Barlachstiftung Güstrow : „Glücksmomente“ in Güstrow

„Vom Glück des Sammelns“: Volker Probst und Inge Tessenow von der Güstrower Barlachstiftung im Atelierhaus am Inselsee mit einer Neuerwerbung aus dem Jahr 2016: eine Henkelvase mit Masken von Ernst Barlach, um 1902/04
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„Vom Glück des Sammelns“: Volker Probst und Inge Tessenow von der Güstrower Barlachstiftung im Atelierhaus am Inselsee mit einer Neuerwerbung aus dem Jahr 2016: eine Henkelvase mit Masken von Ernst Barlach, um 1902/04

Kultur aktuell 2018 – Ernst-Barlach-Stiftung widmet sich in Hauptausstellung im Sommer dem „Glück des Sammelns“.

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Sammeln bedeutet für Dr. Volker Probst Glück. „Es sind Glücksmomente, wenn man ein bestimmtes Stück auf dem Kunstmarkt findet, das man schon lange sucht“, sagt er. Dann wird der Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow zum Kunsthändler. Das Sammeln sei ein wichtiger Aspekt der Museumsarbeit. Durch den Ankauf von Werken werde der Bestand gestärkt. Schon jetzt verfügt die Güstrower Barlachstiftung über den größten Bestand von Werken des expressionistischen Bildhauers Ernst Barlach (1870 bis 1938) weltweit. Mehrere Tausend Kunstwerke befinden sich in der Obhut der Stiftung am Inselsee. „Dennoch entdecken wir immer wieder Dinge, die wir nicht kannten“, sagt Probst. Und genau diese Dinge präsentiert die Stiftung in ihrer diesjährigen Hauptausstellung „Vom Glück des Sammelns“ vom 1. Juli bis 30. September. Gezeigt werden Erwerbungen aus den Jahren 2005 bis 2018. 20 Zeichnungen, zwei Druckgrafiken, 50 Briefe und Karten von Barlach sowie elf Plastiken. „Der Großteil bisher unbekannt. Erstmals präsentieren wir das der Öffentlichkeit“, unterstreicht Probst.


Unbekanntes ans Licht befördert

Darunter auch die beiden Zeichnungen Barlachs „Sterbender Alter“ und „Sitzender Mann“. „Besondere Höhepunkte“ nennt sie Probst, der die Ausstellung auch kuratiert. Beide Blätter waren bis zum Erwerb nicht öffentlich bekannt. Bei Zeichnungen und Briefen werden auf dem Kunstmarkt immer wieder interessante Stücke angeboten. „Bei der Plastik Barlachs war man hingegen weitgehend der Meinung, diese Werkgattung sei vollständig bekannt“, so Probst. Jedoch konnte die Stiftung auch hier Unbekanntes erwerben: eine erste Fassung des Kopfes zum „Lehrenden Christus“ (1931, Gips) und das „Bildnis Paul Wegener I“ (1930, Gips). Das Werkmodell für den Bronzeguss galt als verschollen. Jedoch befand es sich in Privatbesitz in Finnland, wohin es in den Nachkriegswirren gelangt war. Auch konnten aus Barlachs Frühzeit zwei ‚keramische Arbeiten erworben werden: eine Henkelvase und eine unbekannte Vase in Form einer Kalebasse.

Liebesseufzer und Totenklagen

Doch bis zum Beginn dieser Hauptausstellung des Jahres bleibt die Barlachstiftung nicht untätig. Noch sind bis zum 8. April unter dem Titel „Idyllen und Katastrophen“ Werke des Bildhauers Wolfgang Friedrich zu sehen. „Die Ausstellung läuft gut. Wir haben vor allem viele Besucher aus dem norddeutschen Raum. Die Kataloge sind fast ausverkauft“, sagt Probst. Es schließt sich am 15. April die erste neue Ausstellung des Jahres „Vom Liebesseufzer zur Totenklage – kontrastierende Motivwelten bei Ernst Barlach“ an. Kuratorin ist Franziska Hell, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung. Gezeigt werden hier Zeichnungen. Druckgrafiken und Plastiken aus dem Bestand. „Ziel ist es, zu zeigen, wie unterschiedlich sich Barlach zum Beispiel mit dem Thema Liebe beschäftigt hat“, erklärt Probst. Dazu werden verschiedene seiner Werke in Beziehung gesetzt.

