutet Pfannenschmidt.

Nach der Wende fanden einige Sportfreunde, denen das Fliegen zu DDR-Zeiten verwehrt worden war, den Weg in den Verein. „Wir machen auch viel in Familie, treffen uns zum Osterfeuer, was meist mit dem Beginn der Saison zusammenfällt, oder feiern gemeinsam das Abfliegen im Oktober“, erzählt Axel Mühlenfeld. Über den Winter werden die Flugzeuge intensiv gewartet. „Wer bei uns mitmachen will, sollte einfach mal an einem Wochenende auf den Segelflugplatz in Bockhorst kommen. Auch ein Schnupperflug ist da möglich“, verspricht der Vereinschef.

Am Tag der offenen Tür präsentierte sich auch die Abteilung Modellflug. „Wir sind 16 Mitglieder und man nennt uns die kleinen Flieger“, schmunzelt Peter Erkaya. Er betreibt den Modellsport schon seit über 40 Jahren und weiß, wie er sich im Laufe der Zeit geändert hat. „Aber geblieben ist, dass man sein Hobby am besten in der Gemeinschaft ausleben kann. Da findet man immer wieder Motivation, Anerkennung und auch den so wichtigen Spaß“, versichert er. Der große Tag der Modellflieger kommt in diesem Jahr noch. „Am 13. September laden wir zur 5. Modellflugschau ein. Neben unserem Verein erwarten wir dazu viele Gäste aus Norddeutschland“, blickt Peter Erkaya voraus. 




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