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Gestern erlebt : Glückliche Neu-Lüssower: die Brauns

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gemeinde punktet mit Schule, Kita und S-Bahn bis Warnemünde / Bei den finanziellen Sorgen drücken vor allem die Altschulden des Landkreises

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Nicole und Ronny Braun sowie ihre Kinder Felix (7) und Lena Christin (4) sind Neu-Lüssower und glücklich, die Entscheidung getroffen zu haben. Nicole Braun: „Vor anderthalb Jahren sind wir hierher gezogen. Wir wollten aus dem Mietshaus in Klein Upahl raus und was Eigenes haben.“

Die Entscheidung der Familie Braun für Lüssow fiel aus Gründen, mit denen das Dorf punktet und die Bürgermeister Wilfried Zander gern ins Feld führt, wenn er für Lüssow wirbt. „Wir locken solche Familien wie die Brauns mit der Grundschule, der Kita und der S-Bahn-Verbindung bis Warnemünde sowie mit der Nähe zu Güstrow“, sagt Zander. Nicole Braun bekräftigt das: „Ein-, zweimal in der Woche fahre ich nach Güstrow. Das ist einfach keine Entfernung.“

Das sagt auch Irene Wojack. Die Güstrowerin trafen wir gestern als sie gerade aus der S-Bahn stieg. Um 12.19 Uhr kam sie in Lüssow an. Da waren gerade mal fünf Minuten seit der Abfahrt in der Kreisstadt vergangen. „Ich fahre seit 25 Jahren mit dem Zug zu meiner Tochter, die in Lüssow wohnt“, erklärte sie.


„Eingriff in die finanzielle Selbstverwaltung der Gemeinde“


Ganz wichtig ist die Grundschule für das Dorf. „Mit 93 Schülern sind wir gegenwärtig sehr gut aufgestellt“, sagt Schulleiterin Roswitha Schlesinger. Vor allem überzeugt die Schule mit ihrer familiären Atmosphäre, als volle Halbtagsschule mit vielen Freizeitangeboten, einem Chor, der sehr oft in den Dörfern auftritt, und einer seit Jahren erfolgreichen Teilnahme am Landeswettbewerb „Wir in MV“. „Wir verstehen uns als ein Teil Lüssows und der Gemeinden“, betont die Schulleiterin. Dabei verhehlt sie nicht, dass sie auch hier und da noch das Gebäude ein bisschen verbessert hätte. Das aber stehe und falle mit dem Geld, das dem Amt Güstrow-Land zur Verfügung steht – oder nicht.

Die Finanzen sind es auch, die Bürgermeister Zander weiter Sorgen machen. Noch im alten Jahr musste die Gemeindevertretung ein Haushaltsicherungskonzept bis 2016 beschließen, weil die Gemeinde immer noch auf rund 2,4 Millionen Euro Schulden sitzt. Vor allem wegen der Wohnungen, die die Gemeinde zu DDR-Zeiten baute. „Aber damit müssen wir leben“, sagt Zander. Ein Verkauf ist vom Tisch, der bringe nichts. Bei günstigste Erlösen bleibe die Gemeinde immer auf 1,6 Millionen Euro sitzen, müsste das Geld bedienen, hätte aber keine Mieteinnahmen mehr. So muss die Gemeinde mit einem Leerstand bei 102 Wohnungen von rund 21 Prozent leben. Die Krise bekommt Zander allerdings, wenn er an die finanzielle Zwickmühle denkt, in der nicht nur Lüssow steckt. Gerade hat er im vergangenen Jahr aus dem zuletzt vom Land aufgelegten Millionenprogramm den Zuschlag für 11 000 Euro ab 2014 für die nächsten fünf Jahre bekommen. Und schon war er mit einem Kreistagsbeschluss einen Teil des Geldes schon wieder los. Zander pestet sich über die Altschulden des Landkreises. Mit je 6600 Euro in den nächsten zehn Jahren ist Lüssow in der Zahlungspflicht. Eine Pflicht, die er als „Eingriff in die finanzielle Selbstverwaltung der Gemeinde“ versteht.


Größtes Vorhaben: Sanierung der Sportbaracke


Aber Zander ist nicht der Jammer-Typ. Mit der Sanierung der Sportbaracke zu einem Mehrzweckzentrum im Dorf packt die Gemeinde auch wieder etwas an. „Es geht los, wenn die Fördermittel kommen. Der Antrag ist gestellt und wir werden 60 000 Euro Eigenleistungen erbringen.“ Er glaubt zwar nicht, dass das Vorhaben noch in diesem Jahr fertig wird. Aber passen würde es, denn Lüssow feiert viele Jubiläen: 875 Jahre Lüssow, 65 Jahre Fußball in Lüssow, 35 Jahre Landsportgemeinschaft (LSG) Lüssow, 10 Jahre Grundschule und 25 Jahre Schule in Lüssow.


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