Zum Ende des Ersten Weltkriegs

Nach der Hauptausstellung im Sommer zeigt die Güstrower Barlachstiftung ab 14. Oktober bis in den April des neuen Jahres hinein zum Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren die Schau „Der Große Krieg im Kleinformat – Grafik- und Medaillenkunst zum Ersten Weltkrieg“. Diese Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Letter-Stiftung Köln. Es werden Medaillen von Ludwig Gies (1887 bis 1966) und eine Auswahl aus den sogenannten Künstlerflugblättern von 1914 bis 1918 zu sehen sein. Hinzu kommen neben Barlachs Werk auch einige Plastiken von Künstlern der Zeit, in denen die Schrecken des Krieges und des Leid thematisiert werden, so Probst.

„Wanderlust“ in Alter Nationalgalerie

Neben den Ausstellungen in Güstrow selbst ist die Barlachstiftung in diesem Jahr mit Leihgaben auch wieder extern tätig. Dabei sticht eine Leihgabe an die Alte Nationalgalerie in Berlin hervor. Die Alte Nationalgalerie plant eine umfangreiche Ausstellung zum Thema „Wanderlust“ in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. „Auch die Moderne soll in einer Abteilung vertreten sein. Hierzu liegt eine Leihanfrage nach zwei Werken aus dem Bestand der Barlachstiftung vor“, informiert Probst. Barlachs Holzplastik „Wanderer im Wind“ und die motivisch damit in Zusammenhang stehende Zeichnung „Wanderer im Wind“ werden von Mai bis September von Güstrow in die Bundeshauptstadt gehen.

Zwei Werke Barlachs sind in von April bis Juli zudem in der Plastikgalerie der Schlosskirche Neustrelitz zu sehen. Hier werden unter dem Thema „Liebesbande“ Plastiken von um 1800 bis zur Gegenwart ausgestellt.

Aus Anlass des 120. Geburtstages von Bertolt Brecht (1898 bis 1956) plant das Brecht-Weigel-Haus in Buckow zusammen mit der Gustav-Seitz-Stiftung im Schloss Trebnitz (Brandenburg) von februar bis April eine Ausstellung, in der neben den Brecht-Porträts von Gustav Seitz auch einige Plastiken Barlachs gezeigt werden sollen. Aus der Sammlung der Ernst-Barlach-Stiftung werden vier Plastiken Barlachs auf Schloss Trebnitz zu sehen sein.

Und schließlich zeigt das Museum am Wasserturm in Hohenlockstedt von April bis Juli die Schau „Landsturmmann Ernst Barlach im Lockstedter Lager, Januar 1916“. Für die Ausstellung stellt die Stiftung Plastiken, Zeichnungen, Druckgraphiken, Skizzenbücher und Briefe Barlachs zur Verfügung. Es sei üblich zwischen bedeutenden Museen, Ausstellungsstücke auszutauschen, sagt Volker Probst. „Das funktioniert nach dem Motto: ,Geb ich Dir, gibst Du mir’“, sagt er.

Ausstellungen 2018:

• noch bis 8. April: „Idyllen und Katastrophen“ – Aus dem Werk des Bildhauers Wolfgang Friedrich; Kuratoren- und Künstlerführung mit Inge Tessenow und Wolfgang Friedrich am 24. Januar um 14.30 Uhr
• 15. April bis 24. Juni: „Vom Liebesseufzer zur Totenklage – kontrastierende Motivwelten bei Ernst Barlach“, Kuratorin: Franziska Hell
• 1. Juli bis 30. September: „Vom Glück des Sammelns. Erwerbungen 2005 – 2018“, Kurator: Dr. Volker Probst

• 14. Oktober bis 22. April 2019: „Der Große Krieg im Kleinformat. Graphik- und Medaillenkunst zum Ersten Weltkrieg. Zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren“, in Zusammenarbeit mit der Letter-Stiftung Köln, Kuratoren: Dr. Bernd Ernsting unter Mitarbeit von Volker Probst

Kontakt: Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow, Heidberg 15, Telefon 0 38 43/844 00 10,

E-Mail office@barlach-stiftung.de

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