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Güstrower Anzeiger

21. Oktober 2017 | 12:28 Uhr

Landwirtschaft : Greening in Gelb und Lila

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Jüngste EU-Agrarreform beschert MV blühende Felder im Herbst. Das Zauberwort: ökologische Vorrangflächen

von
erstellt am 17.Okt.2015 | 07:30 Uhr

Leuchtend gelbe Sonnenblumen und lila blühende Bienenweide/Bienenfreund (Phacelia) zaubern der Barlachstadt in diesen Tagen ein Lächeln aufs Gesicht. Zu beiden Seiten der Plauer Chaussee sieht es noch so gar nicht nach Herbst aus. Was den geneigten Betrachter schwärmen lässt, sind Auswirkungen der jüngsten EU-Agrarreform, die seit diesem Jahr umzusetzen ist. „Greening“ heißt das Stichwort. Die Landwirtschaft soll grüner werden. Diese Forderung kann u.a. auf so genannten ökologischen Vorrangflächen entsprochen werden. Das Saatzuchtunternehmen aus Boldebuck hat in Güstrow 31 Hektar mit einer Zwischenfrucht-Mischung bestellt.

Blumen pflücken erlaubt

„Ich habe hier manchmal zehn und mehr Autos gesehen. Die Leute haben sich Sonnenblumen geschnitten. Keine Ahnung, in wie viele Wohnzimmer wir mit unserer Mischung Farbe und Freude gebracht haben“, erzählt Philipp Ratjen, Betriebsleiter der I.G. Saatzucht. Dabei seien die Reaktionen auf sein Kommen unterschiedlich gewesen. Manche hätten sich ganz schnell „vom Acker gemacht“, andere nach dem Grund für diese blühende Pracht im Herbst gefragt. Der Landwirt hat überhaupt kein Problem damit, dass Blüten geschnitten und in die Vase gestellt werden. Die Freude wird allerdings nicht mehr allzu lange andauern, muss er einräumen. Denn bevor die Pflanzen auf die Idee kämen sich auszusamen, werden sie gemulcht. Heißt: Sie werden abgemäht und zerkleinert. Mindestens bis zum 15. Februar bleibt dann alles so liegen. Im Frühjahr wird der Landwirt Mais auf den Flächen beiderseits der Plauer Chaussee anbauen. Bis dahin sollen die Pflanzenreste dem Boden Gutes tun. Phacelia kennt auch der Gartenfreund als Gründünger. Daneben wächst auf den Flächen auch Ramtillkraut (Guizotia abyssinica), Klee und eine Rübe, die mit ihren Wurzeln Tiefenwirkung erzielt. Wenn schon Flächen aus der Produktion herausgenommen werden müssen, dann soll der Boden etwas davon haben. „Unser höchstes Gut“, betont der Landwirt

Fünf Prozent Fläche aus dem Verkehr nehmen

Beim Greening, so erklärt Peter Brandt, Geschäftsfürher des Bauernverbandes Güstrow, gehe es einmal um eine Anbaudiversifizierung, also um eine artenreiche Fruchtfolge, um die Erhaltung des Dauergrünlandes und um ökologische Vorrangflächen in Europa. Letztere sollen fünf Prozent der Anbaufläche eines Landwirtschaftsunternehmens ausmachen. Der Landwirt hat dabei die Wahl: Neben weiteren Möglichkeiten kann er die Flächen brach liegen lassen oder zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober Zwischenfrüchte einsäen. Der Vorteil bei Zwischenfrüchten: Die Fläche bringt jedes Jahr eine Ernte, allerdings nicht mit den Hauptfrüchten Wintergetreide und Raps (im Landkreis auf etwa 70 Prozent der Ackerflächen). Der Nachteil: Ein Hektar Zwischenfrüchte zählt nur als 0,3 Prozent ökologische Vorrangfläche. Der Landwirt muss auf diese Weise also dreimal so viel Flächen bestellen, um auf die geforderten fünf Prozent zu kommen. Damit hat Ratjen überhaupt kein Problem. „Wir machen das gern“, sagt er. Er blickt dabei auch gleich auf eine neue Düngemittelverordnung, die demnächst kommt und das Maß an Düngung beschränken wird. „Hier hilft mir die Gründüngung für den Mais im nächsten Jahr“, erklärt der Landwirt. Denn zu den Pflanzen, die derzeit beiderseits der Plauer Chaussee gedeihen, gehören auch solche, die Stickstoff im Boden binden.

Andere Landwirte bedauern den Verlust von Wirtschaftsflächen, weiß Brandt. Alle gleichermaßen stöhnen über einen gewaltigen bürokratischen Aufwand, der mit dem Greening verbunden sei. Vorschriften, Vorschriften, Kontrolle, Kontrolle. Aufgelistet sind beispielsweise all die Pflanzen, die als Zwischenfrucht angebaut werden dürfen. Nicht überall im Landkreis fallen die Flächen mit Zwischenfrüchten so auf wie in Güstrow. „Manche Felder sind einfach nur grün“, sagt Brandt.

„Auch die Imker freuen sich über die blühenden Flächen“, erzählt Landwirt Ratjen, der noch einen Vorteil auf seiner Seite weiß: Die Saatmischung für die ökologischen Vorrangflächen wird im eigenen Unternehmen produziert. 

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