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Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 01:24 Uhr

Güstrow : Gräber aus dem 16. Jahrhundert

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Grabungsteam am Güstrower Klosterhof stieß auf Überreste des Klosterfriedhofes.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Auf Resten des Klosterfriedhofs stieß das Grabungsteam um Dr. Holger Fries am Klosterhof (SVZ berichtete). Jetzt kann der Archäologe Näheres dazu berichten. 44 Gräber wurden gefunden. Dabei habe es sich hauptsächlich um die sterblichen Überreste von Frauen und Kindern gehandelt, informiert der Archäologe.

Fries geht davon aus, dass der Friedhof über einen längeren Zeitraum bestanden hat. „Vermutlich wurde er seit Bestehen der Kapelle benutzt“, sagt Fries. Eine Heiligblutkapelle war beim Stadtbrand 1503 zerstört, später wieder aufgebaut und zum Mittelpunkt eines Franziskanerklosters – genehmigt 1509 – geworden. Ganz genau weiß man dagegen, dass die letzte Bestattung 1599 stattfand. Sie ist urkundlich belegt. Ein Indiz für die Benutzung des Friedhofes über eine länger Zeit sieht der Archäologe darin, dass die Gräber nicht nur dicht nebeneinander lagen, sondern versetzt auch übereinander. Fries berichtet weiter, dass es sich fast ausschließlich um Sargbestattungen handelte. Verfärbungen im sandigen Boden deuten auf vergangenes Holz hin. Daneben fanden sich vereinzelt ein paar Nägel, sonst nichts. „Alle Gräber waren ohne Beigaben. Das ist typisch für die Zeit“, sagt Fries. Erst später seien zum Beispiel Rosenkränze beigelegt worden. Die sterblichen Überreste seien geborgen und abtransportiert worden. Wie mit ihnen weiter verfahren wird, sei noch zu entscheiden, so Fries. Die dem Friedhof zuzuschreibende Schicht war ungefähr einen Meter mächtig. Dabei, das erwähnt der Grabungsleiter, sei man allein auf Gräber gestoßen, also eventuell mitten hinein geraten. Eingänge oder Begrenzungsmauern wurden bislang nicht gefunden. Im Übrigen habe man früher nicht viel Federlesen gemacht. Es wurde Erde aufgeschüttet und darauf wieder gebaut. Wallenstein, so weiß man, hatte so Vorratsgebäude errichten lassen. Einen weiteren Meter höher sei man auf das 19. Jahrhundert gestoßen. Wie immer sei freigelegt, fotografiert, gezeichnet und abgeräumt worden, erklärt Fries.

Seit August laufen auf dem Klosterhof, der mit Neubauten und der Sanierung des historischen Gebäudes am Pferdemarkt 45 durch die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) aufgewertet werden soll, archäologische Untersuchungen. Aus historischen Schriftstücken weiß man um eine Synagoge, Heiligblutkapelle, Klosterkirche, Klosterfriedhof, Brauerei und Vorratsgebäude auf dem Areal. Der Friedhof ist gefunden, was darüber hinaus durch Funde belegt werden kann, ist abzuwarten.

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