Friedhof Güstrow : Grabschändung hat Hochsaison

Verschlossene Tore auf dem Friedhof: SVZ-Leser Tobias Schoof würde sich das wünschen – die Friedhofsverwaltung glaubt das gerade eine Belebung vor Grabschändung schützt.
Verschlossene Tore auf dem Friedhof: SVZ-Leser Tobias Schoof würde sich das wünschen – die Friedhofsverwaltung glaubt das gerade eine Belebung vor Grabschändung schützt.

Gerade in der Zeit vor dem Totensonntag werden immer wieder Pflanzen und Grabschmuck entwendet – die Friedhofsverwaltung ist machtlos.

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02. November 2015, 06:30 Uhr

Als SVZ-Leser Tobias Schoof am vergangenen Donnerstag das Grab seiner Großeltern auf dem Güstrower Friedhof besuchen wollte, musste er feststellen, dass die Blumen, die er gerade gepflanzt hatte, entnommen wurden. „Sie haben die ganzen Pflanzen und auch den Grabschmuck geklaut. Ich bin entsetzt und wütend zugleich“, schreibt Tobias Schoof an unsere Redaktion. Sein Wunsch: „Die Türen müssen über Nacht abgeschlossen werden.“

Auch Friedhofsverwalter Holger Büttner kennt das Problem. „Solche Diebstähle sind an der Tagesordnung. Wir sind da mehr oder weniger machtlos“, schildert Büttner. Bei einer Friedhofsfläche von 15 Hektar und rund 8000 Gräbern könne man nicht alle im Blick behalten. „Viele Betroffene kommen zu uns – durchschnittlich einmal in der Woche erfahren wir von einem Diebstahl“, sagt der Friedhofsverwalter. Den Friedhof nachts abzuschließen habe man bereits überlegt, doch die Idee habe man verworfen. „Solche Dinge passieren meiner Meinung nach am Tag und nicht in der Nacht. Außerdem ist es ganz gut, wenn ab und zu mal jemand mit dem Fahrrad hier abkürzt, so werden potentielle Diebe gestört“, erklärt Holger Büttner weiter.

Auch Sebastian Berg, der für die CDU in der Stadtvertretung sitzt, habe in letzter Zeit immer wieder von derartigen Diebstählen gehört. „Das ist häufig schon sehr emotional und ich habe mir gedacht, dass man da etwas ändern muss“, so Berg. Auf der jüngsten Stadtvertretersitzung versuchte er daher einen Eilantrag einzubringen – scheiterte jedoch an der Frage nach der Dringlichkeit.

„Ich finde das sehr schade, aber nun steht das Thema auf der Tagesordnung der Dezembersitzung und das halte ich für wichtig“, so Berg. Seine Idee den Kommunalen Ordnungs- und Sicherheitsdienst auf dem Friedhof einzusetzen, stößt besonders bei Holger Büttner auf Interesse. Schon die Präsenz könne die Diebe abschrecken, hält Büttner für möglich.

Pastor Matthias Ortmann setzt hingegen auf die Wachsamkeit der Friedhofsbesucher. „Ich selbst hatte schon einmal die Idee Kameras zu installieren, aber das erscheint auf so einem großen Areal schwierig. Ich denke, wenn jeder ein bisschen auf den anderen achtet, dann klappt das auch“, so der Pastor der Pfarrgemeinde Sankt Marien.

„Besonders zum Totensonntag hat die Grabschändung Hochsaison“, sagt Friedhofsverwalter Holger Büttner und fügt hinzu: „Ich rate allen ihre Gestecke wirklich erst am Sonnabend oder Sonntag aufzubringen, dann kommen sie erfahrungsgemäß nicht mehr weg.“

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